Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Christchurch: Moschee-Schütze wollte weitermorden
Anwohner in Christchurch zollen den Opfern mit dem Niederlegen von Blumen Respekt.

Christchurch: Moschee-Schütze wollte weitermorden

Foto: AFP
Anwohner in Christchurch zollen den Opfern mit dem Niederlegen von Blumen Respekt.
International 3 Min. 16.03.2019

Christchurch: Moschee-Schütze wollte weitermorden

Einen Tag nach dem Anschlag auf Moscheen in Christchurch ist das Entsetzen immer noch groß. Neuseelands Premierministerin nennt neue Details zu den Opfern - und kündigt rasche Konsequenzen an.

(dpa) - Der Todesschütze von Christchurch hat nach Regierungsangaben weitere Morde geplant. „Er hatte absolut die Absicht, seine Attacke fortzuführen“, sagte Premierministerin Jacinda Ardern am Samstag bei einem Besuch in der neuseeländischen Großstadt. Der mutmaßlich rechtsextremistische Täter hatte dort am Freitag in zwei Moscheen 49 Menschen erschossen, darunter mehrere Kinder. Nachdem er die zweite Moschee verlassen hatte, wurde er in seinem Auto von der Polizei gestoppt. Im Wagen wurden zwei weitere Feuerwaffen und Sprengstoff sichergestellt.

Jacinda Ardern gab neue Details zu den Attacken bekannt. Die Premierministerin kündigte zudem Konsequenzen an.
Jacinda Ardern gab neue Details zu den Attacken bekannt. Die Premierministerin kündigte zudem Konsequenzen an.
Foto: AFP

Ardern kam in Christchurch auch mit Vertretern der muslimischen Gemeinschaft zusammen. Vermutet wird, dass es sich bei allen 49 Todesopfern um Muslime handelt. Darunter sind auch Flüchtlinge, die erst vor kurzem etwa aus Syrien nach Neuseeland gekommen waren.


16.03.2019, Neuseeland, Christchurch: Der mutmaßliche Haupttäter (l) wird unter großen Sicherheitsvorkehrungen in das Bezirksgericht zu einer Anhörung gebracht. Nur einen Tag nach den Terroranschlägen auf zwei Moscheen in Christchurch ist der 28-jährige Australier offiziell des Mordes beschuldigt worden. Bei dem Doppelanschlag waren mindestens 49 Menschen getötet worden. Foto: Mark Mitchell/SNPA/ New Zealand Herald POOL/AAP/dpa - ACHTUNG: Person wurde aus rechtlichen Gründen gepixelt +++ dpa-Bildfunk +++
Auch Kinder unter den 49 Todesopfern von Christchurch
Neuseelands Premierministerin nennt einen Tag nach dem Terroranschlag in Christchurch neue Details zu den Opfern - und kündigt rasche Konsequenzen an.

Dem mutmaßlichen Täter, einem 28 Jahre alten Australier, wird vielfacher Mord zur Last gelegt. Er sitzt nun in einem Untersuchungsgefängnis. Bei einer Verurteilung droht ihm lebenslange Haft. Nach aktuellem Stand der Ermittlungen scheint er die Schüsse in den Moscheen alleine abgefeuert zu haben. Die Polizei wollte am Sonntagvormittag (Ortszeit/Samstag 21.30 Uhr MEZ) weitere Informationen mitteilen.  

Als Reaktion auf den brutalsten Anschlag in der jüngeren Geschichte Neuseelands will die Regierung die Waffengesetze verschärfen. Ardern sprach abermals von einem „terroristischen Akt“. Der Verdächtige, der seit mehreren Jahren in Neuseeland lebt, hatte einen Waffenschein. Er war auch Mitglied in einem Schützenverein.

Noch 39 Verletzte mit Schusswunden im Krankenhaus

Insgesamt 39 Menschen lagen am Samstag noch mit Schusswunden in verschiedenen Krankenhäusern der neuseeländischen Großstadt. Elf davon befanden sich in Intensivbehandlung. Ardern besuchte auch ein Flüchtlingsheim mit Muslimen. Dabei sagte sie: „Neuseeland ist in Trauer vereint.“ Der Pazifikstaat mit knapp fünf Millionen Einwohnern blieb bislang von Terrorismus und Amokläufen weitgehend verschont.


Attentäter von Neuseeland war auf dem Balkan unterwegs
Der Attentäter von Christchurch ist Kenner der Balkangeschichte. Seine Waffen tragen Namen von Schlachtorten und Kämpfern gegen die Osmanen.

Christchurch steht immer noch unter Schock. In der Nähe der Tatorte legten viele Menschen Blumen nieder und zündeten Kerzen an. Insgesamt war es in der Stadt jedoch viel ruhiger als an normalen Samstagen. Viele Geschäfte blieben geschlossen. Mit etwa 50 000 Gläubigen - darunter viele Einwanderer aus Staaten wie Pakistan und Bangladesch - sind Muslime in Neuseeland eine Minderheit.

