Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Blutige Unruhen in Kiew: "Krieg gegen das eigene Volk"
International 4 Min. 19.02.2014 Aus unserem online-Archiv

Blutige Unruhen in Kiew: "Krieg gegen das eigene Volk"

Die Lage spitzte sich seit Dienstag zu.

Blutige Unruhen in Kiew: "Krieg gegen das eigene Volk"

Die Lage spitzte sich seit Dienstag zu.
Foto: AFP
International 4 Min. 19.02.2014 Aus unserem online-Archiv

Blutige Unruhen in Kiew: "Krieg gegen das eigene Volk"

Schwere Unruhen haben seit Dienstag in der ukrainischen Hauptstadt mehr als 25 Todesopfer gefordert, mehr als 1000 Menschen wurden verletzt. Politiker aus aller Welt reagieren auf die Krise in Kiew. Die EU will rasch Sanktionen beschließen.

(dpa) - Schwere Unruhen haben seit Dienstag in der ukrainischen Hauptstadt mehr als 25 Todesopfer gefordert, mehr als 1000 Menschen wurden verletzt. Politiker aus aller Welt reagieren auf die Krise in Kiew. Die EU-Außenminister wollen auf einer Sondersitzung am Donnerstag "restriktive Maßnahmen" gegen das ukrainische Regime beschließen.

    • Die ukrainische Regierung hat die internationale Gemeinschaft zu „maximaler Objektivität“ bei der Einschätzung der schweren Krise im Land aufgefordert. Die „Partner“ sollten ihr Urteil allein auf Basis „verlässlicher und bewiesener Fakten“ fällen, forderte das Außenministerium in Kiew am Mittwoch. Die Opposition habe die Demonstranten zum bewaffneten Kampf aufgerufen.
    • Papst Franziskus hat zu einem Ende der Gewalt sowie Einigkeit und Frieden in der Ukraine aufgerufen. „Mit Besorgnis verfolge ich, was in diesen Tagen in Kiew passiert“, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche am Mittwoch bei der wöchentlichen Generalaudienz auf dem Petersplatz in Rom. „Ich versichere dem ukrainischen Volk meine Nähe und ich bete für die Opfer der Gewalt, für ihre Familien und die Verletzten.“

    • Ukrainische Kirchen haben das gewaltsame Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen Regierungsgegner in der Hauptstadt Kiew scharf verurteilt. Der orthodoxe Kiewer Patriarch Filaret betonte am Dienstagabend, Gott kenne alle, die "verbrecherische Befehle" gegeben hätten. "Gott wird das Böse bestrafen; niemand wird der Strafe entgehen."

    • Kremlchef Wladimir Putin hat „Extremisten“ in der Ukraine für die tödlichen Straßenschlachten in Kiew verantwortlich gemacht. Der russische Präsident verurteile die Gewalt scharf und betrachte die Vorgänge als versuchten Staatsstreich, sagte Putins Sprecher Dmitri Peskow am Mittwoch nach Angaben russischer Agenturen. Putin habe in der Nacht mit seinem ukrainischen Kollegen Viktor Janukowitsch telefoniert.

    • Der tschechische Präsident Milos Zeman hat die Gewalt in der Ukraine als unannehmbar verurteilt. „Ich bestehe darauf, dass vorgezogene Parlaments- und Präsidentenwahlen in dieser Situation die beste Lösung wären“, sagte Zeman am Mittwoch der tschechischen Nachrichtenagentur CTK. Die hohe Zahl der Toten in Kiew untermauere diese Ansicht. Der 69-Jährige plädierte für „Stimmzettel statt Kugeln“.

    • EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso erwartet Sanktionen der Europäischen Union gegen die politische Führung der Ukraine. „Wir haben deutlich gemacht, dass die EU auf jede Verschlechterung der Lage reagieren wird“, heißt es in einer am Mittwoch in Brüssel veröffentlichten Erklärung Barrosos.
    • Die Außenminister der Europäischen Union werden am Donnerstag bei einer Sondersitzung in Brüssel Sanktionen gegen die politische Führung der Ukraine beschließen. Man prüfe "alle Optionen", teilte die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton am Mittwoch mit.
    • Am Mittwoch waren bereits die Botschafter der 28 EU-Regierungen zu einer Sondersitzung in Brüssel zusammengekommen. Dabei ging es laut Ashton auch um die Vorbereitung von „restriktiven Maßnahmen gegen die Verantwortlichen für Unterdrückung und Menschenrechtsverletzungen“. Die EU prüfe „alle Optionen“ der Reaktion auf das Blutvergießen.
    • Die Eskalation der Gewalt zwischen Regierung und Opposition in der Ukraine macht sich auch am Finanzmarkt des Landes bemerkbar. Versicherungen gegen einen Ausfall ukrainischer Staatsanleihen (Credit Default Swaps) verteuerten sich am Mittwoch sprunghaft. Auch die Zinsen, die Investoren dafür verlangen, dem ukrainischen Staat Geld zu leihen, legten deutlich zu.
    • Der ehemalige polnische Präsident und Ukraine-Vermittler Aleksander Kwasniewski hält nach dem blutigen Sicherheitseinsatz in Kiew EU-Sanktionen gegen die Ukraine für nötig. „In gewissem Sinn ist der Maidan der ukrainische Tiananmen“, sagte er am Mittwoch im polnischen Rundfunksender RMF in Anspielung auf die Niederschlagung der chinesischen Studentenproteste in Peking 1989.

    • Die ukrainische Sängerin und Maidan-Aktivistin Ruslana bezeichnete Janukowitsch als den Alleinverantwortlichen für die derzeitige Krise in der Ukraine. „Derzeit gibt es wirklich Terror auf den Straßen Kiews“, sagte sie am Mittwochvormittag in Brüssel. „Das ist ein Krieg von Janukowitsch gegen seine Bevölkerung.“ An die EU gerichtet meinte sie: „Haben Sie keine Angst vor dem Verhängen von Sanktionen.“

    Eine Beruhigung ist vorerst nicht in Sicht: Gespräche zwischen dem ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch und dem Oppositionspolitiker Vitali Klitschko haben in der Nacht zum Mittwoch kein Ergebnis gebracht. Wie die russische Nachrichtenagentur Itar-Tass berichtete, machte Klitschko nach dem Treffen klar, die Verhandlungen über eine Normalisierung der Lage im Lande seien gescheitert. Klitschko warf Janukowitsch vor, die Situation falsch einzuschätzen.


      Lesen Sie mehr zu diesem Thema

      Ukraine-Konflikt: Merkel und Hollande für Sanktionen
      Deutschland und Frankreich treten nach der brutalen Gewalt in der Ukraine gemeinsam für Sanktionen gegen die Verursacher ein. Dies teilten  Frankreichs Präsident François Hollande  und  Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwoch in Paris bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit.
      Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident François Hollande sprechen sich für Sanktionen gegen die Ukraine aus.