Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Britischer Vize-Premierminister tritt zurück
International 2 Min. 21.12.2017 Aus unserem online-Archiv
Sex-Skandal

Britischer Vize-Premierminister tritt zurück

Die Regierung hatte eine interne Untersuchung gegen Green eingeleitet, nachdem eine Frau ihm vorgeworfen hatte, ihr Knie berührt und ihr anzügliche Textnachrichten geschickt zu haben.
Sex-Skandal

Britischer Vize-Premierminister tritt zurück

Die Regierung hatte eine interne Untersuchung gegen Green eingeleitet, nachdem eine Frau ihm vorgeworfen hatte, ihr Knie berührt und ihr anzügliche Textnachrichten geschickt zu haben.
Foto: AFP
International 2 Min. 21.12.2017 Aus unserem online-Archiv
Sex-Skandal

Britischer Vize-Premierminister tritt zurück

Michel THIEL
Michel THIEL
Der 61-jährige Kabinettschef war wegen Belästigungsvorwürfen und Berichten über Pornografie auf seinen Dienstrechnern unter Beschuss geraten.

(dpa) - Der britische Vize-Premier Damian Green hat am Mittwochabend seinen Posten verloren. Der 61-jährige Kabinettschef war wegen Belästigungsvorwürfen und Berichten über Pornografie auf seinen Dienstrechnern unter Beschuss geraten.

Eine Untersuchung habe „missverständliche“ und „fehlerhafte“ Angaben Greens zu den Anschuldigungen aufgedeckt, teilte Premierministerin Theresa May mit. Sie hatte ihn zum Rücktritt aufgefordert. Green entschuldigte sich teilweise in einem Brief für sein Verhalten.

Dritter Verlust

Mit Green verliert die ohnehin politisch angeschlagene May binnen kurzer Zeit das dritte Kabinettsmitglied und einen engen Vertrauten. Beide verbindet eine jahrzehntelange Freundschaft. Nach Angaben britischer Medien will May im neuen Jahr einen Nachfolger benennen.

Erst vor wenigen Wochen hatte Verteidigungsminister Michael Fallon wegen Belästigungsvorwürfen sein Amt aufgegeben. Entwicklungshilfeministerin Priti Patel musste im November zurücktreten, weil sie sich ohne vorherige Absprache im Urlaub in Israel mit Premierminister Benjamin Netanjahu getroffen hatte.

Beschuldigungen einer Journalistin

Eine Journalistin hatte Kabinettschef Green beschuldigt, ihr während eines Pub-Besuchs 2015 ans Knie gefasst und 2016 eine anzügliche Nachricht geschickt zu haben. Daraufhin wurde eine interne Untersuchung eingeleitet. Dazu kam, dass ehemalige Polizisten berichteten, im Jahr 2008 sei auf einem von Greens Computern im Parlament pornografisches Material entdeckt worden.

In seinem Brief teilte Green nun mit, dass er sich nicht erinnern könne, die Journalistin belästigt zu haben. Falls er sie durch sein Verhalten in eine unangenehme Situation gebracht haben sollte, tue es ihm leid. Er habe auch keine Pornografie auf seinem Dienstcomputer heruntergeladen oder angeschaut. Im Gegensatz zu früheren Behauptungen habe er aber von Ermittlungen gegen ihn wegen Pornografie auf Computern gewusst. „Ich entschuldige mich dafür, dass meine Stellungnahmen an diesem Punkt missverständlich waren.“

"Politische Hetzkampagne"

Vor seinem Rücktritt hatte Green noch alle Vorwürfe vehement abgestritten. So bezeichnete er per Kurznachrichtendienst Twitter die Berichte über Pornografie als politische Hetzkampagne. Einer der Ex-Polizisten habe schon einmal versucht, ihn in Verruf zu bringen. Alle Anschuldigungen seien unwahr. Green hatte auch die Belästigungsvorwürfe zurückgewiesen. Er habe gedacht, zu der Frau ein freundschaftliches Verhältnis zu haben, und sei enttäuscht.

Green gehört zu etwa 40 Abgeordneten, die auf einer in der konservativen Fraktion kursierenden Liste mit Verfehlungen stehen. Einige Anschuldigungen gegen die Politiker haben sich allerdings als falsch oder harmlos herausgestellt.

Die Sexismus-Debatte in Großbritannien kam in Fahrt, nachdem Dutzende Frauen sich vor allem in den USA über Belästigungen und Missbrauch durch den Hollywood-Mogul Harvey Weinstein beschwert hatten.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Auf Damian Greens Rechner im Parlament soll pornografisches Material gefunden worden sein, sagte Innenministerin Amber Rudd am Sonntag dem britischen Sender BBC.
Britain's First Secretary of State Damian Green leaves his home in London on November 1, 2017.
One of British Prime Minister Theresa May's closest ministerial colleagues on November 1 strongly denied inappropriate behaviour towards a journalist, as he became the most senior figure caught up in a Westminster sex scandal. May has ordered an investigation into an allegation that Damian Green, her de facto deputy and an old university friend, touched the woman's knee and sent her a suggestive text message before he joined the cabinet.
 / AFP PHOTO / Daniel LEAL-OLIVAS
Das Knie einer Journalistin tätscheln, eine Sekretärin zum Einkauf von Sex-Spielzeug schicken - aus dem britischen Parlament werden derzeit pikante Details bekannt. Ein Minister musste nun seinen Hut nehmen. Werden weitere hochrangige Politiker folgen?
The Houses of Parlaiment are seen in central London on November 2, 2017.
British Defence Secretary Michael Fallon quit the government on November 1, stepping down from ministerial office in a developing scandal over sexual harassment at Westminster. The government of prime minister Theresa May has been struck by several claims of sexual harassment, with an investigation under way into allegations that her de facto deputy Damian Green touched the knee of journalist Kate Maltby and later sent her a suggestive text message. / AFP PHOTO / Daniel LEAL-OLIVAS