Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Breite Parlamentsmehrheit in Sicht
International 2 Min. 12.06.2017 Aus unserem online-Archiv
„Macron-Welle“ in Frankreich

Breite Parlamentsmehrheit in Sicht

„Macron-Welle“ in Frankreich

Breite Parlamentsmehrheit in Sicht

Foto: AFP
International 2 Min. 12.06.2017 Aus unserem online-Archiv
„Macron-Welle“ in Frankreich

Breite Parlamentsmehrheit in Sicht

Michel THIEL
Michel THIEL
Bei der französischen Parlamentswahl nimmt Emmanuel Macron Kurs auf eine haushohe Mehrheit. Frankreichs politisches System sortiert sich völlig neu, der Weg für angekündigte Reformen scheint frei.

(dpa) - Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat bei der Parlamentswahl seinen Sprint an die Macht fortgesetzt. Seine junge Partei gewann am Sonntag aus dem Stand den ersten Wahlgang und steuert auf eine absolute Mehrheit in der Nationalversammlung zu. Laut Meinungsforschern kann das Macron-Lager bei der entscheidenden Runde mit 400 bis 455 der insgesamt 577 Sitzen rechnen. Nun beginnt der Wahlkampf für die Stichwahlen am kommenden Sonntag.

Macron kann damit eine breite Basis für sein Reformprogramm erwarten, mit dem er Frankreichs Wirtschaft ankurbeln will. Gut einen Monat nach seiner Wahl zum Staatschef ist die erste Runde der Parlamentswahl eine weitere herbe Niederlage für die traditionellen Regierungsparteien der Sozialisten und der bürgerlichen Rechten. Die katholische Zeitung „La Croix“ sprach am Montag auf ihrer Titelseite von einer „Macron-Welle“. Überschattet wurde das Ergebnis allerdings von einem Negativ-Rekord bei der Wahlbeteiligung.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bezeichnete das Resultat als „starkes Votum für Reformen“. „Kanzlerin Merkel: Mein herzlicher Glückwunsch an @EmmanuelMacron zum großen Erfolg seiner Partei im 1. Wahlgang“, twitterte Regierungssprecher Steffen Seibert.

Ein historisches Ergebnis

Nach vollständiger Auszählung kamen Macrons Partei und ihre Verbündeten auf rund 32,3 Prozent. Wegen des Mehrheitswahlrechts können sie damit auf eine historische Zahl an Abgeordneten hoffen. Macron dürfte eine so breite Mehrheit in der Nationalversammlung bekommen wie keiner seiner Vorgänger in der Geschichte der Fünften Republik, die 1958 gegründet wurde. La République en Marche trat erstmals bei der Parlamentswahl an.

In fast allen 577 Wahlkreisen fällt die endgültige Entscheidung erst in einer Stichwahl zwischen den stärksten Kandidaten. Pro Wahlkreis wird ein Abgeordneter gewählt, im ersten Wahlgang braucht es für einen Sieg die absolute Mehrheit - das schafft kaum jemand.

Die bürgerliche Rechte um die konservativen Republikaner kam auf etwa 21,6 Prozent und kann laut dem Institut Ipsos mit 70 bis 110 Mandaten rechnen. Einen dramatischen Absturz legten die Sozialisten von Macrons Vorgänger François Hollande hin, die bislang die Nationalversammlung dominiert hatten. Sie kamen nur noch auf 7,4 Prozent, auch gemeinsam mit nahestehenden Kandidaten reichte es nicht für ein zweistelliges Ergebnis.

Auch die Kräfte rechts- und linksaußen blieben schwächer als nach der Präsidentenwahl gedacht. Die Front National von Rechtspopulistin Marine Le Pen kam auf gerade 13,2 Prozent. Das Ziel, erstmals seit 1988 eine Fraktion bilden zu können, dürfte damit hinfällig sein, die nötigen 15 Abgeordneten sind außer Reichweite - ein Misserfolg nach dem deutlich besseren Ergebnis Le Pens bei der Präsidentenwahl. In ihrem eigenen Wahlkreis in Nordfrankreich liegt sie aber weit vorn und hat Chancen, erstmals in die Nationalversammlung zu kommen.

Die Linkspartei La France Insoumise von Jean-Luc Mélenchon kam auf knapp 11 Prozent. Gegner Macrons warnten am Sonntag vor einer zu großen Mehrheit für dessen Partei und riefen dazu auf, im zweiten Wahlgang die Opposition zu stärken. Nur jeder zweite Franzose ging am Sonntag ins Wahllokal, so wenige wie noch nie bei einer Parlamentswahl in der Fünften Republik.

Auch bei einer absoluten Mehrheit in der Nationalversammlung würde Macrons Lager nicht das ganze Parlament dominieren. Im Senat als zweiter Kammer hat die bürgerliche Rechte das Sagen. Die Senatoren reden bei der Verabschiedung von Gesetzen mit - allerdings sitzt die Nationalversammlung letztlich am längeren Hebel.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Frankreich: Sieg in erster Runde der Parlamentswahl
Wenige Wochen nach seiner Wahl zum französischen Staatschef kann Emmanuel Macron einen weiteren Abstimmungstriumph feiern. Seine Partei hat bei der Neuwahl der Nationalversammlung die Nase vorn - und nun beste Chancen auf eine satte Mehrheit.
Emmmanuel Macron, bald der neue König mit absoluter Mehrheit?
Ein triumphaler Sieg für Emmanuel Macron, der den etablierten Parteien eine schallende Ohrfeige verpasst. Doch auf dem Erfolg liegt ein Schatten: eine extrem niedrige Wahlbeteiligung, die der Ausdruck eines ganz starken "Ras-le-bol" ist.
Parlamentswahlen in Frankreich
Auf unserer interaktiven Karte finden Sie, wie die grenznahen Départements Moselle und Meurthe-et-Moselle abgestimmt haben.
Election officials start counting votes at a polling station in Ch�teaulin, western of France, on June 11, 2017, during the first round of the French legislative elections. / AFP PHOTO / FRED TANNEAU
Urnengang lockt nur wenige Franzosen
Es geht weiter mit der politischen Umwälzung in Frankreich. Bei der Parlamentswahl hofft Präsident Macron auf eine absolute Mehrheit, um Reformen durchzusetzen. Doch viele Franzosen scheint die Abstimmung nicht ins Wahllokal zu locken.
Nur untergeordnetes Interesse scheinen die Franzosen an der Parlamentswahl zu haben.