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Britische Regierung schließt nationalen Lockdown nicht aus
International 2 Min. 18.09.2020

Britische Regierung schließt nationalen Lockdown nicht aus

London: Ein Mitarbeiter des nationalen britischen Gesundheitsdienstes NHS spricht mit Menschen, die zwar einen Testtermin hatten, aber nicht gestestet werden konnten.

Britische Regierung schließt nationalen Lockdown nicht aus

London: Ein Mitarbeiter des nationalen britischen Gesundheitsdienstes NHS spricht mit Menschen, die zwar einen Testtermin hatten, aber nicht gestestet werden konnten.
AFP
International 2 Min. 18.09.2020

Britische Regierung schließt nationalen Lockdown nicht aus

Nicht nur der Brexit macht den Briten große Sorgen, sondern zunehmend auch die Corona-Krise. Nun könnten dem Land neue Ausgangssperren drohen.

(dpa) - Wegen der sich dramatisch verschlimmernden Corona-Lage könnte Großbritannien wieder ein landesweiter Lockdown drohen. Top-Forscher hätten die zweiwöchige Maßnahme der Regierung empfohlen, um die stark steigenden Infektionszahlen in den Griff zu bekommen, berichtete die „Financial Times“. Der Lockdown soll nach einer Empfehlung des wissenschaftlichen Beratergremiums der Regierung („Sage“) während der Schulferien im Oktober stattfinden.

Niemand wünsche sich einen Lockdown, aber auch in Großbritannien sei die zweite Ausbruchswelle angekommen, sagte Premier Boris Johnson am Freitag dem Sender Sky News. Wer schärfere Maßnahmen vermeiden wolle, müsse sich an die Regeln halten. Noch vor wenigen Tagen hatte Johnson erklärt, ein zweiter landesweiter Lockdown wäre „desaströs“ für die Wirtschaft. Weiter kommentierte er den Medienbericht nicht.

„Wir möchten einen nationalen Lockdown vermeiden, aber wir sind darauf vorbereitet“, sagte Gesundheitsminister Matt Hancock in einem BBC-Interview. Es sei das „letzte Mittel der Verteidigung“. Man setze zunächst auf lokale Beschränkungen. In vielen Regionen sind die Maßnahmen schon verschärft worden, etwa in Teilen von Schottland, im Süden von Wales und im nördlichen England. Mehr als zehn Millionen Menschen sind davon betroffen. Londons Bürgermeister Sadiq Khan sagte bereits das große Silvester-Feuerwerk an der Themse ab.

Hancock sagte, dass nicht nur Infektionen stark zunähmen, sondern auch die Zahl der Covid-19-Patienten in Kliniken steige. Nach BBC-Angaben könnten erste Verschärfungen von Maßnahmen, die nur den Landesteil England betreffen, nächste Woche verkündet werden.


British Prime Minister David Cameron reacts as he departs 10 Downing Street enroute to the Houses of Parliament in central London on June 27, 2016.
The British government on Monday agreed to establish a new civil service unit that will have the complex task of negotiating the country's departure from the European Union, outgoing Prime Minister David Cameron's spokeswoman said. London stocks extended their losses in early afternoon Monday, led by banking, airline and property shares, following Britain's vote to leave the EU. / AFP PHOTO / LEON NEAL
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Johnson steht in Großbritannien in der Kritik, zu spät und falsch auf die erste Ausbruchswelle reagiert zu haben. Erst Ende März hatte er erstmals weitgehende landesweite Ausgangsbeschränkungen verkündet. Innerhalb Europas ist Großbritannien mit Blick auf die Todesfälle das am schlimmsten von der Pandemie betroffene Land.

Bereits fast 42.000 Menschen, die positiv auf das Virus getestet worden waren, sind laut Gesundheitsministerium in Großbritannien gestorben. Nach Angaben der Statistikbehörde ONS starben 57.500 Menschen, auf deren Sterbedokumenten eine Corona-Infektion vermerkt war. Die Statistiken gehen unterschiedlich mit Verdachtsfällen und Zeiträumen um. Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer aus.

Mit den steigenden Infektionszahlen sind Corona-Tests in Großbritannien schon wieder Mangelware geworden. Dabei hatte die Regierung das „weltbeste“ Corona-Testsystem in Aussicht gestellt. Viele potenziell infizierte Briten müssen stundenlange Fahrten auf sich nehmen, um in einem Testzentrum angenommen zu werden.

Die Opposition und britische Medien warfen Johnson ein Chaos bei der Bekämpfung der Pandemie und auch im Umgang mit der Europäischen Union beim Brexit vor. Die Probleme seien „durch seine Neigung zur Angeberei noch verschärft“ worden, schrieb die „Times“.


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