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Bolivien: Evo Morales muss in die Stichwahl
International 3 2 Min. 21.10.2019

Bolivien: Evo Morales muss in die Stichwahl

Der bolivianische Präsident Evo Morales (r., mit Vizepräsident Álvaro Marcelo García Linera) spricht nach Bekanntwerden von Teilergebnissen der Präsidentschaftswahl zu Anhängern.

Bolivien: Evo Morales muss in die Stichwahl

Der bolivianische Präsident Evo Morales (r., mit Vizepräsident Álvaro Marcelo García Linera) spricht nach Bekanntwerden von Teilergebnissen der Präsidentschaftswahl zu Anhängern.
Foto: AFP/Jorge Bernal
International 3 2 Min. 21.10.2019

Bolivien: Evo Morales muss in die Stichwahl

Boliviens Staatschef strebt eine vierte Amtsperiode an. Er verfehlt jedoch die absolute Mehrheit in der ersten Wahlrunde. Sein Rivale Mesa feiert nach vorläufiger Auszählung die Aussicht auf eine Stichwahl.

(dpa) - In Bolivien wird es nach ersten vorläufigen Ergebnissen der Präsidentenwahl zu einer Stichwahl zwischen dem linken Staatschef Evo Morales und dem gemäßigt konservativen Bewerber Carlos Mesa kommen. Morales führte nach einer vorläufigen Auszählung von 84 Prozent der Stimmen mit 45,3 Prozent gegen 38,2 Prozent für Mesa, wie die Wahlkommission am Sonntagabend (Ortszeit) bekannt gab.

Für einen Sieg in der ersten Wahlrunde sind entweder eine absolute Mehrheit der Stimmen oder mindestens 40 Prozent mit zehn Prozentpunkten Vorsprung auf den nächsten Rivalen erforderlich. Morales (59) bewirbt sich für eine vierte Amtsperiode in Folge seit 2006. Der Journalist Mesa (66) war bereits Staatschef von 2003 bis 2005. Ein möglicher Termin für eine Stichwahl wäre der 15. Dezember.

Carlos Mesa nach der Stimmabgabe in La Paz.
Carlos Mesa nach der Stimmabgabe in La Paz.
Foto: AFP/Jorge Bernal

Die offizielle Auszählung deutete am Montag klar darauf hin, dass keiner der beiden Spitzenkandidaten die notwendige Mehrheit erreichte, um sich in der ersten Wahlrunde durchzusetzen. Nach der endgültigen Auszählung von 39 Prozent der Stimmen führte Mesa mit 44,2 Prozent gegen 40,8 Prozent für Morales. Dieser Zwischenstand bedeutet aber nicht, dass Mesa am Ende tatsächlich vorne liegt, denn die ausgezählten Bezirke sind nicht repräsentativ.

Die ersten Ergebnisse stammen aus den größeren Städten, in denen die Opposition gegen Morales stärker ist. Der indigene Staatschef kann vor allem auf die Unterstützung aus ländlichen Bezirken zählen.

Morales umging Wiederwahl-Verbot

„Wir haben noch einmal gewonnen“, sagte Morales am Sonntagabend vor dem Präsidentenpalast in La Paz. Er rechnete noch mit einem Sieg in der ersten Wahlrunde mit der vollständigen Auszählung der Stimmen vor allem aus ländlichen Bezirken. Morales hatte die drei vergangenen Präsidentenwahlen mit absoluter Mehrheit gewonnen.

Morales bewirbt sich für eine vierte Amtsperiode in Folge seit 2006. Der Journalist Mesa (66) war bereits Staatschef von 2003 bis 2005. Ein möglicher Termin für eine Stichwahl wäre der 15. Dezember.

Der Ausgang einer Stichwahl erscheint nach der laufenden Auszählung ungewiss. Den dritten und vierten Platz belegen zwei konservative Bewerber, die zusammen rund 12 Prozent der Stimmen bekamen. Beide erklärten sich bereit, im Falle einer Stichwahl Mesa zu unterstützen.

„Wir haben einen unwiderruflichen Sieg erreicht“, erklärte Mesa zu dem vorläufigen Ergebnis, das ihm den Weg zur Stichwahl freigibt. Mesa könnte von dem Unmut gegen Morales' Umgehung des Verbots einer neuen Wiederwahl profitieren. Im Februar 2016 scheiterte Morales zunächst mit dem Versuch, das Grundgesetz per Referendum zu ändern, um seine erneute Wiederwahl zu genehmigen. Später ließ er sich jedoch eine vierte Kandidatur durch das Verfassungsgericht genehmigen.

Dieses juristisch-politische Manöver löste eine Protestbewegung aus, die selbst am Wahltag noch öffentlich zum Ausdruck kam. Rund hundert Menschen wurden am Sonntag in Santa Cruz de la Sierra festgenommen, als sie gegen die erneute Kandidatur von Morales protestierten.

Morales, der erste indigene Präsident Boliviens, genießt aber trotz autoritärer Züge seiner Regierung weiterhin eine starke Popularität. Ein Grund ist das robuste und anhaltende Wirtschaftswachstum von jährlich über vier Prozent. Wegen eines Preisrückgangs für Erdgas, Boliviens wichtigstem Exportgut, sind jedoch die Devisenreserven des Andenlandes in den vergangenen Jahren stark gesunken. Wenn das aktuelle Handelsdefizit bleibt, könnte es zu einer Finanzkrise kommen, warnen kritische Wirtschaftsexperten.  


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