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Bundespräsident von 1994 bis 1999: Roman Herzog ist tot
International 2 Min. 10.01.2017

Bundespräsident von 1994 bis 1999: Roman Herzog ist tot

Herzog (2.v.l) mit Großherzogin Josephine-Charlotte, Großherzog Jean und Herzogs Ehefrau Christiane (r.) beim Staatsbesuch in Luxemburg 1994.

Bundespräsident von 1994 bis 1999: Roman Herzog ist tot

Herzog (2.v.l) mit Großherzogin Josephine-Charlotte, Großherzog Jean und Herzogs Ehefrau Christiane (r.) beim Staatsbesuch in Luxemburg 1994.
Foto: Lé Sibenaler
International 2 Min. 10.01.2017

Bundespräsident von 1994 bis 1999: Roman Herzog ist tot

Tom RUEDELL
Tom RUEDELL
Seine „Ruck-Rede“ bleibt den Deutschen in Erinnerung. Unermüdlich forderte er zu Reformen auf. Nun ist Altbundespräsident Roman Herzog, der 1994 zum Staatsbesuch in Luxemburg weilte, im Alter von 82 Jahren gestorben.

(dpa/tom) - Der frühere deutsche Bundespräsident Roman Herzog ist tot. Er starb im Alter von 82 Jahren. Das bestätigte das Bundespräsidialamt am Dienstag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Herzog stand von 1994 bis 1999 an der Spitze der Bundesrepublik Deutschland. Zuvor war der Jurist Präsident des Bundesverfassungsgerichts.

"Begegnung zweier gleichwertiger Partner"

1994 weilte Herzog zu einem anderthalbtägigen Staatsbesuch in Luxemburg. Den Besuch nannte er "die von großem gegenseitigen Verständnis getragene Begegnung von zwei gleichwertigen Partnern". Luxemburg sei "der Kitt in den europäischen Institutionen".

Auch über das Thema der deutschen Vergangenheit sprach Herzog in Luxemburg. Eine (bis dahin nicht erfolgte) offizielle Entschuldigung gegenüber Luxemburger Zwangsrekrutierten wollte er im Rahmen dieses Besuchs nicht aussprechen, weil die Situation zwischen Deutschland und Luxemburg anders sei als beispielsweise die zwischen Deutschland und Polen: Eine Bitte um Vergebung könne nur am Anfang eines Versöhnungsprozesses stehen - und dieser Prozess sei "hier bereits seit einigen Jahren am Laufen".

Er habe "nicht die geringste Absicht (...), das was in der Geschichte von Deutschen an anderen Nachbarvölkern, insbesondere auch an Luxemburg, geschehen ist, irgendwie zu vergessen oder zu verschweigen", so Herzog. Im Gegenteil, Geschichte müsse auf den Tisch kommen und bleiben. Aber in Gesprächen mit Opfern des nationalsozialistischen Unrechtsregimes in Luxemburg sei ihm klar geworden, dass "die Bitte um Vergebung aufgesetzt gewesen wäre".

"Durch Deutschland muss ein Ruck gehen"

Der CDU-Politiker hatte unermüdlich vor Reform-Müdigkeit in Deutschland gewarnt. Herzog machte es sich zur Aufgabe, gegen Blockaden in Politik und Gesellschaft anzugehen. Besonders in Erinnerung blieb seine Rede von 1997 mit dem zentralen Satz: „Durch Deutschland muss ein Ruck gehen“.

Er setzte sich auch kritisch mit den Bürgern auseinander. „Das Volk bewegt sich nicht“, sagte er im Frühjahr 2008 der „Bild“-Zeitung. Es gebe zwar eine gewisse Bereitschaft zu Reformen, „aber es bräuchte politische Führung, echtes Charisma, um sie zu mobilisieren“.

Seine politische Karriere hatte das CDU-Mitglied als Bildungs- und als Innenminister in Baden-Württemberg begonnen. 1994 wählte ihn die Bundesversammlung zum ersten Staatsoberhaupt nach der deutschen Wiedervereinigung.

Nach seinem Verzicht auf eine zweite Amtszeit als Bundespräsident saß Herzog in verschiedenen Kommissionen. Dazu gehörte der Konvent für Deutschland, ein Expertengremium, das sich unter anderem mit den Themen Föderalismusreform und Finanzverfassung beschäftigte.

Herzog lebte zuletzt auf der Götzenburg in Jagsthausen bei Heilbronn, wo seine zweite Frau Alexandra Freifrau von Berlichingen zuhause ist. Christiane Herzog, die sich nicht nur während der Amtszeit ihres Mannes im sozialen Bereich engagierte, war im Juni 2000 gestorben.

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