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Bremsen der Unglücksseilbahn in Italien waren manipuliert
International 1 26.05.2021

Bremsen der Unglücksseilbahn in Italien waren manipuliert

Die Bergstation der Seilbahn auf dem Monte Mottarone.

Bremsen der Unglücksseilbahn in Italien waren manipuliert

Die Bergstation der Seilbahn auf dem Monte Mottarone.
Foto: AFP
International 1 26.05.2021

Bremsen der Unglücksseilbahn in Italien waren manipuliert

Eine Bremsvorrichtung wurde deaktiviert, um eine Störung und damit eine Verspätung zu vermeiden. Drei Männer wurden festgenommen.

(dpa) - Nach den Festnahmen wegen mutmaßlicher Manipulationen an der Seilbahn am 1500 Meter hohen Monte Mottarone in Norditalien haben die Ermittler Hinweise darauf, dass die Bremse absichtlich deaktiviert wurde. Es gebe eine Aussage, wonach eine Vorrichtung deaktiviert wurde, um eine Störung zu vermeiden, sagte ein Carabiniere im italienischen Fernsehen am Mittwoch. Die habe dann dafür gesorgt, dass die Notbremse nicht griff.

Die Störung hätte dem Polizisten zufolge sonst zu einem langsamen Ablauf geführt. „Man wollte die Seilbahn in Betrieb halten, auch als sich das Problem offenbarte.“ So sei die Notbremse gesperrt gewesen, damit weiter Menschen transportiert werden konnten. Dadurch sei es aber auch zu der „dramatischen Fügung“ gekommen, dass die Notbremse nicht griff, als eines der Kabel riss.

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Insgesamt 14 Menschen hatten bei dem Gondelabsturz in der italienischen Region Piemont westlich des Lago Maggiore am Sonntag ihr Leben verloren. Nur ein kleiner Junge aus Israel überlebte das Unglück und wurde am Mittwoch noch in einer Turiner Klinik behandelt. Seine Eltern, Urgroßeltern sowie sein Bruder sind unter den Opfern.


HANDOUT - 23.05.2021, Italien, Stresa: Die Aufnahme der Feuerwehr zeigt Feuerwehrleute an einer abgestürzten Gondel, die in einem Waldstück liegt. Bei dem Seilbahnunglück in der norditalienischen Provinz Verbano-Cusio-Ossola sind neun Menschen ums Leben gekommen, weitere wurden verletzt. Foto: Vigili del Fuoco/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit der aktuellen Berichterstattung und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits +++ dpa-Bildfunk +++
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Drei Menschen waren am Mittwochmorgen festgenommen worden. Dabei handelt es sich laut Medienberichten um Mitarbeiter des Seilbahnbetreibers Ferrovie del Mottarone. Darunter sei auch ein Manager. Ermittler hätten festgestellt, dass ein Sicherheitsbremssystem „manipuliert“ worden sei, um Verspätungen des Seilbahnbetriebs zu vermeiden, zitierte die Nachrichtenagentur Ansa die ermittelnde Staatsanwältin Olimpia Bossi.

Die Staatsanwaltschaft hatte am Dienstag das Video einer Überwachungskamera beschlagnahmt, das den Unfall zeigt. Darauf sei zu sehen, wie sich die Gondel am Sonntag kurz vor der Bergstation am Monte Mottarone westlich des Lago Maggiore befunden habe, als plötzlich ein Seil riss und die Kabine talwärts abstürzte, hieß es.  

Erst seit Samstag dürfen Seilbahnen in ganz Italien im Zuge von Lockerungen der Corona-Beschränkungen überhaupt wieder Ausflügler transportieren.  


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