Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Boeing-Unglücksflieger: Piloten nicht im Fehler
International 2 Min. 04.04.2019

Boeing-Unglücksflieger: Piloten nicht im Fehler

In dem Ethiopia Airlines Absturz am 10. März 2019 kamen 157 Menschen ums Leben.

Boeing-Unglücksflieger: Piloten nicht im Fehler

In dem Ethiopia Airlines Absturz am 10. März 2019 kamen 157 Menschen ums Leben.
Foto: Michael TEWELDE / AFP
International 2 Min. 04.04.2019

Boeing-Unglücksflieger: Piloten nicht im Fehler

Der erste Bericht stellt fest, dass die Piloten nach den Vorgaben des Herstellers gehandelt haben. Die Frage nach der Ursache bleibt offen.

(dpa/SC) - Vor dem Absturz der Boeing 737 Max in Äthiopien haben die Piloten einem vorläufigen Untersuchungsbericht zufolge nach den Vorschriften des Herstellers gehandelt. Ob allerdings die umstrittene Steuerungssoftware des Flugzeuges für das Unglück verantwortlich war, ist weiterhin unklar. Die Besatzung von Ethiopian Airlines habe vor dem Crash alle von Boeing vorgesehenen Vorgaben befolgt, sagte die äthiopische Transportministerin Dagmawit Moges am Donnerstag in Addis Abeba. Allerdings hätten sie die Maschine dennoch nicht unter Kontrolle bringen können. Bis die genaue Ursache des Absturzes ermittelt sei, werde es noch mehrere Monate dauern.


Einer der beiden Flugschreiber der Boeing wurde in den Trümmern gefunden.
Boeing-Absturz: Klare Ähnlichkeiten mit Crash in Indonesien
Der Druck auf Flugzeughersteller Boeing steigt weiter. Die Daten der Blackboxes deuten nach dem jüngsten Absturz auf Ähnlichkeiten mit dem Crash in Indonesien im Oktober hin.

Der Leiter der Unfalluntersuchungsbehörde im Ministerium, Amdiye Ayalew, sagte, die Daten deuteten nicht darauf hin, dass ein Fremdkörper das Flugzeug beschädigt habe. Allerdings hatten Ermittler Dagmawit zufolge Anzeichen dafür gefunden, dass die Nase der Maschine mehrmals und ohne entsprechende Anweisungen nach unten gedrückt worden sei. Man empfehle daher dem Hersteller, das Flugsteuerungssystem des Jets zu untersuchen.

Die betroffene Fluggesellschaft Ethiopian Airlines bezeichnete es am Donnerstag als sehr unglücklich, dass die Piloten der Absturzmaschine trotz ihrer harten Arbeit und der „vollständigen Einhaltung aller Notfallmaßnahmen“ das Flugzeug nicht davon abhalten konnten, seine Nase immer wieder nach unten zu ziehen.

Bei dem Absturz der Maschine kurz nach Abflug in Addis Abeba am 10. März waren alle 157 Menschen an Bord ums Leben gekommen. Der Crash hatte den US-Hersteller Boeing und die US-Luftfahrtbehörde FAA stark unter Druck gesetzt. Im Fokus steht eine umstrittene Steuerungssoftware, die bereits als mögliche Ursache für den Crash einer baugleichen Boeing-Maschine in Indonesien gilt. Dabei waren dem Ende Oktober 189 Menschen ums Leben gekommen.

Unfallermittler gingen bei diesem Absturz davon aus, dass die eigens von Boeing für die neue Flugzeugreihe 737 Max entwickelte Steuerungssoftware MCAS ein entscheidender Auslöser des Unglücks gewesen sein könnte. Der Bordcomputer soll die Nase der Lion-Air-Maschine automatisch immer wieder nach unten gedrückt haben, während die Besatzung vergeblich versuchte gegenzusteuern.

Die FAA kündigte am Donnerstag an, bei entsprechenden Erkenntnissen aus der Untersuchung angemessene Schritte zu unternehmen. Derzeit sei man aber noch dabei, die Umstände des Unfalls zu untersuchen und zu verstehen. Eine Boeing-Sprecherin teilte mit, der Flugzeugbauer schaue sich gerade den Untersuchungsbericht aus Äthiopien an.  

Boeing 737 MAX-Flugzeuge stehen am Flughafen Brüssel-Zaventem. Nach zwei Flugzeugabstürzen ist EU-weit die gesamte Flotte von Boeing 737 MAX am Boden.
Boeing 737 MAX-Flugzeuge stehen am Flughafen Brüssel-Zaventem. Nach zwei Flugzeugabstürzen ist EU-weit die gesamte Flotte von Boeing 737 MAX am Boden.
Foto: Frederik Ureel/BELGA/dpa

  Zwar ist weiterhin unklar, ob die Steuerungssoftware für den Absturz in Äthiopien verantwortlich war. Doch der vorläufige Untersuchungsbericht dürfte den Druck auf Boeing nicht verringern.  


