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Bolsonaro: Null-Toleranz bei Umweltverbrechen
International 4 2 Min. 24.08.2019

Bolsonaro: Null-Toleranz bei Umweltverbrechen

Ein Hubschrauber ist während der Waldbrände im Amazonasgebiet im Einsatz.

Bolsonaro: Null-Toleranz bei Umweltverbrechen

Ein Hubschrauber ist während der Waldbrände im Amazonasgebiet im Einsatz.
Foto: Gaston Brito/dpa
International 4 2 Min. 24.08.2019

Bolsonaro: Null-Toleranz bei Umweltverbrechen

Wegen internationalen Drucks gelobt der Präsident ein hartes Vorgehen gegen Brandstifter. Aber er spricht auch vom wirtschaftlichen Potenzial der Region.

(dpa) - Angesichts der zu Tausenden lodernden Feuer im Amazonasgebiet hat Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro ein hartes Durchgreifen gegen Brandstifter angekündigt. „Wir sind eine Regierung der Null-Toleranz-Politik gegenüber der Kriminalität, und im Bereich der Umwelt ist das nicht anders“, sagte der Staatschef am Freitagabend (Ortszeit) in einer Fernsehansprache. „Wir werden entschlossen handeln, um die Feuer unter Kontrolle zu bringen.“

Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro.
Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro.
Foto: Marcos Correa/Presidencia Planal

Betroffene Bundesstaaten könnten zudem die Unterstützung des Militärs erbitten. „Der Schutz des Waldes ist unsere Pflicht. Wir sind uns dessen bewusst und arbeiten daran, die illegale Entwaldung und andere kriminelle Aktivitäten, die unser Amazonasgebiet gefährden, zu bekämpfen“, sagte Bolsonaro.

Waldbrände nehmen zu

In Brasilien wüten derzeit die schwersten Waldbrände seit Jahren. Seit Januar nahmen die Feuer und Brandrodungen im größten Land Südamerikas im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 83 Prozent zu. Insgesamt wurden über 70.000 Brände registriert. Experten zufolge legen meist Farmer die Feuer, um neue Weideflächen zu schaffen.


(FILES) File photo taken on October 13, 2014 showing an aereal view of an illegal felling area in the Amazon forest during an overflight by Greenpeace activists over areas of illegal exploitation of timber, as part of the second stage of the "The Amazon's Silent Crisis" report, in the state of Para, Brazil, - The head of Brazil's National Institute for Space Research (INPE) Ricardo Galvao said on Friday he's going to be sacked following a row with President Jair Bolsonaro over deforestation in the Amazon rainforest. Galvao had accused far-right Bolsonaro of "cowardice" for having publically questioned satellite data produced by INPE that showed Amazon rainforest deforestation had increased 88 percent in June compared to the same period one year earlier. (Photo by RAPHAEL ALVES / AFP)
Abholzung am Amazonas hat sich nahezu vervierfacht
Die Rodungen im Regenwald von Brasilien nehmen eklatante Ausmaße an. Doch Präsident Bolsonaro hält die Zahlen für Schwindel.

In den Großstädten Rio de Janeiro und São Paulo gingen zahlreiche Menschen gegen die Umweltpolitik der Regierung auf die Straße. „Es gibt keine Entwicklung ohne Sauerstoff“, war auf einem Protestplakat zu lesen. Auf einem anderen stand: „Lasst das Grün nicht Grau werden.“

Die 16-jährige Schülerin Natália Magalhães sagte dem Nachrichtenportal G1: „Als ich sah, dass das Amazonasgebiet in Flammen steht, dachte ich zuerst, dass die Welt untergeht. Die Amazonasregion ist das Herz der Welt. Ich musste kommen, um etwas zu tun.“

In vielen Städten wurde Bolsonaros Ansprache von sogenannten Panelaços begleitet. Bei dieser in Lateinamerika weit verbreiteten Protestform schlagen die Menschen lautstark auf Töpfe oder Pfannen, um ihren Unmut zu bekunden.

Umweltschützer sehen Bolsonaro als Mitschuldigen

Umweltschützer werfen Bolsonaro vor, ein politisches Klima geschaffen zu haben, in dem sich Bauern zu immer mehr Abholzung und Brandrodung ermutigt sehen. Der Staatschef hat immer wieder klar gemacht, dass er die Amazonasregion vor allem mit ungenutztem wirtschaftlichen Potenzial verbindet.

Proteste in Buenos Aires: "Ökoterror", steht auf einem Plakat unter der Abbildung vom brasilianischen Präsidenten Bolsonaro bei einem Protest vor der brasilianischen Botschaft.
Proteste in Buenos Aires: "Ökoterror", steht auf einem Plakat unter der Abbildung vom brasilianischen Präsidenten Bolsonaro bei einem Protest vor der brasilianischen Botschaft.
Foto: dpa

Man muss bedenken, dass in dieser Region mehr als 20 Millionen Brasilianer leben, die seit Jahren auf eine wirtschaftliche Entwicklung warten, die dem dort vorhandenen Reichtum entspricht“, sagte Bolsonaro auch nun wieder. „Dieser Bevölkerung muss die Möglichkeit gegeben werden, sich gemeinsam mit dem Rest des Landes zu entwickeln.“


HANDOUT - 21.08.2019, Brasilien, Chapada dos Guimaraes: Auf diesem vom Chico Mendes Institut zum Schutz der Artenvielfalt zur Verfügung gestellten Bild steigt Rauch vom Wald im Naturpark Chapada dos Guimaraes. Seit Wochen wüten Tausende Feuer im Amazonasgebiet und den angrenzenden Steppengebieten. (zu dpa «Flammenhölle Amazonas: Brände zerstören Brasiliens grüne Lunge» vom 22.08.2019) Foto: Christian Niel Berlinck/ICMBio/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit der aktuellen Berichterstattung und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits +++ dpa-Bildfunk +++
Flammenhölle Amazonas: Brände zerstören Brasiliens grüne Lunge
Tausende Feuer im Amazonasgebiet, schwarzer Regen in São Paulo: In Brasilien brennt es so heftig wie seit Jahren nicht. Doch Staatschef Bolsonaro facht die Flammen mit seiner Rhetorik weiter an.

Da der Amazonasregenwald große Mengen CO2 bindet und für den Kampf gegen den Klimawandel von globaler Bedeutung ist, sorgen die Brände auf der ganzen Welt für Bestürzung. Auch auf dem G7-Gipfel der führenden Industrienationen im französischen Biarritz soll das Thema am Wochenende zur Sprache kommen. Bolsonaro verbat sich indes die Einmischung in innere Angelegenheiten seines Landes. „Waldbrände gibt es auf der ganzen Welt“, sagte der Präsident im Fernsehen. „Das kann nicht als Vorwand für mögliche internationale Sanktionen dienen.“


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Im größten Regenwald der Erde sind seit Beginn des Jahres bereits 74.000 Feuer gezählt worden. Das könnte Auswirkungen aufs Weltklima haben.
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