Wählen Sie Ihre Nachrichten​

China erlaubt Familien drei Kinder
International 3 Min. 31.05.2021

China erlaubt Familien drei Kinder

Die Fruchtbarkeitsrate ist in China auf 1,3 Kinder pro Frau gefallen.

China erlaubt Familien drei Kinder

Die Fruchtbarkeitsrate ist in China auf 1,3 Kinder pro Frau gefallen.
Foto: AFP
International 3 Min. 31.05.2021

China erlaubt Familien drei Kinder

China kämpft mit einer rapide alternden Gesellschaft. Schon die Zwei-Kind-Politik seit 2015 konnte die Geburtenrate nicht ankurbeln.

(dpa) - Wegen des unerwartet starken Geburtenrückgangs und der schnellen Überalterung der Gesellschaft beschloss das Politbüro der Kommunistischen Partei am Montag eine „Optimierung der Geburtenpolitik“. Die Wende soll helfen, die Bevölkerungsstruktur zu verbessern und „aktiv“ auf die Überalterung zu reagieren, wie die Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. Experten zeigten sich skeptisch, ob die Drei-Kind-Politik erfolgreich wird.

Der Beschluss fiel nur drei Wochen nach der Veröffentlichung der jüngsten Volkszählung. So droht die 1,4 Milliarden zählende chinesische Bevölkerung in wenigen Jahren zu schrumpfen. Als Gründe nannten Experten die seit 1979 geltende Ein-Kind-Politik, die erst 2015 aufgehoben und durch eine Zwei-Kind-Politik ersetzt worden ist, sowie die hohen Kosten für Wohnraum, Ausbildung und Gesundheit.

Bessere Versorgung

Auf der Sitzung des Politbüros unter Vorsitz von Staats- und Parteichef Xi Jinping wurden daher „unterstützende Maßnahmen“ für die Drei-Kind-Politik angekündigt. So soll die Gesundheitsversorgung vor und nach Geburten verbessert und ein universelles System zur Kinderbetreuung entwickelt werden, kündigte das Politbüro eher vage an. Die Kosten der Familien für Ausbildung sollen reduziert werden.


(FILES) In this file photo taken on October 1, 2019, Chinese troops march during a military parade in Tiananmen Square in Beijing, to mark the 70th anniversary of the founding of the People�s Republic of China. - China could invade Taiwan within the next six years, as Beijing accelerates its moves to supplant US military power in Asia, Washington's top military officer in Asia-Pacific, Admiral Philip Davidson, said on March 9, 2021. "I worry that they're (China) accelerating their ambitions to supplant the United States and our leadership role in the rules-based international order... by 2050," Davidson said. (Photo by Greg BAKER / AFP)
Chinas Präsident ruft Militär zur „Kampfbereitschaft“ auf
Vor dem Hintergrund wachsender Spannungen mit den USA und seinen Nachbarn sieht Xi Jinping eine risikoreiche Sicherheitslage.

„Es ist notwendig, den Erziehungsurlaub, den Mutterschutz, die Vorteile bei Steuer, Wohnraum und durch andere Unterstützung zu verbessern und die legitimen Rechte und Interessen der berufstätigen Frauen zu schützen“, hieß es in dem Beschluss des obersten Machtorgans der chinesischen Führung weiter.

Allerdings haben sich viele Chinesen längst daran gewöhnt, nur ein Kind zu haben. Fachleute hoben hervor, dass Chinas umstrittene Familienplanung, die durch radikale Maßnahmen das Bevölkerungswachstum bremsen sollte, das Fruchtbarkeitskonzept der Chinesen komplett verändert habe. Die heutigen Eltern stammen meist auch aus Ein-Kind-Familien und finden es aus eigener Erfahrung schon nicht ungewöhnlich, nur ein Kind zu haben.