ARCHIV - 08.02.2018, Hamburg: Eine Fluglotse steht vor einer Boeing 747-8 der Lufthansa auf dem Helmut-Schmidt-Flughafen. (zu dpa Schlichter erwarten schwierigen Flug-Sommer - Lufthansa rüstet auf) Foto: Axel Heimken/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Lufthansa erwägt Kauf umstrittener Boeing 737 Max Flugzeuge
Trotz zweier tödlicher Unfälle mit insgesamt 346 Toten überlegt sich die deutsche Fluggesellschaft Lufthansa, mehrere Maschinen des Typs Boeing 737 Max in Bestellung zu geben.

Ethiopian-Airlines-Chef Tewolde GebreMariam hatte vergangene Woche dem „Wall Street Journal“ bereits gesagt, dass das Steuerungsprogramm „nach unserem besten Wissen“ eingeschaltet gewesen sei. Boeing hatte schon nach dem Absturz in Indonesien eine Überarbeitung des Programms versprochen, die Aktualisierung zieht sich jedoch weiter hin.

Nicht nur Boeing, auch die FAA steht nach den beiden Abstürzen schwer in der Kritik. Die Behörde wird verdächtigt, bei der Zertifizierung der 737 Max ein Auge zugedrückt zu haben, wichtige Teile der Sicherheitsprüfungen wurden dem Konzern selbst überlassen. Der Fall wird vom Verkehrsministerium untersucht, auch Justizministerium und FBI sollen inzwischen ermitteln. Die FAA hatte erst unter hohem politischen Druck ein Startverbot für Boeings 737-Max-Serie verhängt, nachdem dies in fast allen anderen Ländern bereits geschehen war.

Für Boeing ist die Aufarbeitung der Unglücke hochbrisant. Sollte sich ein Verdacht bestätigen, wonach der Konzern beim Zulassungsverfahren Informationen zurückgehalten hat, könnte dies strafrechtlich erhebliche Konsequenzen haben. Auch sonst ist der Fall juristisch heikel, es liegen bereits etliche Schadenersatzklagen vor.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Boeing-Gewinneinbruch nach 737-Max-Debakel
Nach zwei Flugzeugabstürzen in kurzer Zeit steht Boeing heftig unter Druck. Nun hat der US-Konzern erstmals seit dem Unglück in Äthiopien einen Geschäftsbericht vorgelegt.
(FILES) In this file photo taken on March 22, 2019, a Boeing 737 MAX 9 test plane is pictured at Boeing Field in Seattle, Washington. - Under growing scrutiny from investors and regulators, embattled US aerospace giant Boeing will have a chance this week to reset the narrative as it aims to pivot from two deadly crashes that have grounded a top-selling plane.The company will report earnings on April 24, 2019 for the first time since a deadly March 10 plane crash plunged the company into crisis-mode. (Photo by STEPHEN BRASHEAR / GETTY IMAGES NORTH AMERICA / AFP)
Boeing 737 Max muss in Florida notlanden
Die Pannen-Maschine Boeing 737 Max 8 unterliegt in den USA eigentlich einem Flugverbot. Überführungsflüge ohne Passagiere sind jedoch erlaubt. Nun kam es in Florida bei einem solchen Flug zu einem Zwischenfall.
(FILES) In this file photo taken on March 21, 2019  two sensors, both at bottom, that measures the angle of attack is pictured on a Boeing 737 MAX 8 airplane outside the company's factory in Renton, Washington. - Boeing has flown test flights of its 737 MAX to evaluate a fix for the system targeted as a potential cause of two deadly plane crashes, two sources familiar with the matter said on March 26, 2019. The aviation giant, which has been under fire and its flagship narrow-body planes grounded since March 13, tested the system upgrade on Monday, two days after pilots from American Airlines did simulation flights in Renton, Washington, the sources said. (Photo by STEPHEN BRASHEAR / GETTY IMAGES NORTH AMERICA / AFP)
Boeing-Unglück: Auswertung der Flugschreiber beginnt
Der US-Flugzeugbauer hält an der Produktion der 737-Max-Flieger fest – obwohl sie derzeit nicht mehr ausgeliefert werden dürfen. Indes versuchen Experten die Daten der Flugschreiber aus der verunglückten Ethiopian-Maschine auszuwerten.
A handout photo released on March 15, 2019 by the Office of Investigation and Analysis' (Bureau d'Enquete et d'Analyses - BEA) shows one of the two black box recorders of the Ethiopian Airlines 737 MAX which crashed minutes after taking off from Addis Ababa airport on March 10. - A French investigation into the Ethiopian Airlines 737 MAX  crash that killed 157 passengers and crew opened on March 15, 2019 as US aerospace giant Boeing stopped delivering the top-selling aircraft. An Ethiopian delegation delivered the black boxes to France's BEA air safety agency "and the investigation process has started in Paris", Ethiopian Airlines said on March 15 on Twitter. (Photo by - / Bureau d'Enquete et d'Analyses - BEA / AFP) / RESTRICTED TO EDITORIAL USE - MANDATORY CREDIT "AFP PHOTO / Office of Investigation and Analysis' (Bureau d'Enquete et d'Analyses - BEA) " - NO MARKETING NO ADVERTISING CAMPAIGNS - DISTRIBUTED AS A SERVICE TO CLIENTS