Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Brexit: Politikerinnen werden bedroht
Nach dem Brexit hat die europäische Flagge einen Stern weniger, den von Großbritannien.

Brexit: Politikerinnen werden bedroht

Foto: AFP
Nach dem Brexit hat die europäische Flagge einen Stern weniger, den von Großbritannien.
International 2 2 Min. 17.02.2019

Brexit: Politikerinnen werden bedroht

Nur sechs Wochen sind es noch bis zum geplanten Austritt Großbritanniens aus der EU. Die Nerven liegen bei vielen blank. Einige Frauen aus dem Parlament berichten sogar von Drohungen.

 (dpa) - Die Polizei hat einem Medienbericht zufolge britische Parlamentarierinnen vor Übergriffen wegen des Brexit-Streits gewarnt. So sei einzelnen Abgeordneten geraten worden, nicht in Parks in der Nachbarschaft zu joggen, nachts nicht allein zu reisen oder selbst Auto zu fahren, berichtete die „Times“ am Samstag. Einige Abgeordnete hatten zuvor berichtet, Beleidigungen ausgesetzt gewesen zu sein.

Die Abgeordnete Anna Soubry (links) und Yvette Cooper (rechts), Abgeordnete der Labour Partei im Parlament von Großbritannien.
Die Abgeordnete Anna Soubry (links) und Yvette Cooper (rechts), Abgeordnete der Labour Partei im Parlament von Großbritannien.
Foto: dpa

Dazu gehört die EU-freundliche Anna Soubry (links im Bild) von den regierenden Konservativen, die vor dem Parlamentsgebäude von Brexit-Anhängern als „Nazi“ beschimpft worden ist. Die Labour-Abgeordnete Yvette Cooper (rechts im Bild), die einen No Deal verhindern will, soll noch stärker unter Druck gesetzt worden sein. Ein 59-Jähriger sagte der „Times“ zufolge der Politikerin: „Hören Sie damit auf oder ich werde ihre Kinder und Enkel töten.“

Angst vor No Deal nimmt zu

Sechs Wochen vor dem EU-Ausstieg nimmt die Angst vor einem No Deal zu. Ein ungeregelter Ausstieg würde nach Ansicht von Justizminister David Gauke „sehr schädliche Effekte“ für die Wirtschaft des Landes und die Sicherheit in Nordirland haben. Er hoffe, dass in den nächsten zehn Tagen - bis zur Abstimmungsrunde am 27. Februar im Parlament - klar werde, dass Großbritannien die EU mit einem Abkommen verlasse, sagte Gauke dem Sender BBC. Andernfalls muss seiner Ansicht nach der für den 29. März geplante EU-Austritt verschoben werden.

Das Parlament in London ist in Sachen Brexit total zerstritten. Kritiker werfen Premierministerin Theresa May vor, auf Zeit zu spielen und die Gefahr eines No Deals als Druckmittel einzusetzen. Eine parteiübergreifende Gruppe von Abgeordneten will daher der Regierung bei der nächsten Abstimmungsrunde im Parlament die Kontrolle über den Austrittsprozess entreißen. Der Plan sieht vor, May zum Verschieben des Brexits zu zwingen, falls sie bis Mitte nächsten Monats keinen Erfolg mit ihrem Abkommen hat.

Viele Unternehmen spüren die Brexit-Folgen schon jetzt. So ist der geplante EU-Austritt auch ein wesentlicher Grund dafür, dass die britische Regional-Fluggesellschaft Flybmi jetzt Insolvenz angemeldet hat. Die andauernde Unsicherheit habe unter anderem dazu geführt, dass der Airline wertvolle Verträge entgangen sind, wie die Flybmi am Samstagabend auf ihrer Webseite mitteilte. Alle Flüge wurden mit sofortiger Wirkung gestrichen. Die Airline hat mit 17 Maschinen Flüge zu mehr als 20 europäischen Zielen angeboten. Betroffen sind auch deutsche Flughäfen: Frankfurt, Hamburg, Düsseldorf, München, Nürnberg, Saarbrücken und Rostock-Laage.



Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Nervenschlacht in Westminster
Schlagabtausch im britischen Parlament zwischen Premierministerin May und Oppositionschef Jeremy Corbyn. Der Labour-Politiker wirft May vor, auf Zeit zu spielen, um das Parlament zu erpressen.
A video grab from footage broadcast by the UK Parliament's Parliamentary Recording Unit (PRU) shows Britain's Prime Minister Theresa May reacting to a comment shouted out by The Scottish National Party (SNP) leader in Westminster, Ian Blackford as he responded to an answer given by Britain's Prime Minister Theresa May after her statement on Brexit in the House of Commons in London on February 12, 2019. - May updated parliament on her latest meetings in Brussels and Dublin aimed at securing a divorce agreement with the EU, with Britain due to leave the bloc on March 29. (Photo by HO / PRU / AFP) / RESTRICTED TO EDITORIAL USE - MANDATORY CREDIT " AFP PHOTO / PRU " - NO USE FOR ENTERTAINMENT, SATIRICAL, MARKETING OR ADVERTISING CAMPAIGNS
Wer will was im Brexit-Streit? Die Lager im britischen Parlament
Am 11. Dezember soll das britische Parlament über das ausgehandelte Brexit-Abkommen abstimmen. Premierministerin May zieht alle Register, um für den Deal zu werben - doch es dürfte schwer werden, eine Mehrheit zu bekommen. Denn die Lage im Parlament ist diffizil.
Diese Demonstranten vor dem britischen Unterhaus sind gegen den Brexit. Aber wer noch? Eine Übersicht.
Brexit-Machtprobe im britischen Parlament
In Großbritannien werden heute und morgen wichtige Abstimmungen über das EU-Austrittsgesetz erwartet. Zur Debatte steht unter anderem die Mitgliedschaft in einer Zollunion mit der EU.
Pro-EU demonstrators wave an mixed EU and Union flag as they protest against Brexit, outside of the Houses of Parliament in central London on June 11, 2018.
After a rollercoaster week of Brexit rows within her government and with Brussels, British Prime Minister Theresa May will on Tuesday seek to avoid another setback in a long-awaited showdown with parliament. MPs in the House of Commons will vote on a string of amendments to a key piece of Brexit legislation that could force the government's hand in the negotiations with the European Union. / AFP PHOTO / Daniel LEAL-OLIVAS