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„Bodyguard-Affäre“ entzaubert Macron
Der französische Präsident Emmanuel Macron (rechts) und sein früherer Sicherheitsmitarbeiter Alexandre Benalla.

„Bodyguard-Affäre“ entzaubert Macron

Foto: AFP
Der französische Präsident Emmanuel Macron (rechts) und sein früherer Sicherheitsmitarbeiter Alexandre Benalla.
International 3 Min. 29.07.2018

„Bodyguard-Affäre“ entzaubert Macron

Erst feiert Frankreichs Staatschef Macron euphorisch die Fußball-Weltmeister. Dann bricht ein Sturm der Entrüstung über seinen mutmaßlich gewalttätigen Sicherheitsmitarbeiter herein.

(dpa) - Frankreich hat sein Sommertheater: Hauptdarsteller sind Staatschef Emmanuel Macron und sein früherer Sicherheitsmitarbeiter Alexandre Benalla. Nach Vorwürfen, am 1. Mai gewaltsam gegen Demonstranten vorgegangen zu sein, musste Benalla seinen Hut nehmen.


Benalla steht bei einem Empfang in nächster Nähe zum Präsidenten.
Macron will Strafen in der Affäre um Sicherheitsmitarbeiter
Ein früherer Sicherheitsmann Macrons soll bei einer Demo in Paris einen Mann geschlagen haben. Weil der Vorfall erst Monate später bekannt wurde, wittert die Opposition Vertuschung.

Das Aufsehen ist groß. Die Justiz ermittelt, in beiden Parlamentskammern tagen Ermittlungsausschüsse, in sozialen Medien gibt es eine Dauerdebatte. Die Machtzentrale Élyséepalast reagierte spät - viele meinen zu spät. „Theaterliebhaber Emmanuel Macron sollte wissen, dass das Stück, das er aufführt, ihn nicht gut aussehen lässt“, bilanziert die Zeitschrift „Le Point“.

Manche sprechen von einer Staatsaffäre. Auf jeden Fall sei es die größte Krise in der Amtszeit des sozialliberalen Staatschefs, meinen Medien. Macron bezeichnet die öffentliche Aufregung um das „Benallagate“ hingegen als „Sturm im Wasserglas“.


Bei der Besichtigung des Agrikultursalons im Februar waren sich Emmanuel Macron und Alexandre Benalla offensichtlich noch recht nahe.
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Der 40-Jährige, der im Mai 2017 quasi aus dem Nichts in den Élyséepalast aufgestiegen war, wollte alles anders machen, das öffentliche Leben moralisieren. Die „beispielhafte Republik“ war ein Wahlkampfmotto des erklärten Europa- und Deutschlandfreundes gewesen. Nun wird zurückgerudert: Beispielhaft heiße nicht unfehlbar.

Der Aufschrei in den Reihen der Opposition ist groß. Wurde der Vorfall vertuscht? Wurde Benalla geschützt und zu gering bestraft? Innenminister Gérard Collomb erscheint vor zwei Ermittlungsausschüssen; auch der Pariser Polizeipräfekt, der Büroleiter Macrons und der Élysée-Generalsekretär werden befragt.

Unklare Details

Die Debatte verliert sich zunehmend in Details: Wer hat Benalla erlaubt, als Beobachter an der Demonstration vom 1. Mai teilzunehmen? Wer kannte ihn, wer duzte ihn, wer schützte ihn möglicherweise? Die Abgeordneten geben aber nicht klein bei: am Dienstag soll über zwei Misstrauensanträge von Oppositionsparteien gegen die Regierung abgestimmt werden. Der Vorstoß hat allerdings wenig Aussicht auf Erfolg. Denn die Präsidentenpartei La République En Marche und Verbündete haben eine satte Mehrheit in der Volksvertretung.

