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Britischer Botschafter im Iran vorübergehend festgenommen
International 2 Min. 12.01.2020

Britischer Botschafter im Iran vorübergehend festgenommen

International 2 Min. 12.01.2020

Britischer Botschafter im Iran vorübergehend festgenommen

Der Konflikt um den Abschuss eines Passagierflugzeugs im Iran nimmt eine neue Wendung. Der britische Botschafter im Iran wurde am Samstag vorübergehend festgenommen.

(dpa/SC) - Großbritannien hat auf die vorübergehende Festnahme des britischen Botschafters in Teheran empört reagiert. "Die grundlose und unbegründete Festnahme unseres Botschafters in Teheran ist eine ungeheuerliche Verletzung internationalen Rechts", erklärte der britische Außenminister Dominic Raab am Samstagabend.

Botschafter Rob Macaire wurde laut Nachrichtenagentur Tasnim für einige Stunden festgenommen. Danach kam er dem Bericht zufolge wieder frei. Macaire hatte demnach am Samstagabend an einer Protestkundgebung vor der Universität Amir Kabir wegen des Abschusses eines ukrainischen Passagierflugzeugs durch den Iran teilgenommen. US-Präsident Donald Trump sicherte den Demonstranten im Iran seine Unterstützung zu.

Der britische Außenminister erklärte: "Die iranische Regierung steht an einem Scheideweg." Sie könne ihren Marsch in Richtung eines Außenseiterstatus weitergehen mit aller politischer und wirtschaftlicher Isolation. Oder sie könne deeskalierende Schritte einleiten und sich auf einem diplomatischen Weg nach vorn bewegen.

Der britische Botschafter Rob Macaire äußerte sich auf Twitter zu seiner Festnahme. Er bestritt, an einer Demonstration teilgenommen zu haben. Vielmehr habe er an einer Gedenkfeier für die Opfer des Flugzeugabschusses teilgenommen. Unter den Toten waren auch Briten.

Er erklärte, er habe die Veranstaltung nach fünf Minuten wieder verlassen. In einem weiteren Tweet schrieb der Botschafter, seine Festnahme sei rund eine halbe Stunde nach seiner Teilnahme an der Gedenkfeier erfolgt. "Diplomaten festzunehmen ist illegal, in allen Ländern", fügte Rob Macaire hinzu.

Der Iran hatte den versehentlichen Abschuss der Maschine am Samstag eingeräumt. Die Behörden sprachen in den Tagen zuvor von einem technischen Defekt der Maschine. Die gesamte iranische Führung drückte ihr Bedauern über den Vorfall aus. Es wurden demnach juristische Schritte gegen die Verantwortlichen eingeleitet. Die Maschine war am Mittwoch auf dem Flug von Teheran nach Kiew in der Ukraine kurz nach dem Start abgestürzt. Niemand der 176 Menschen an Bord überlebte.


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Botschafter Macaire habe die Demonstranten provoziert, "radikale Aktionen" durchzuführen, schrieb die Nachrichtenagentur Tasnim. Er sei nach "einigen Stunden" wieder freigelassen worden, wurde aber am Sonntag ins Außenministerium einbestellt, zitierte Tasnim unter Berufung auf informierte Quellen.

Dort wurde Macaire mitgeteilt, dass seine Teilnahme an einer „illegalen Kundgebung“ gegen die diplomatischen Vorschriften verstoßen habe. Die Teilnahme habe nichts mit seinen Verpflichtungen als Vertreter seines Landes zu tun gehabt, wie das Außenministerium nach einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur IRNA dem Diplomaten weiter bekanntgab.

Iranischen Medienberichten zufolge gab es in mehreren Teilen Teherans Proteste wegen des Abschusses der Maschine. Laut den Nachrichtenagenturen Irna und Isna nahmen Hunderte an Protestkundgebungen am Samstagabend vor den Universitäten Teheran, Amir Kabir und Scharif teil. Sie kritisierten sowohl den Abschuss sowie die tagelangen Dementis iranischer Behörden und Medien.

US-Präsident Trump schickte am Samstag inhaltsgleiche Twitter-Nachrichten auf Englisch und auf Persisch an das "tapfere, leidgeprüfte Volk" im Iran. "Ich stehe seit Beginn meiner Präsidentschaft an Ihrer Seite, und meine Regierung wird Ihnen auch weiterhin zur Seite stehen", schrieb der Präsident mit Blick auf die Demonstranten. "Wir verfolgen Ihre Proteste aufmerksam und lassen uns von Ihrem Mut inspirieren."


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In einem weiteren Tweet forderte Trump, die iranische Regierung müsse Menschenrechtsorganisationen erlauben, "die anhaltenden Proteste des iranischen Volkes" zu beobachten und darüber zu berichten. "Es kann weder ein weiteres Massaker an friedlichen Demonstranten noch eine Abschaltung des Internets geben. Die Welt sieht zu."



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