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Chaotische erste TV-Debatte zwischen Trump und Biden
International 6 1 5 Min. 30.09.2020

Chaotische erste TV-Debatte zwischen Trump und Biden

US-Präsident Donald Trump (rechts) und sein Herausforderer Joe Biden bei der ersten TV-Debatte in Cleveland, Ohio.

Chaotische erste TV-Debatte zwischen Trump und Biden

US-Präsident Donald Trump (rechts) und sein Herausforderer Joe Biden bei der ersten TV-Debatte in Cleveland, Ohio.
Foto: AFP
International 6 1 5 Min. 30.09.2020

Chaotische erste TV-Debatte zwischen Trump und Biden

Bei der ersten TV-Debatte von Donald Trump und Joe Biden wurde einiges an Streit erwartet - doch das Streitgespräch versank nahezu im Chaos. Der Präsident hatte maßgeblichen Anteil daran.

(dpa) - US-Präsident Donald Trump und Herausforderer Joe Biden haben sich in ihrer ersten TV-Debatte mit persönlichen Angriffen überzogen und chaotische Wortgefechte geliefert. Vor allem Trump fiel Biden am Dienstag (Ortszeit) in Cleveland (Ohio) immer wieder ins Wort und ließ ihn seine Sätze nicht beenden. Wiederholt sprachen beide Männer gleichzeitig.

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Die Ausgangslage war gut für Biden, denn Trump (74) hatte im Wahlkampf immer wieder den Geisteszustand seines 77-jährigen Herausforderers angezweifelt. „Der Typ hat keine Ahnung. Er weiß nicht, wo zum Teufel er ist“, sagte Trump bei einem Wahlkampfauftritt in Pittsburgh in der vergangenen Woche. „Der Typ weiß nicht, dass er am Leben ist.“ Mit einer derart tief gesetzten Messlatte machte Trump es freilich leicht für Biden, die Erwartungen bei der Debatte am Dienstag zu übertreffen.

Kurz vor Beginn des Fernsehduells insinuierte Trumps Wahlkampfteam, Biden lasse sich Antworten womöglich heimlich von Mitarbeitern einflüstern. In einer Mitteilung hieß es, Bidens Team habe erst zugesagt, vor der Debatte eine Inspektion nach elektronischen Ohrhörern bei dem Kandidaten zuzulassen, dann aber einen Rückzieher gemacht. Biden habe sich außerdem geweigert, sich auf die Einnahme leistungssteigernder Medikamenten testen zu lassen. Dass Biden solche Medikamente angeblich vor öffentlichen Auftritten nimmt, ist ein Gerücht, das Trump immer wieder ohne jeden Beleg verbreitet. Woher der Präsident das wissen will? „Viele Menschen sagen das.“

Keine verbalen Patzer bei Biden

Biden leistet sich am Dienstag keine der verbalen Patzer, für die er bekannt ist. Viele Attacken lächelt der Herausforderer einfach weg. Dem Ex-Vizepräsidenten gelingt es auch, Ruhe zu bewahren, als Trump seinen Sohn Hunter Biden angreift. Trump verweist darauf, dass Hunter Biden wegen Drogenkonsums aus dem Militär entlassen wurde - und er wirft Hunter Biden vor, mit fragwürdigen Geschäften im Ausland Millionen gemacht zu haben, während sein Vater Vizepräsident war. Biden weist das zurück. Und er sagt: „Mein Sohn hatte ein Drogenproblem, aber er hat es überwunden und ich bin stolz auf ihn.“

Biden bezeichnete Trump zwischenzeitlich als „Rassisten“, „Putins Welpen“ und „den schlechtesten Präsidenten, den Amerika je hatte“. Trump weigerte sich auch vor einem riesigen TV-Publikum zu versprechen, sich nicht vor dem offiziellen Wahlergebnis zum Sieger zu erklären. Biden tat das.

Das Konzept der TV-Debatte war eigentlich, jeweils 15 Minuten lang sechs Themenblöcke zu diskutieren. Der Moderator stellt eine Frage, die Kandidaten haben jeweils zwei Minuten für ihr Statement, danach folgt eine offene Diskussion. Diese Struktur fiel schnell auseinander.

Trump ließ Biden oft nicht ausreden, der ehemalige Vizepräsident reagierte häufig mit einem ironischen Lächeln und wehrte sich gelegentlich mit leicht resigniertem Ton. „Würden Sie mal die Klappe halten, Mann?“, fragte er an einer Stelle. Und: „Es ist schwer, mit diesem Clown auf den Punkt zu kommen.“ Auch der erfahrene TV-Journalist Chris Wallace als Moderator der Debatte hatte zum Teil große Probleme, Trump zur Ordnung zu rufen. Angesichts der ständigen Unterbrechungen durch den Präsidenten sagt Wallace irgendwann: „Wenn Sie die Plätze wechseln möchten, können wir das tun.“

Keine gute Resonanz beim Publikum

Bei den Zuschauern kam das Spektakel nicht gut an. Befragt nach ihrem überwiegenden Gefühl beim Anschauen der Debatte antworteten in einer CBS-Blitzumfrage mehr als zwei Drittel (69 Prozent), die Diskussion habe sie vor allem verärgert.

