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Corona-Anstieg: Europäische Länder greifen hart durch
International 5 Min. 22.10.2020

Corona-Anstieg: Europäische Länder greifen hart durch

Großbritannien, Blackburn: Medizinische Mitarbeiter des Royal Blackburn Lehrkrankenhauses in Schutzkleidung schieben einen Patienten auf einem Krankenhausbett durch einen Korridor.

Corona-Anstieg: Europäische Länder greifen hart durch

Großbritannien, Blackburn: Medizinische Mitarbeiter des Royal Blackburn Lehrkrankenhauses in Schutzkleidung schieben einen Patienten auf einem Krankenhausbett durch einen Korridor.
Foto: Hannah Mckay/PA Wire/dpa
International 5 Min. 22.10.2020

Corona-Anstieg: Europäische Länder greifen hart durch

Das Corona-Virus verbreitet sich in hohem Tempo in vielen Regionen Europas. Erste Länder reagieren nun mit harten Kontaktsperren.

(dpa/SC) - Angesichts der enorm steigenden Corona-Infektionen greifen mehrere europäische Länder jetzt zu schärferen Waffen im Kampf gegen die Pandemie. Die neuen Maßnahmen kommen teils einem landesweiten Lockdown gleich.

Erneuter Rekordwert in Deutschland

In Deutschland ist die Zahl der nachgewiesenen Corona-Neuinfektionen innerhalb eines Tages erneut stark gestiegen und hat erstmals den Wert von 10.000 überschritten. Die Gesundheitsämter meldeten nach Angaben des Robert Koch-Instituts vom Donnerstagmorgen 11.287 Fälle binnen 24 Stunden. Der bisherige Höchstwert seit Beginn der Corona-Pandemie in Deutschland war am Samstag mit 7830 Neuinfektionen erreicht worden.


ARCHIV - 16.03.2020, Bayern, Neuhaus am Inn: Polizisten stehen an der Bundesstraße 512 in der Nähe von Neuhaus am Inn an einer Kontrollstelle an der Grenze zu Österreich. (zu dpa «Deutschland verlängert Grenzkontrollen zu Österreich») Foto: Sven Hoppe/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Deutsche Polizeigewerkschaft will neue Grenzkontrollen
Weil die Infektionszahlen in den Nachbarländern massiv steigen, fordert die Gewerkschaft schärfere Kontrollen in den Grenzgebieten.

Experten zufolge sind die neu gemeldeten Infektionen wegen der Zeit zwischen Ansteckung, Test, Ergebnis und Meldung ein Hinweis darauf, wie stark das Virus vor etwa einer Woche in der Gesellschaft unterwegs war. Deshalb dauere es auch, bis sich politische Maßnahmen in den Meldezahlen niederschlagen könnten. Mit Blick auf stetig steigenden Fallzahlen will das Robert-Koch-Institut am Donnerstag in einem Presse-Briefing im Online-Format zur Entwicklung der Pandemie in Deutschland informieren. RKI-Präsident Lothar Wieler hatte zuletzt den Ernst der aktuellen Lage betont.

Seit Beginn der Corona-Krise haben sich nach RKI-Angaben mindestens 392.049 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert (Stand: 22.10., 0.00 Uhr). Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion lag demnach bei 9.905. Das waren 30 mehr als am Vortag. Nach Schätzungen des RKI gibt es inzwischen etwa 306.100 Genesene.  

Frankreich verlängert Notstand

Frankreich will den am vergangenen Samstag wieder in Kraft getretenen Gesundheitsnotstand bis zum 16. Februar verlängern. Der Ausnahmezustand im Gesundheitsbereich bietet einen rechtlichen Rahmen für Beschränkungen, zu denen auch Ausgangssperren gehören können. Er war am Wochenende wegen der alarmierenden Corona-Situation im Land erneut verhängt worden. 


