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China und Großbritannien streiten über Hongkong
International 2 Min. 02.07.2020

China und Großbritannien streiten über Hongkong

Peking geht mit aller Härte gegen Bürgerrechtler in Hongkong vor.

China und Großbritannien streiten über Hongkong

Peking geht mit aller Härte gegen Bürgerrechtler in Hongkong vor.
Foto: Willie Siawillie Siau/SOPA Image
International 2 Min. 02.07.2020

China und Großbritannien streiten über Hongkong

Aus Protest gegen das neue Sicherheitsgesetz bietet die ehemalige Kolonialmacht Großbritannien Millionen ehemaliger Untertanen in Hongkong die Einbürgerung an. China will sich dem Plan widersetzen.

(dpa) - Nach dem Erlass eines scharfen Gesetzes zum Schutz der nationalen Sicherheit in Hongkong ist ein heftiger Streit zwischen China und Großbritannien über den Umgang mit den ehemaligen britischen Untertanen entbrannt. So stößt das Angebot des britischen Premierministers Boris Johnson, bis zu drei Millionen Bewohnern der ehemaligen britischen Kronkolonie eine Einbürgerung in Aussicht zu stellen, in Peking auf heftigen Widerstand.


TOPSHOT - A woman reacts after she was hit with pepper spray deployed by police as they cleared a street with protesters rallying against a new national security law in Hong Kong on July 1, 2020, on the 23rd anniversary of the city's handover from Britain to China. - A man found in possession of a Hong Kong independence flag became the first person to be arrested under Beijing's new national security law for the city, police said on July 1. (Photo by DALE DE LA REY / AFP)
Hongkongs Anfang vom Ende
Das von Peking installierte Sicherheitsgesetz besiegelt die relative politische Freiheit in Hongkong. Noch regt sich Widerstand.

Bei ungenehmigten Protesten gegen das Sicherheitsgesetz wurden am Mittwoch in Hongkong mehr als 370 Personen festgenommen, wie die Polizei berichtete. Zehn seien wegen Verstößen gegen das neue Dekret in Haft genommen worden. Es war zum 23. Jahrestag der Rückgabe Hongkongs an China am Mittwoch in Kraft getreten. Das weitreichende und vage formulierte Gesetz aus Peking richtet sich gegen Separatismus, Untergrabung der Staatsgewalt, Terrorismus und „geheime Absprachen“ mit China-feindlichen Kräften im Ausland.

Aus Protest gegen das Gesetz bestellte die britische Regierung den chinesischen Botschafter Liu Xiaoming in London ins Außenministerium ein. Außenminister Dominic Raab warf der kommunistischen Führung in Peking vor, mit dem Gesetz die bisher garantierten Freiheiten in Hongkong zu strangulieren. „Das ist ein schwerwiegender und zutiefst beunruhigender Schritt“, sagte Raab im Parlament in London.


Pro-China supporters display Chinese and Hong Kong flags as they open champagne bottles during a rally near the government headquarters in Hong Kong on June 30, 2020, as China passed a sweeping national security law for the city. - China passed a sweeping national security law for Hong Kong, a historic move that critics and many western governments fear will smother the finance hub's freedoms and hollow out its autonomy. (Photo by Anthony WALLACE / AFP)
Neues Sicherheitsgesetz: Das Ende der Autonomie in Hongkong
Eine neue Zeitrechnung in Hongkong: 23 Jahre nach Rückgabe der einstigen britischen Kolonie an China führt Peking ein neues Sicherheitsgesetz ein. Es ist der bislang größte Angriff auf die Autonomie.

China sprach hingegen von einer Einmischung Großbritanniens in innere Angelegenheiten und widersetzt sich den britischen Plänen, Millionen Hongkongern die Einbürgerung zu ermöglichen. „Alle Landsleute, die in Hongkong wohnen, sind chinesische Staatsbürger“, hatte Außenamtssprecher Zhao Lijian schon zuvor betont.

Bislang können sich Bürger Hongkongs bis zu sechs Monate ohne Visum in Großbritannien aufhalten, wenn sie den Status eines British National Overseas (BNO) haben. Derzeit haben rund 350.000 Hongkonger einen solchen Ausweis. Theoretisch wären aber knapp drei Millionen berechtigt, einen derartigen Pass zu beantragen. Sie sollen nach dem Angebot künftig sogar bis zu fünf Jahre in Großbritannien bleiben und arbeiten dürfen - mit Aussicht auf Einbürgerung.

China betrachtet den BNO-Pass allerdings nur als „Reisedokument“, das kein längeres Aufenthaltsrecht in Großbritannien ermöglichen dürfe. Das britische Angebot verstoße gegen Vereinbarungen zwischen China und Großbritannien, wonach es kein Bleiberecht für Besitzer eines BNO-Passes geben solle, zitierte die chinesische Zeitung „Global Times“ einen Sprecher der chinesischen Botschaft in London.


(FILES) In this file picture taken on June 9, 2019, protesters gesture as they chant "no extradition" as they rally against a controversial extradition law proposal in Hong Kong. - Hong Kong on June 9, 2020 marks a year since pro-democracy protests erupted, but a resumption of city-wide unrest is unlikely as activists reel from mass arrests, coronavirus bans on public gatherings and a looming national security law. (Photo by PHILIP FONG / AFP)
Jahrestag der Protestbewegung in Hongkong
Vor einem Jahr flammten die Proteste der prodemokratischen Kräfte in Hongkong neu auf. Die Demonstrationen dauern bis heute an.

Sollte die britische Seite darauf beharren, einseitig die betreffende Praxis zu ändern, wäre es eine Verletzung eingegangener Verpflichtungen und internationalen Rechts. Das britische Angebot an die Hongkonger stimme auch nicht „mit dem Geist der chinesisch-britischen gemeinsamen Erklärung“ für die Rückgabe der Kronkolonie an China überein, wurde der Sprecher zitiert.

Das neue Sicherheitsgesetz war in Hongkong und international auf scharfe Kritik gestoßen. Es gibt Chinas Staatssicherheitsorganen weitreichende Vollmachten in der eigentlich autonomen chinesischen Sonderverwaltungsregion. Obwohl den sieben Millionen Hongkongern beim Souveränitätswechsel 1997 Freiheitsrechte und Autonomie garantiert worden waren, können chinesische Staatssicherheitsorgane in Hongkong künftig eigenmächtig Ermittlungen ausführen und Rechtshoheit ausüben.

Der britische Premierminister Boris Johnson sah einen „deutlichen und ernsten Bruch“ der „Gemeinsamen Erklärung“ mit China über die Rückgabe Hongkongs. Das Gesetz verletze Hongkongs Autonomierechte und stehe im Widerspruch zum Grundgesetz der Sonderverwaltungszone, sagte Johnson. Es sieht als Höchststrafe lebenslange Haft vor, wendet sich auch gegen Ausländer und ermöglicht Auslieferungen nach China.


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Bei den Protesten am Mittwoch in Hongkong wurden auch sieben Polizisten verletzt. Ein Beamter sei sogar mit einer Stichwaffe verletzt worden, berichtete die Polizei. Wie die „South China Morning Post“ berichtete, wurde der 24-jährige Angreifer später vor dem Abflug nach Großbritannien an Bord eines Flugzeuges festgenommen.


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