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China: Neue Dokumente zeigen willkürliche Inhaftierung von Uiguren
International 2 Min. 18.02.2020 Aus unserem online-Archiv

China: Neue Dokumente zeigen willkürliche Inhaftierung von Uiguren

China, Ürümqi: Demonstranten wehren sich gegen einen Polizeieinsatz.

China: Neue Dokumente zeigen willkürliche Inhaftierung von Uiguren

China, Ürümqi: Demonstranten wehren sich gegen einen Polizeieinsatz.
Foto: epa Oliver Weiken/EPA/dpa
International 2 Min. 18.02.2020 Aus unserem online-Archiv

China: Neue Dokumente zeigen willkürliche Inhaftierung von Uiguren

Ein falscher Klick im Internet, kritische Angehörige im Ausland, Kopftuch oder Bart: Es braucht nicht viel, um als Uigure in China in einem Umerziehungslager zu landen, wie vertrauliche Listen verraten.

(dpa) - Geheime Dokumente aus dem chinesischen Machtapparat enthüllen die willkürlichen Gründe für die Inhaftierung von Uiguren in Umerziehungslagern. Kopftuch oder Bärte tragen, einen Pass beantragen, Verwandte im Ausland, eine Pilgerfahrt oder religiöse Bücher werden in den Listen genannt, über die eine Gruppe deutscher und internationaler Medien am Dienstag berichteten. Unter ihnen sind der NDR, der WDR, die Deutsche Welle und "Süddeutsche Zeitung".

Familien der muslimischen Minderheit in der nordwestchinesischen Region Xinjiang werden demnach als "vertrauenswürdig" oder nicht, ihre Haltung "als gut" oder "gewöhnlich" oder die Atmosphäre in der Familie als religiös eingestuft, um einen Verdacht zu begründen. Auch wie viele Angehörige schon im Lager sitzen, werde berücksichtigt.

Ein junges Mädchen, das der ethnischen uigurischen Minderheit angehört, neben chinesischen Sicherheitskräften.
Ein junges Mädchen, das der ethnischen uigurischen Minderheit angehört, neben chinesischen Sicherheitskräften.
Foto: epa Diego Azubel/epa/dpa

Die Listen mit persönlichen Angaben zu überwachten Personen stammen aus dem Kreis Karakax (Regierungsbezirk Hotan). Sie umfassen rund 140 Seiten und führen unter anderem detaillierte Informationen zu mehr als 300 Personen auf, die in Lagern interniert sind oder waren. Nicht alle Einträge ließen sich zeitlich festlegen, doch stamme der aktuellste Eintrag vom März 2019, berichtete der NDR.

Neue Enthüllungen dank Exil-Uigurin Asiye Abdulaheb  

Nach Schätzungen von Menschenrechtlern sind Hunderttausende bis eine Million Uiguren in solche Umerziehungslager gesteckt worden. Chinas Regierung spricht von "Berufsbildungseinrichtungen", die von den Insassen freiwillig besucht würden. Schon die im November ähnlich enthüllten "China Cables" zeigten aber, dass der Aufenthalt in den streng bewachten Einrichtungen zwangsweise angeordnet wird.


ARCHIV - 07.07.2009, China, Ürümqi: Eine Angehörige der uigurischen Minderheit in China versucht einen Polizisten zu packen, während einer Demonstration in Ürümqi in der Unruheregion Xinjiang in Nordwestchina. Foto: Oliver Weiken/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
„China Cables“ enthüllen Internierung und Verfolgung
Die Unterlagen stammen aus den Jahren 2017 und 2018. Weltweit haben mehr als 75 Journalistinnen und Journalisten von 17 Medienpartnern die Dokumente ausgewertet.

Wie die "China Cables" leitete die in den Niederlanden lebende Exil-Uigurin Asiye Abdulaheb die internen Papiere nach Angaben der britischen BBC an die Journalisten weiter. Experten haben die Authentizität überprüft.

Der Forscher Rian Thum von der Universität Nottingham sagte laut NDR, die Listen belegten "einen enormen Akt der kollektiven Bestrafung", der letztlich rassistisch motiviert sei.

Die Exil-Uigurin Asiye Abdulaheb lebt derzeit in den Niederlanden.
Die Exil-Uigurin Asiye Abdulaheb lebt derzeit in den Niederlanden.
Foto: Asiye Abdulaheb/dpa

In China leben schätzungsweise zehn Millionen Uiguren, die meisten in Xinjiang. Sie sind ethnisch mit den Türken verwandt und fühlen sich von den herrschenden Han-Chinesen wirtschaftlich, politisch und kulturell unterdrückt. Nach ihrer Machtübernahme 1949 in Peking hatten die Kommunisten das frühere Ostturkestan China einverleibt. Peking wirft uigurischen Gruppen Separatismus und Terrorismus vor.

Die Listen führen zahlreiche Gründe auf, warum Menschen in die Lager gebracht worden sind. Am häufigsten wird laut NDR ein Verstoß gegen Chinas Gesetze zur Geburtenkontrolle genannt. Weitere Gründe lauten demnach auch: "Diese Person trägt einen langen Bart", "Person, die bei der [islamischen Pilgerreise] Haddsch war".

China, Ürümqi: Ein Angehöriger der uigurischen Minderheit in China geht in der Unruheregion Xinjiang in Nordwestchina vorbei an chinesischen Sicherheitskräften.
China, Ürümqi: Ein Angehöriger der uigurischen Minderheit in China geht in der Unruheregion Xinjiang in Nordwestchina vorbei an chinesischen Sicherheitskräften.
Foto: Diego Azubel/epa/dpa

Auch hieß es denn Angaben zufolge: "Internetseite angeklickt, die Links zu unerwünschten ausländischen Internetseiten enthält" oder "bleibt grundlos vom Flaggenhissen fern". Während des islamischen Fastenmonats Ramadan das Restaurant geschlossen zu halten, werde auch erwähnt. "Verschleierung der Ehefrau" und "Angehöriger einer Person, nach der im Ausland gefahndet wird" seien weitere Gründe.

Vereinzelt werden Personen nach diesen Angaben auch verdächtigt, Mitglieder oder Sympathisanten von islamistischen Terrorgruppen zu sein. Die Liste zeigt laut NDR auch, dass Uiguren bestimmter Geburten-Jahrgänge kategorisch als besonders gefährlich eingestuft worden sind - vor allem junge Männer.


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