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Britisches Paar vermutlich kein gezieltes Nowitschok-Opfer
Die Sicherheitskräfte in Salisbury sind in höchster Alarmbereitschaft.

Britisches Paar vermutlich kein gezieltes Nowitschok-Opfer

AFP
Die Sicherheitskräfte in Salisbury sind in höchster Alarmbereitschaft.
International 3 Min. 05.07.2018

Britisches Paar vermutlich kein gezieltes Nowitschok-Opfer

Experten halten es für möglich, dass das Paar zufällig mit einem kontaminierten Gegenstand in Kontakt kam, der beim Anschlag auf die Skripals genutzt worden war.

(dpa) - Das mit dem Kampfstoff Nowitschok vergiftete Paar aus Südengland ist vermutlich nicht Opfer eines gezielten Anschlags geworden. Das berichtete der britische Sicherheitsstaatssekretär Ben Wallace am Donnerstag dem Sender BBC. Experten halten es für möglich, dass das Paar zufällig mit einem kontaminierten Gegenstand in Kontakt kam, der beim Anschlag auf die Skripals genutzt worden war.


Police officers are seen standing guard outside a local pharmacy in Amesbury, nine miles north of Salisbury, southern England, on July 4, 2018 where two people were found unconcious at a residence in Amesbury in circumstances that caused a major incident to be declared were believed to have visited. 
Two people have been hospitalised in a critical condition for exposure to an "unknown substance" in the same British city where former Russian spy Sergei Skripal and his daughter were poisoned with a nerve agent earlier this year. British police declared a "major incident" after the couple, a man and a woman in their 40s, were discovered unconscious at a house in a quiet, newly-built area in Amesbury, with a number of locations cordoned off by police.
 / AFP PHOTO / Geoff CADDICK
Paar in Salisbury durch Nowitschok vergiftet
Ein Mann und eine Frau kollabieren in einem Haus in Südengland. Nach erstem Rätselraten folgt die schockierende Ursache: Sie wurden - wie die Skripals - durch das Nervengift Nowitschok schwerstkrank. Gibt es Verbindungen zwischen beiden Fällen?

Bei den jüngsten Opfern handelt es sich nach Polizeiangaben um einen 45-jährigen Mann und eine 44-jährige Frau aus der Region. Zunächst sei die Frau am Samstag im Wohnhaus in Amesbury kollabiert, später mussten die Ärzte auch den Mann ins Krankenhaus in das wenige Kilometer entfernte Salisbury bringen. Nach Angaben eines Bekannten waren beide nicht mehr ansprechbar; ihnen lief Schaum aus dem Mund.

Die Polizei hat nun fünf Areale in Amesbury und Salisbury identifiziert, die genauer unter die Lupe genommen werden. Das Paar hatte sich kurz vor der Erkrankung in beiden Orten aufgehalten. Wer kürzlich in diesen Arealen gewesen sei, solle Sicherheitsmaßnahmen einhalten und etwa seine Kleidung waschen und Handys abwischen.

Erst vor vier Monaten waren der ehemalige russische Doppelagent Sergej Skripal (67) und seine Tochter Julia (33) bewusstlos auf einer Parkbank in Salisbury entdeckt worden. Nach langer Therapie leben sie heute an einem geheimen Ort. London bezichtigte Moskau, Drahtzieher des Anschlags gewesen zu sein. Nowitschok wurde in der früheren Sowjetunion hergestellt, später tauchte es in anderen Ländern auf.

Das bei den Skripals verwendete Nowitschok war sehr rein. „Das erhöht die Lagerfähigkeit“, sagte der Chemiewaffenexperte Ralf Trap. Die Substanz war laut Trapp ein hochgereinigter Kampfstoff aus einem Labor, der noch viele Jahre wirksam sein könnte. Daher sei es denkbar, dass im neuen Fall das Paar etwa mit Nowitschok-Resten an einem Transportgefäß unabsichtlich in Berührung gekommen sei. „Bislang ist das aber nur ein Szenario. Es fehlen noch Fakten“, betonte der Toxikologe und Chemiker, der als unabhängiger Berater unter anderem für die Organisation für ein Verbot von Chemiewaffen (OPCW) und die Vereinten Nationen arbeitete.

Kein Grund zur Panik

Für Panik in der südenglischen Region gebe es keinen Grund. Man sollte aber lieber von kleinen Behältnissen am Boden die Finger lassen, betonte Trapp. Der vor dem Anschlag auf die Skripals verwendete Behälter zur Aufbewahrung des Nervengifts sei bis heute nicht gefunden worden, berichtete die Nachrichtenagentur PA.


„Wir sind so glücklich, dass wir beide diesen versuchten Anschlag überlebt haben“, sagte Skripal in der auf russisch gehaltenen und von der Nachrichtenagentur Reuters verbreiteten Stellungnahme.
Julia Skripal will irgendwann nach Russland zurück
Erstmals hat sich die vergiftete Julia Skripal in einem Video zu Wort gemeldet. Sie spricht von einem langsamen Genesungsprozess - und davon, dass sie nicht für immer in Großbritannien bleiben wird.

Das in Lebensgefahr schwebende Paar liegt in derselben Klinik der Stadt Salisbury, in der die Skripals behandelt wurden. Als Reaktion auf den neuen Fall trat der Sicherheitsrat der Regierung, das Cobra-Komitee, am Donnerstag zu einer Krisensitzung zusammen.

Im März waren Teile der Innenstadt von Salisbury abgeriegelt worden, nachdem die Skripals mit dem Kampfstoff vergiftet worden waren. Das Attentat löste eine schwere internationale Krise aus. Zahlreiche westliche Staaten wiesen Dutzende russische Diplomaten aus. Moskau reagierte mit ähnlichen Maßnahmen.

Nach dem jüngsten Vorfall wurden einige Bereiche in Salisbury und in dem Wohnort des Paares vorsichtshalber abgesperrt. Bewohner forderten mehr Informationen von den Behörden. Das Paar soll unter anderem eine Veranstaltung in einer Kirche besucht haben, bevor es am Samstag erkrankte. Die Beamten waren zunächst davon ausgegangen, dass die beiden möglicherweise Drogen eingenommen haben könnten.

Das Forschungslabor für Chemiewaffen im nahe gelegenen Porton Down wurde mit den Untersuchungen befasst. Dort war auch das Nervengift Nowitschok im Fall Skripal identifiziert worden. Unabhängige Untersuchungen der Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen (OPCW) bestätigten damals das Ergebnis.


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 / AFP PHOTO / Geoff CADDICK