Wenn Sie die Plätze wechseln möchten, können wir das tun.

Moderator Chris Wallace zu Trump

WASHINGTON, DC - SEPTEMBER 29: Television screens airing the first presidential debate are seen at Walters Sports Bar on September 29, 2020 in Washington, United States. Americans across the country tuned in to the first presidential debate between Donald Trump and Joe Biden held in Cleveland.   Sarah Silbiger/Getty Images/AFP
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Als erste Frage wählte Wallace die aktuell laufende Neubesetzung des Postens der verstorbenen Richterin Ruth Bader Ginsburg am Obersten Gericht der USA aus. Daraus wurde schnell eine Debatte über das Gesundheitswesen in der USA, weil Biden argumentierte, dass mit der von Trump vorgeschlagenen Richterin Amy Coney Barrett die Gesundheitsreform von Präsident Barack Obama zu Grabe getragen würde. Biden will, dass erst der Sieger der Wahl die Ginsburg-Nachfolge regelt. Trump konterte, er sei immer noch Präsident: „Wir haben die Wahl gewonnen, und wir haben das Recht, das zu machen.“

Würden Sie mal die Klappe halten, Mann?  

Joe Biden

Auch eine zentrale Frage für die USA - der Umgang mit der Corona-Krise - sorgte für Streit. „Er will einen Shutdown dieses Landes, und ich will es offen halten“, sagte Trump. Biden konterte, Trump habe sich „völlig unverantwortlich“ verhalten und so Tausende von Menschenleben gefährdet. Grenzschließungen, Ventilatoren, Impfbereitschaft, Abstand halten, Masken - die Fernsehdebatte sprang von einem zum anderen Streitthema der Corona-Krise.

Biden betonte, dass er als Präsident zum Tragen von Masken ermutigen würde, weil das viele Menschenleben retten könne. Trump warf ein, dass einige den Nutzen von Masken bestreiten. „Keine ernsthafte Person hat das Gegenteil gesagt“, konterte Biden. Die Corona-Pandemie hat in den USA bislang mehr als 200 000 Menschen das Leben gekostet.


(COMBO) This combination of pictures created on September 28, 2020 shows
Democratic presidential candidate and former Vice President Joe Biden(L) speaking at a  "Build Back Better" Clean Energy event on July 14, 2020 at the Chase Center in Wilmington, Delaware, and US President Donald Trump speaking to the press as he makes his way to board Marine One from the South Lawn of the White House in Washington, DC on September 24, 2020. - At the September 29, 2020 election debate, millions of Americans will watch as the two antagonists -- who depict each other as existential threats to the country -- step into the ring live on television after months of shadow-boxing. (Photos by Olivier DOULIERY and MANDEL NGAN / AFP)
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Mit dem Vorwurf, dass Trump Kremlchef Wladimir Putin nicht die Stirn biete, preschte Biden im Zusammenhang mit Berichten über angebliche Kopfgelder Russlands auf US-Soldaten in Afghanistan. „Er ist Putins Welpe“, sagte Biden. Bestätigt wurden die Berichte bisher nicht.

Trump distanziert sich nicht eindeutig von rassistischen Gruppen

Trump weigerte sich, sich ausdrücklich von weißen rassistischen Gruppen wie die „Proud Boys“ zu verurteilen. „Wen soll ich verurteilen?“, fragte er Moderator Wallace. „Proud Boys - haltet euch zurück und haltet euch bereit“, sagte Trump danach („stand down and stand by“). Der Satz sorgte unter US-Kommentatoren für Stirnrunzeln. Trumps Sohn Donald Trump Jr. sagte nach der Debatte im TV-Sender CBS, dass sein Vater sich wohl versprochen habe.

Wir haben die Wahl gewonnen, und wir haben das Recht, das zu machen.

Donald Trump über die Ernennung einer Supreme Court-Richterin vor der Wahl

Biden nutzte den Wirtschaftsteil der Debatte, um sich direkt an die Wähler zu wenden. In der Corona-Krise sei es Millionären und Milliardären wie Trump gut ergangen, „aber Ihr Leute zu Hause, wie geht es Euch?“, sagte Biden in die Kamera. Es ist ein klassischer Zug in TV-Debatten in Amerika, seit der damalige Kandidat 1979 die Zuschauer aufrief, darüber nachzudenken, ob es ihnen besser gehe als vor vier Jahren. Trump wiederholte unterdessen, dass er die beste Wirtschaft in der Geschichte des Landes aufgebaut habe.


Saoirse Kennedy Hills Großonkel war John F. Kennedy, der 35. Präsident der Vereinigten Staaten.  Er wurde 1963 im Alter von nur 46 Jahren im Amt erschossen.
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Ein eher überraschender Moment kam als Trump in der Debatte den Einfluss des Menschen auf den Klimawandel einräumte - zumindest teilweise. Auf die Frage, ob er glaube, dass Umweltverschmutzung und Treibhausgase zur Erderwärmung beitrügen, sagte der Präsident: „Viele Dinge tun das, aber in einem gewissen Ausmaß: ja.“ Trump sagte, die Waldbrände an der US-Westküste hätten ihre Ursache auch darin, dass dort anders als in Europa keine ausreichende Forstwirtschaft betrieben werde. 


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