Das Video der grausamen Tat und ein rechtsextremes Manifest

Nach bisherigem Ermittlungsstand drang der Täter zunächst in die Al-Nur-Moschee ein, in der sich mehr als 300 Menschen zum Freitagsgebet versammelt hatten. Dort schoss er mit mindestens zwei Schnellfeuerwaffen um sich und tötete 41 Menschen. Ardern zufolge hatte er die Waffen manipuliert, um die Schusskraft zu erhöhen. Anschließend fuhr er zu einer zweiten Moschee und brachte dort acht weitere Menschen um. Mit einer Helmkamera filmte er die Tat und übertrug sie live ins Internet. Das Video ist 17 Minuten lang.

Nach Angaben der neuseeländischen Polizei vergingen vom ersten Alarm bis zur Festnahme 36 Minuten. Unklar blieb, ob zwei andere Verdächtige, die ebenfalls schon am Freitag festgenommen wurden, mit dem Australier in Kontakt standen.


Police officers guard the area close to the Masjid al Noor mosque after a shooting incident in Christchurch on March 15, 2019. - Attacks on two Christchurch mosques left at least 40 dead on March 15, with one gunman � identified as an Australian extremist -- apparently livestreaming the assault that triggered the lockdown of the New Zealand city. (Photo by Tessa BURROWS / AFP)
Christchurch-Anschlag: Was bekannt ist – und was nicht
Bei einem Anschlag auf zwei Moscheen in Neuseeland sterben mindestens 49 Menschen. Was wir über die Angriffe wissen.

Im Internet kursiert auch ein 74-seitiges „Manifest“ mit rechtsextremen Parolen, das von dem Australier stammen soll. Die Ermittler bestätigten bislang allerdings nicht, dass er tatsächlich der Urheber des Schreibens ist.

Zu dem Gerichtstermin wurde der mutmaßliche Täter in Handschellen und weißer Häftlingskleidung vorgeführt. Dabei zeigte er das „Okay“-Zeichen in die Kameras, wie es in der englischsprachigen Welt verbreitet ist: Daumen und Zeigefinger zusammengehalten, die anderen Finger abgespreizt. Nach neuseeländischen Medienberichten äußerte er sich nicht zu den Vorwürfen. Der nächste Gerichtstermin ist am 5. April vorgesehen.

Der Tatverdächtige Brenton Tarrant wurde am Samstag dem Gericht vorgeführt.
Der Tatverdächtige Brenton Tarrant wurde am Samstag dem Gericht vorgeführt.
Foto: AFP

Die Zeitung „The Australian“ (Samstag) berichtete, dass der ehemalige Fitness-Trainer schon früher merkwürdige Kommentare von sich gegeben habe. In einem Online-Eintrag von 2011 habe er über sich geschrieben: „Ich bin ein Monster der Willenskraft. Ich brauche nur ein Ziel.“


15.03.2019, Neuseeland, Christchurch: Menschen stehen nach Schüssen vor der Masjid Al Noor Moschee. Bei Angriffen auf zwei Moscheen in der neuseeländischen Stadt Christchurch sind am Freitag mehrere Menschen getötet worden. Foto: Martin Hunter/SNPA/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
49 Tote bei Attacke auf zwei Moscheen
Mitten im Freitagsgebet stürmt ein bewaffneter Mann eine Moschee im neuseeländischen Christchurch und schießt um sich. Der Täter stammt aus dem rechtsextremen Millieu.

Als Konsequenz aus dem Anschlag verschärft Neuseeland das Waffenrecht. „Unsere Waffengesetze werden sich ändern“, kündigte Ardern an. In dem Pazifikstaat darf man bislang nach einer Überprüfung durch die Behörden schon mit 16 Jahren Waffen besitzen. Dazu benötigt man einen Waffenschein, muss die Waffen aber nicht alle einzeln anmelden.

Balkanreisen des mutmaßlichen Täters legen ideologische Verbindungen nach Europa nahe. Das Video zeigt auf Waffen des Täters geschriebene Namen von Schlachten in Europa gegen die Araber oder die Osmanen, darunter mehrere auf dem Balkan. Nach Angaben der bulgarischen Justiz war der Mann 2016 und 2018 unter anderem in Serbien, Bosnien-Herzegowina und Bulgarien.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Neuseeland verschärft Waffengesetze
Nach dem Massaker in zwei Moscheen will Neuseeland verhindern, dass sich solch ein Verbrechen wiederholt. Dazu bringt die Regierung härtere Waffengesetze auf den Weg.
17.03.2019, Berlin: Ein Teilnehmer der Gedenkfeier für die Terroropfer des Anschlages im neuseeländischen Christchurch steht mit einer Landesflagge von Neuseeland auf dem Tempelhofer Feld. Dort gedachten zahlreiche Menschen den 50 Todesopfern und den Verletzten des rechtsextremen Anschlags. Foto: Paul Zinken/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
49 Tote bei Attacke auf zwei Moscheen
Mitten im Freitagsgebet stürmt ein bewaffneter Mann eine Moschee im neuseeländischen Christchurch und schießt um sich. Der Täter stammt aus dem rechtsextremen Millieu.
15.03.2019, Neuseeland, Christchurch: Menschen stehen nach Schüssen vor der Masjid Al Noor Moschee. Bei Angriffen auf zwei Moscheen in der neuseeländischen Stadt Christchurch sind am Freitag mehrere Menschen getötet worden. Foto: Martin Hunter/SNPA/dpa +++ dpa-Bildfunk +++