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Corbyn fordert Mays Rücktritt
International 2 Min. 09.06.2017 Aus unserem online-Archiv
Labour mit starken Zugewinnen

Corbyn fordert Mays Rücktritt

Unerwartet obenauf: Labour-Chef Jeremy Corbyn am Abend nach der Wahl.
Labour mit starken Zugewinnen

Corbyn fordert Mays Rücktritt

Unerwartet obenauf: Labour-Chef Jeremy Corbyn am Abend nach der Wahl.
Foto: REUTERS
International 2 Min. 09.06.2017 Aus unserem online-Archiv
Labour mit starken Zugewinnen

Corbyn fordert Mays Rücktritt

Tom RÜDELL
Tom RÜDELL
Im Wahlkampf konnte Labour-Chef Jeremy Corbyn mächtig zulegen. Reicht das aber, um Theresa May vom Thron zu stürzen? Ihren Rücktritt forderte der Alt-Linke bereits.

(dpa) - Labour-Chef Jeremy Corbyn hat Premierministerin Theresa May angesichts der Zitterpartie bei der Parlamentswahl zum Rücktritt aufgefordert. Sie habe mit ihren Konservativen Sitze, Stimmen, Unterstützung und Vertrauen verloren, sagte der Altlinke in der Nacht zum Freitag. „Das ist wirklich genug, um zu gehen und Platz zu machen für eine Regierung, die wirklich alle Menschen dieses Landes repräsentiert.“

Nach Hochrechnungen hat May bei der Wahl am Donnerstag wahrscheinlich sogar die absolute Mehrheit verloren. Das Land brauche nun eine Phase der Stabilität, sagte die Premierministerin mit zitternder Stimme nach der Verkündung des Wahlergebnisses in ihrem Wahlkreis Maidenhead. Die konservative Partei werde voraussichtlich als stärkste Kraft aus der Wahl hervorgehen, sagte die 60-Jährige, die extrem blass wirkte. Mays Wahlkampf-Strategie und ihr ungelenkes Auftreten in der Öffentlichkeit hatten ihr viel Kritik eingebracht.

Der Sender BBC sah die Tories bei 318 Sitzen - das würde nicht für eine alleinige Regierungsmehrheit reichen. Labour kommt in den Hochrechnungen auf 267 Sitze, die Schottische Nationalpartei (SNP) auf 32 und die Liberaldemokraten konnten mit 11 Mandaten rechnen. Insgesamt waren am Freitagmorgen 610 von 650 Sitzen ausgezählt. Das amtliche Endergebnis wird erst am Freitagnachmittag veröffentlicht.

Mit der Neuwahl wollte May eigentlich die Mehrheit der Konservativen deutlich ausbauen und sich Rückendeckung für die Verhandlungen über den EU-Austritt ihres Landes (Brexit) holen. Zeitweise wurde in der Nacht ihr Rücktritt nicht mehr ausgeschlossen. Am 20. Mai hatte die 60-Jährige in sozialen Netzwerken geschrieben: „Wenn ich nur sechs Sitze verliere, dann verliere ich diese Wahl und (Labour-Chef) Jeremy Corbyn wird mit Europa am Verhandlungstisch sitzen.“

Kritik für May aus den eigenen Reihen

Ex-Finanzminister George Osborne, der unter May 2016 seinen Posten verloren hatte, stellte als einer der ersten Mays Zukunft in Frage. „Wenn sie ein schlechteres Ergebnis als vor zwei Jahren hat und fast keine Regierung bilden kann, dann bezweifle ich, dass sie auf lange Sicht Parteichefin der Konservativen bleiben wird.“ Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon bewertete Mays Ergebnis als Desaster. Nigel Farage von der rechtspopulistischen Ukip-Partei twitterte: „Die Konservativen brauchen einen Anführer, der an den Brexit glaubt.“

Der Chef der EU-feindlichen UK Independence Party (Ukip), Paul Nuttall, schaffte den Einzug ins Parlament nicht. Der 40-Jährige wurde in seinem Wahlkreis nur Dritter.

Auf Großbritannien könnten komplizierte Koalitionsverhandlungen zukommen. Die Liberaldemokraten sagten bereits Nein. „Es gibt keine Koalition, es gibt keine Deals“, betonte die außenpolitische Sprecherin der Labour-Fraktion, Emily Thornberry, in der Nacht zum Freitag im Sender BBC. Es werde entweder eine Minderheitsregierung der Tories oder der Labour-Partei geben. Die Liberaldemokraten kämpfen als einzige landesweite Partei für den Verbleib in der EU.

Die Partei der nordirischen Protestanten der DUP (Democratic Unionist Party) ist hingegen zu Verhandlungen mit den Konservativen bereit. „Natürlich werden wir mit ihnen (den Konservativen) über ihren Wunsch sprechen, eine Regierung zu bilden“, sagte DUP-Politiker Jeffrey Donaldson der britischen Nachrichtenagentur PA zufolge. Bei der Parlamentswahl vor zwei Jahren hatte die DUP acht Sitze gewonnen.


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