Fortschreitende Überalterung

In den vergangenen zehn Jahren ist Chinas Bevölkerung aber nur noch um jährlich 0,53 Prozent auf 1,41178 Milliarden Menschen gewachsen - so langsam wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Die seit 2015 verfolgte Zwei-Kind-Politik hatte nur im Folgejahr zu einem leichten Anstieg der Geburten geführt. Seither ist die Zahl jedes Jahr gefallen. Im vergangenen Jahr ging die Zahl der Geburten nach offiziellen Angaben sogar um 18 Prozent auf zwölf Millionen zurück.


14.08.2020, China, Guangzhou: Blick auf ein kleines Haus, das von der neu eröffneten Haizhuyong-Brücke umgeben ist und um die winzige Residenz herum gebaut wurde, nachdem die Besitzerin sich geweigert hatte, sie an die Regierung zu verkaufen. Das Gebäude ist eines von vielen Beispielen für "Nagelhäuser" in China, deren Besitzer sich weigern, ihr Grundstück für einen Neubau zu verkaufen. Foto: Lizhihao/SIPA Asia via ZUMA Wire/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Kuriosität in China: Kleines Haus mitten in einer Autobahnbrücke
Bilder eines kleinen Haus in der Metropole Guangzhou im Süden des Landes sorgen derzeit für Aufsehen - weil eine Autobahnbrücke drumherum gebaut werden musste.

Wie die Volkszählung auch zeigte, schreitet die Überalterung des Milliardenvolkes damit unaufhaltsam voran: Die Zahl der Chinesen über 60 Jahre ist seit 2010 um 5,44 Prozent auf 264 Millionen gestiegen. Knapp jeder fünfte Chinese (18,7 Prozent) ist heute schon älter als 60 Jahre, während die Bevölkerungsgruppe im arbeitsfähigen Alter weiter zurückgeht. Die Gruppe zwischen 15 und 59 Jahren verkleinerte sich um 6,79 Prozentpunkte auf einen Anteil von 63 Prozent.

Experten warnen, dass der Arbeitskräftemangel und die demografische Entwicklung die zweitgrößte Volkswirtschaft bremsen werden. Immer weniger Werktätige müssen immer mehr alte Leute versorgen. So wird eine unpopuläre Anhebung des Rentenalters diskutiert.

China hat weltweit eine der niedrigsten Altersgrenzen: Frauen können je nach Beruf mit 50 oder 55 Jahren in Rente gehen - Männer mit 60. Die Regelung stammt aus den Anfängen der Volksrepublik, als die Lebenserwartung niedrig war.

Drohender Bevölkerungsrückgang

Ob die jüngste Volkszählung aber überhaupt das wahre Ausmaß der Entwicklung widerspiegelt, blieb unklar. So wiesen Experten auf Widersprüche hin und deuteten an, dass die Lage noch düsterer sein könnte. Die genannten zwölf Millionen Geburten 2020 waren auffallend höher war als die 10,04 Millionen, die das Ministerium für öffentliche Sicherheit im Februar gemeldet hatte.

Da in China rund zehn Millionen Menschen im Jahr sterben, deutet der Geburtenrückgang in Richtung Null-Wachstum oder Bevölkerungsrückgang.

Die Fruchtbarkeitsrate ist laut Statistikamt auf 1,3 Kinder pro Frau gefallen. Das ist deutlich niedriger als die 2,1, die für eine stabile Bevölkerungszahl notwendig wären. Die Zahl der Eheschließungen geht zurück, während die Scheidungsrate in China viel höher ist als etwa in Japan oder Südkorea. Viele Paare warten auch mit der Heirat und gründen erst später Familien.   

Mit der Ein-kind-Politik versuchte China in den 1970er Jahren der Bevölkerungsexplosion Einhalt zu gebieten.
Mit der Ein-kind-Politik versuchte China in den 1970er Jahren der Bevölkerungsexplosion Einhalt zu gebieten.
Foto: AFP


Folgen Sie uns auf Facebook, Twitter und Instagram und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema