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Bombendrohungen und hunderte geschändete Gräber
International 27.02.2017 Aus unserem online-Archiv
Antisemitismus-Welle in den USA

Bombendrohungen und hunderte geschändete Gräber

Unbekannte Täter stürzten über 400 Grabsteine auf einem jüdischen Friedhof in Philadelphia um.
Antisemitismus-Welle in den USA

Bombendrohungen und hunderte geschändete Gräber

Unbekannte Täter stürzten über 400 Grabsteine auf einem jüdischen Friedhof in Philadelphia um.
Foto: AFP
International 27.02.2017 Aus unserem online-Archiv
Antisemitismus-Welle in den USA

Bombendrohungen und hunderte geschändete Gräber

Tom RÜDELL
Tom RÜDELL
Über 400 zerschlagene und umgeworfene Grabsteine auf einem jüdischen Friedhof, Bombendrohungen, Evakuierungen: Die USA erleben derzeit eine Welle des offenen Antisemitismus.

(dpa) - Eine neue Welle von Gewaltandrohungen hat jüdische Einrichtungen in den USA erreicht. Mehrere jüdische Gemeindezentren und Tagesschulen wurden am Montag wegen Bombendrohungen vorsichtshalber evakuiert. Allein in der Gegend um die Hauptstadt Washington wurden die 143 Schüler einer Tagesschule in Sicherheit gebracht, berichtete die „Washington Jewish Week“ unter Berufung auf die Polizei im Fairfax County (Bundesstaat Virginia).

Eine zweite Schule in der Hauptstadtregion habe ebenfalls eine Drohung erreicht, der Unterricht sei aber nach einer ergebnislosen Durchsuchung mit Sprengstoff-Spürhunden fortgesetzt worden. Seit Wochen werden jüdische Einrichtungen in den Vereinigten Staaten mit ähnlichen Drohungen konfrontiert.

460 geschändete Grabsteine

Auch in anderen Gegenden der USA wurden am Montag jüdische Einrichtungen bedroht, darunter in New Jersey, North Carolina, Alabama, Pennsylvania und New York. Erst tags zuvor war bekannt geworden, dass Unbekannte den jüdischen Mount Carmel Friedhof in Philadelphia geschändet und insgesamt 460 Grabsteine  umgestürzt und zertrümmert hatten.

Zahlreiche Politiker und jüdische Organisationen verurteilten die Tat scharf. Dabei handele es sich um einen „verachtenswerten und feigen Akt des Hasses“, sagte der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, Ronald Lauder, am Montag in New York. „Das ist nicht nur ein Angriff auf die jüdische Gemeinschaft, sondern auf die Werte der Freiheit und Brüderlichkeit, für die Amerika steht.“

„Das ist keine zufällige Tat“, sagte Rabbi Shawn Zevit. Um viele Grabsteine umzuwerfen, brauche es Absicht und ein gemeinsames Vorgehen mehrerer Täter. Mehrere Organisationen, darunter die Anti-Defamation League, die sich gegen Antisemitismus einsetzt, versprachen eine Belohnung von insgesamt 13 000 Dollar (12 240 Euro) für Hinweise auf die Täter.

Trump "enttäuscht und besorgt"

Erst vor knapp einer Woche war ein jüdischer Friedhof in St. Louis im Bundesstaat Missouri geschändet worden. Dort hatten Unbekannte über 150 Grabsteine beschädigt. Wenige Tage später beteiligte sich US-Vizepräsident Mike Pence an den Aufräumarbeiten.

US-Präsident Donald Trump hat die antisemitischen Drohungen und den Vandalismus scharf verurteilt. Der Sprecher des Weißen Hauses, Sean Spicer, sagte am Montag in Washington, der Präsident sei enttäuscht und besorgt und verdamme jede Form des Antisemitismus in schärfster Form.


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