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Blut und Frieden
International 3 Min. 03.09.2019

Blut und Frieden

Bilder wie diese gehören im Afghanistan zur Normalität. Immer wieder kommt es zu terroristischen Anschlägen, welche den Friedensprozess ausbremsen.

Blut und Frieden

Bilder wie diese gehören im Afghanistan zur Normalität. Immer wieder kommt es zu terroristischen Anschlägen, welche den Friedensprozess ausbremsen.
Foto: AFP
International 3 Min. 03.09.2019

Blut und Frieden

Die USA und die Taliban haben sich auf ein Friedensabkommen geeinigt. Doch kaum wurden erste Details offiziell bekannt gegeben, töteten die Aufständischen bei einem Bombenanschlag auf einen Wohnkomplex für Ausländer in Kabul mindestens 16 Menschen und verletzten über 100.

 Von LW-Korrespondent Agnes Tandler (Dubai/Kabul)

 “Es war eine schreckliche Explosion”, sagte Wali Jan, ein Anwohner dem afghanischen Fernsehen. Schwarze Rauchsäulen stiegen am Dienstag im Osten Kabuls in den Himmel auf.“Green Village”, der größte Wohnanlage für Ausländer in Afghanistan, ging in Flammen auf. Kaum hatte der US-Sondergesandte Zalmay Khalilzad die Einigung über ein Friedensabkommen zwischen den USA und den Taliban in einem Interview bekannt gegeben, bombardierten die Islamisten den Green Village-Komplex in der afghanischen Hauptstadt und stürmten die Anlage, in der zahlreiche internationale Organisationen untergebracht sind. 

Nach Angaben des Innenministeriums starben mindestens 16 Menschen, um die 120 wurden verletzt. Andere Quellen gehen von mindestens 40 Toten aus. Um die 400 Ausländer sollen in Sicherheit gebracht worden sein.

Taliban verteidigen Anschlag

Taliban-Sprecher Zabihullah Mujahid verteidigte den Bombenanschlag. “Wir wissen, dass es Friedensverhandlungen gibt”, aber die andere Seite müsse auch verstehen, “dass wir nicht schwach sind”. Laut Angaben von US-Verhandlungsleiters Khalilzad will Amerika in den kommenden fünf Monaten rund 5.000 amerikanische Soldaten vom Hindukusch abziehen. Im Gegenzug sollen die Taliban ihre Angriffe verringern und Terrororganisationen wie Al Qaida keinen Schutz bieten.

Khalilzad erklärte, das Abkommen stehe "im Prinzip", aber US-Präsident Donald Trump müsse diesem aber noch zustimmen.

Hälfte des Landes unter Kontrolle der Aufständischen 

Seit die Friedensgespräche zwischen den USA und den Taliban in eine entscheidende Phase getreten ist, hat die Intensität der Kämpfe am Hindukusch zugenommen. Neben der nicht abreißenden Kette von Attentate auf Zivilisten, ist es den Taliban gelungen, weitere Gebiete in Afghanistan einzunehmen. Die Aufständischen kontrollieren inzwischen etwa die Hälfte des Landes. Am Wochenende griffen die Taliban Kundus und Puli Khumri, zwei Großstädte im Norden des Landes, an. Mindestens 35 Menschen starben. Um Puli Khumri dauerten die Kämpfe zwischen den Taliban und der afghanischen Armee auch am Dienstag an.

Neun Verhandlungsrunden haben die USA und die Taliban im Wüstenemirat Katar abgehalten, um den 18-jährigen Konflikt am Hindukusch zu beizulegen. Das nun fertige Abkommen gibt US-Präsident Trump die Chance, den Abzug der US-Truppen im Wahlkampf 2020 als seinen Erfolg zu verkaufen. Obwohl die offizielle NATO-Kampfmission schon im Dezember 2014 endetet, sind immer noch etwa 14.000 US-Truppen am Hindukusch stationiert, um die afghanische Armee zu trainieren, zu unterstützen und auch Anti-Terror-Operationen auszuführen.

Angst vor erneuter Schreckensherrschaft  

In Afghanistan hingegen wächst die Sorge, dass die nun gefundene Einigung, nur wenig Sicherheiten für die Bevölkerung bietet. Die afghanische Regierung war nicht in die Verhandlungen einbezogen. Die Taliban haben sich stets geweigert, die Regierung in Kabul mit in die Runde einzubeziehen. Laut Khalilzad sollen bald in Norwegen Gespräche zwischen Regierungsvertretern und den Taliban beginnen. Doch dies alles trägt nicht zur Beruhigung bei. Viele Afghanen befürchten, dass die islamischen Aufständischen, deren Regime 2001 gestürzt wurde, nun zurück an die Macht kommen werden. Für Skepsis sorgt auch, dass die USA den Vertragsentwurf noch nicht öffentlich gemacht haben. Sediq Sediqqi, der Sprecher des afghanischen Präsidenten Ashraf Ghani, erklärte, der Präsident habe den Vertrag "gesehen" und "wichtige Details" seien ihm erläutert worden. Ein wirklicher Erfolg könne das Abkommen aber erst sein, wenn die Taliban in Verhandlungen mit der afghanischen Regierung treten würden und es einen Waffenstillstand gebe, sagte der Sediqqi. 

Amerika baut derweil auf eine Kooperation der Taliban, doch schon in der Vergangenheit haben sich die Islamisten nicht gerade als zuverlässige Vertragspartner gezeigt. Der jüngste, blutige Anschlag der Aufständischen auf den Wohnkomplex in Kabul ist sicher keine Friedenszeichen.  


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