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Boris Johnson gewinnt erste Parteichef-Wahlrunde
Boris Johnson, ehemaliger Außenminister von Großbritannien, spricht während des Starts seiner Kampagne für das Amt des Tory-Parteichefs.

Boris Johnson gewinnt erste Parteichef-Wahlrunde

Foto: AFP
Boris Johnson, ehemaliger Außenminister von Großbritannien, spricht während des Starts seiner Kampagne für das Amt des Tory-Parteichefs.
International 3 Min. 13.06.2019

Boris Johnson gewinnt erste Parteichef-Wahlrunde

Wer wird Theresa May als konservativer Parteichef und Premierminister beerben? Bei der ersten Abstimmungsrunde flogen bereits drei Anwärter raus.

(dpa/SC) - Im Rennen um die Nachfolge Theresa Mays als Parteichefin der britischen Konservativen und Premierministerin stimmten die Abgeordneten der Tory-Fraktion an diesem Donnerstag erstmals ab. Zehn Bewerber hatten ihren Hut in den Ring geworfen.

Nach dem ersten Wahlgang werden in den kommenden weitere folgen, bis in einer Stichwahl die endgültige Entscheidung über den neuen Parteichef - und somit auch den neuen Premierminister von Großbritannien - fällt. Als Favorit gilt der ehemalige Außenminister Boris Johnson. Gute Chancen werden auch Außenminister Jeremy Hunt und Innenminister Sajid Javid eingeräumt. Umweltminister Michael Gove musste nach Geständnissen über früheren Drogenkonsum einen Dämpfer hinnehmen.


ARCHIV - 13.07.2016, Großbritannien, London: Die britische Premierministerin Theresa May und ihr Ehemann Philip stehen winkend bei ihrem Amtsantritt vor Downingstreet No. 10. Mit dem Niederlegen ihres Amts als Parteichefin gibt die britische Premierministerin Theresa May den Weg frei für das Rennen um ihre Nachfolge. Foto: Andy Rain/EPA/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Elf Kandidaten im Rennen um Mays Nachfolge
Ein knappes Dutzend Tories hat sich für die Nachfolge der scheidenden Premierministerin Theresa May in Stellung gebracht.

Beim ersten Wahlgang am Donnerstag schieden alle Kandidaten aus, die weniger als 17 Abgeordnete hinter sich vereinen konnten. Die Stimmzettel wurden zwischen 11 und 13 Uhr entgegengenommen, das Ergebnis der Abstimmung wurde um 14 Uhr bekannt gegeben. Da diese Abstimmungen geheim sind, konnten auch Überraschungen nicht ausgeschlossen werden.

Das Ergebnis der ersten Wahlrunde war allerdings alles andere als überraschend. Cheryl Gillan, die stellvertretende Vorsitzende des 1922 Kommitees verkündete um kurz nach 14 Uhr die Resultate der jeweiligen Kandidaten:

Boris Johnson, der frühere britische Außenminister und ehemaliger Bürgermeister von London, lag im ersten Wahlgang haushoch vor. Er erhielt 114 von 313 Stimmen. Weit abgeschlagen kam auf dem zweiten Platz Jeremy Hunt mit 43 Stimmen. Michael Gove folgte Hunt dichtauf mit 37 Stimmen.

Drei Kandidaten schafften es hingegen nicht, die nötigen 17 Abgeordneten von sich zu überzeugen. Die als Wackelkandidaten geltenden Kandidaten Esther McVey ( Ex-Arbeitsministerin, 9 Stimmen), Mark Harper (Ex-Immigrationsminister, 10 Stimmen) und Andrea Leadsom (ehemalige Ministerin für Parlamentsfragen, 11 Stimmen) fehlte es jeweils an Stimmen um erfolgreich in die nächste Wahlrunde einziehen zu können.

Keiner der 313 konservativen Abgeordneten hatte sich bei der Wahl enthalten.

Weiter ausgesiebt wird am Montag, wenn für die sieben übrigen Kandidaten 33 Befürworter für ein Weiterkommen notwendig sind. Bis Ende nächster Woche soll die Zahl der Kandidaten dann auf zwei reduziert werden, die sich in einer Stichwahl den rund 160 000 Parteimitgliedern stellen sollen. Wer neuer Tory-Parteichef und damit Premierminister wird, soll in der Woche ab dem 22. Juli feststehen.

Johnson will Neuverhandlung

Johnson will das Abkommen über den EU-Austritt nachverhandeln. Das kündigte er am Mittwoch in London bei einer Rede zum Auftakt seiner Kampagne an.

Ein "besserer Deal" sei möglich, sagte Johnson. Er wolle keinen Austritt ohne Abkommen, aber das Land müsse sich darauf vorbereiten,  den Druck auf die Verhandlungspartner in Brüssel zu erhöhen. "Es ist wichtig, robust, entschlossen und entschieden zu sein", so Johnson. Zudem müsse die Austrittsfrist am 31. Oktober auf jeden Fall eingehalten werden.


EU sieht sich gut gewappnet für No-Deal-Brexit
Vor dem nun gültigen Austrittsdatum 31. Oktober würden keine weiteren gesetzlichen Notfallmaßnahmen gebraucht, erklärte die EU-Kommission am Mittwoch.

Brüssel hat bereits mehrfach klargemacht, dass es keine Nachverhandlungen an dem Austrittsvertrag geben kann. Erst am Dienstag wiederholte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker diese Position. Der Vertrag müsse respektiert werden, wer auch immer der nächste britische Premierminister sein werde, sagte Juncker im Gespräch mit dem Portal Politico.

May war mit dem Deal über den EU-Austritt drei Mal im Parlament gescheitert und als Konsequenz vergangene Woche von ihrem Amt als Parteichefin zurückgetreten. Eigentlich hätte der EU-Austritt des Landes bereits am 29. März erfolgen sollen, zwei Mal musste er verschoben werden. Die Briten hatten sich im Juni 2016 in einem historischen Referendum mit knapper Mehrheit für den Brexit ausgesprochen.


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