TOPSHOT - A nurse tends to an elderly woman suspected of being infected with Covid-19 at the emergency service of the Andre Gregoire hospital in Montreuil east of Paris on October 15, 2020. (Photo by Christophe ARCHAMBAULT / AFP)
Wegen Luxemburg: Nachbarregion fehlen Pflegekräfte
Wegen besserer Arbeitskonditionen bewerben sich immer mehr französische Krankenpfleger lieber im Großherzogtum als in Metz oder Thionville.

Weitgehende Einschränkungen etwa bei Versammlungen sollen bis April möglich sein, wenn die gesundheitliche Lage dies nötig mache. Frankreich hat schwer mit der Covid-19-Pandemie zu kämpfen. Seit Samstag gilt in zahlreichen Städten, darunter Paris, eine nächtliche Ausgangssperre ab 21 Uhr. Am Wochenende wurden mehr als 32.000 Corona-Neuinfektionen binnen 24 Stunden gemeldet - ein Spitzenwert.  

Luxemburg setzt auf Eigenverantwortung

Auch in Luxemburg jagt derzeit ein Corona-Höchstwert den nächsten am Mittwoch verkündete Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP) einen Tagesanstieg der Corona-Fälle um 416 - ein Rekord.


PK Paulette Lenert.Corona Wochenbericht. Foto: Gerry Huberty/Luxemburger Wort
Appell von Lenert: "Lassen Sie Vorsicht walten"
Die Neuinfektionen steigen alarmierend an, noch will die Regierung aber nicht repressiv reagieren.

In der Woche vom 12. bis zum 18. Oktober wurden etwa doppelt so viele Neuinfektionen festgestellt, wie in der Vorwoche. Neue, strengere Maßnahmen sind allerdings vorerst nicht geplant, so die Gesundheitsministerin am Mittwoch. Solange die Lage unter Kontrolle gehalten werden kann, setzt die Regierung auf die Eigenverantwortung der Bürger.

In Luxemburg haben sich Stand Donnerstagmorgen seit dem Beginn der Pandemie insgesamt 11.671 Einwohner mit dem Corona-Virus angesteckt. 138 Patienten sind an dem Virus gestorben, 8.473 Menschen gelten als wieder genesen. Auf 100.000 Einwohner kamen am Dienstag 66,44 Infizierte, wie die Santé am Mittwochabend mitteilte.

Ausgangssperre in der Lombardei

In Italien ist erneut besonders die Region Lombardei betroffen. Wegen der stark steigenden Infektionszahlen dort gelten ab Donnerstagabend nächtliche Ausgangsverbote für die rund zehn Millionen Bürger.


Maskierte Mailänder auf der Piazza del Duomo.
Corona: Rückschlag für Italien
Die norditalienischen Provinzen Lombardei und Kampanien planen wegen steigender Corona-Zahlen nächtliche Ausgangsverbote.

Zu der norditalienischen Region gehören auch Mailand und Bergamo. Die Menschen dürfen zwischen 23 Uhr und 5 Uhr ihr Haus nur noch aus wichtigem Grund wie Arbeit oder Krankheit verlassen. Insgesamt haben sich in dem Mittelmeerland bisher nachweislich fast 450.000 Menschen mit dem Corona-Virus infiziert.

Über eine Million Infizierte in Spanien

Spanien durchbrach unterdessen die Marke von einer Million Corona-Infektionen. Seit dem Beginn der Pandemie seien 1.005.295 Menschen in dem Land mit 47 Millionen Einwohnern positiv auf das Virus getestet worden, teilte das Gesundheitsministerium mit.

 Salamanca: Mehrere Passanten befinden sich auf einer Straße am ersten Tag der restriktiven Corona-Maßnahmen, die die spanische Regierung verabschiedet hat.
Salamanca: Mehrere Passanten befinden sich auf einer Straße am ersten Tag der restriktiven Corona-Maßnahmen, die die spanische Regierung verabschiedet hat.
Foto: Manuel Ángel Laya/EUROPA PRESS/

In der Hauptstadt Madrid endet - trotz noch hoher Corona-Zahlen - am Freitag die von der Zentralregierung gegen den Willen der Regionalregierung angeordnete zweiwöchige Abriegelung. Die Stadt erwägt danach die Abschottung stark betroffener Stadtgebiete sowie eine nächtliche Ausgangssperre. Diese Möglichkeit wurde auch für ganz Spanien diskutiert. Allerdings müsste das Parlament dafür der Ausrufung des Notstandes zustimmen, was als unwahrscheinlich galt.