Ist Macrons Image auf Dauer angekratzt? Aktuelle Umfragen geben bisher keine klare Antwort darauf. Laut Meinungsforschungsinstitut Ipsos sank sein Beliebtheitswert auf den tiefsten Stand seit September 2017. Demnach heißt nur noch ein knappes Drittel der Franzosen sein Regierungshandeln gut. Das Institut Harris Interactive fand hingegen heraus, dass Macron mit 42 Prozent mehr Vertrauen genießt als im Monat zuvor.

Nach Bekanntwerden der Vorwürfe schwieg der frühere Investmentbanker lange. Dann kam überraschend das Mea Culpa: „Der Verantwortliche, der einzige Verantwortliche, das bin ich und ich allein.“ Er habe Benalla vertraut, und er habe auch dessen Strafe abgesegnet. Beide kennen sich schon länger, Benalla hatte Macron im Wahlkampf als Leibwächter begleitet.

„Er verhält sich wie ein Clan-Chef.“

Die Erklärung gab der Herr des Élyséepalastes bei einem Umtrunk mit Parteifreunden ab. Er habe sich vor seiner „Sekte“ geäußert, deren Applaus ihm sicher gewesen sei, kritisierte die konservative Abgeordnete Valérie Boyer beim Sender BFMTV. Macrons rechtspopulistische Erzgegnerin Marine Le Pen vom Rassemblement National (früher Front National) ergänzte, der Präsident hätte sich an alle Franzosen wenden müssen. „Er verhält sich wie ein Clan-Chef.“


French president Emmanuel Macron (L) visits the 55th International Agriculture Fair (Salon de l'Agriculture) at the Porte de Versailles exhibition center in Paris, on February 24, 2018 as Elysee senior security officer Alexandre Benalla (R) looks on. / AFP PHOTO / POOL / Ludovic MARIN
Bericht: Macron sieht sich in Benalla-Affäre als Verantwortlicher
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat, einem Bericht zufolge, in der Affäre um einen seiner Sicherheitsmitarbeiter die Verantwortung auf sich genommen.

Der Pariser Rechtsprofessor Dominique Rousseau meint, dass die Schweigsamkeit wenig hilfreich war. „Falls Emmanuel Macron von Anfang der Affäre an das gesagt hätte, was er vor den Parlamentariern von La République En Marche erklärt hat, dann hätte es diese mediale Aufregung nicht gegeben“, sagte der Verfassungsexperte der Deutschen Presse-Agentur in Paris.

Macron habe „einfache Dinge“ gesagt, so der Jurist: „Benalla war sein Leibwächter im Wahlkampf, er war effizient und wurde deshalb später im Élysée eingestellt. Bei der Demonstration vom 1. Mai hat er einen Fehler gemacht - dieser Fehler war, wie Macron gesagt hat, eine Enttäuschung und ein Verrat.“


Benalla begleitete Macron als Sicherheitsbeamter - hier im renommierten Ferienort Le Touquet.
Ex-Sicherheitsmann Macrons sieht Kampagne gegen den Präsidenten
Der mutmaßlich gewalttätige Ex-Sicherheitsmitarbeiter von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sieht in der Aufregung um seine Person eine Kampagne gegen den Staatschef.

In der von Charles de Gaulle 1958 gegründeten Fünften Republik habe es unter allen Präsidenten Skandale gegeben, beispielsweise die Versenkung des Greenpeace-Schiffes „Rainbow Warrior“ unter François Mitterrand 1985. „Niemals haben diese Skandale zum Rücktritt eines Präsidenten geführt“, resümiert Rousseau.

Frankreichs Verfassung schützt den Staatschef - dieser ist vor dem Volk verantwortlich, die Regierung hingegen vor dem Parlament. Wann stellt sich der Präsident der Kontrolle des Volkes? Bei den Wahlen. „Falls das Volk die Arbeit, die er gemacht hat, schätzt, wird er wiedergewählt. Falls es nicht zufrieden ist, wird der Präsident abgewählt“, bilanziert Rousseau. So sei es zuletzt dem Konservativen Nicolas Sarkozy vor sechs Jahren ergangen.


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 / AFP PHOTO / Lionel BONAVENTURE