Tschechien macht dicht

In Tschechien müssen von Donnerstagmorgen (06.00 Uhr) an fast alle Geschäfte schließen, wie Gesundheitsminister Roman Prymula am Mittwoch bekannt gab. Ausgenommen sind etwa Lebensmittelgeschäfte und Apotheken. Zudem werden Ausgangsbeschränkungen verhängt: Die Regierung ordnete an, dass Leute ihre Kontakte mit anderen Menschen auf die „absolut notwendige Zeit“ begrenzen müssen.


An employee of Czech hospital beds maker Linet walks past the beds to be used in the Covid-19 field hospital at Letnany on October 20, 2020 in the Linet factory in the village of Zelevcice, 30km south-east of Prague. (Photo by Michal Cizek / AFP)
Tschechien verhängt landesweiten Lockdown
Die Corona-Situation in Tschechien gerät außer Kontrolle. Die Regierung verhängt Ausgangsbeschränkungen, um einen Kollaps der Krankenhäuser zu verhindern.

Im Land gilt bereits seit dem 5. Oktober der Notstand. Mit knapp 15.000 neuen Fällen innerhalb von 24 Stunden vermeldeten die Behörden am Donnerstag einen neuen Tagesrekord. Tschechien hat knapp 10,7 Millionen Einwohner, von denen sich insgesamt fast 194.000 mit dem Corona-Virus angesteckt haben. Nach Angaben des Europäischen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) hatte Tschechien am Mittwoch mit 975 Infektionen je 100.000 Einwohner europaweit die höchste Infektionsrate binnen 14 Tagen.

Slowakei „abgeriegelt“

In der Slowakei schließt auch Regierungschef Igor Matovic nach einem Rekordzuwachs von 2.202 Corona-Neuinfektionen binnen eines Tages einen Lockdown für sein Land nicht aus. Um einen ähnlich raschen Zuwachs der Fallzahlen wie im Nachbarland Tschechien zu verhindern, helfe womöglich nur mehr, „das ganze Land abzuriegeln“. Eine Entscheidung soll Donnerstag der nationale Corona-Krisenstab treffen. Die Zahl der Neuinfektionen in den ECDC-Statistiken lag bei 322 pro 100.000 Einwohner binnen 14 Tagen.

Geschäfte in Irland schließen

Irland verschärft erheblich seine Maßnahmen. Dort gilt seit der Nacht auf Donnerstag für sechs Wochen die höchste von fünf Maßnahmen-Stufen. Konkret bedeutet das: Wer kann, muss bis zum 1. Dezember in Irland daheim arbeiten.


Police officers wearing protective face masks control people riding bikes as they patrol at the start of the curfew in Brussels on October 19, 2020 as a measure against the spread of the COVID-19 pandemic caused by the novel coronavirus. - The consultative committee introduced stricter measures to reduce the risk of spreading COVID-19 as the contamination numbers are spiking. A curfew will be installed in the entire country from October 19, and no one will be allowed to leave their home between midnight and 5pm. (Photo by THIERRY ROGE / Belga / AFP) / Belgium OUT
Belgien: Wird die zweite Corona-Welle zum „Tsunami“?
Schon im Frühjahr hatte Belgien mit die höchsten Infektions- und Todeszahlen pro Kopf. Was ist nur los und was hilft jetzt noch?

Geschäfte, die keine lebensnotwendigen Waren verkaufen, werden geschlossen. Treffen mit anderen Haushalten sind bis auf wenige Ausnahmen untersagt. Schulen bleiben geöffnet. Sport im Freien ist im Umkreis von fünf Kilometern erlaubt. In Irland wurden bislang etwa 52.000 Infektionen unter den etwa fünf Millionen Einwohnern registriert.


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