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Bistum Köln von Missbrauchsgutachten erschüttert
International 18.03.2021 Aus unserem online-Archiv

Bistum Köln von Missbrauchsgutachten erschüttert

Die Strafrechtler Björn Gehrcke und Kerstin Stirner überreichen Kardinal Woelki (l.) das Dokument.

Bistum Köln von Missbrauchsgutachten erschüttert

Die Strafrechtler Björn Gehrcke und Kerstin Stirner überreichen Kardinal Woelki (l.) das Dokument.
AFP
International 18.03.2021 Aus unserem online-Archiv

Bistum Köln von Missbrauchsgutachten erschüttert

Der Kölner Weihbischof und frühere Generalvikar Dominikus Schwaderlapp (53) bot Papst Franziskus am Donnerstag seinen Rücktritt an.

(KNA) - Der Kölner Weihbischof und frühere Generalvikar Dominikus Schwaderlapp (53) bot Papst Franziskus am Donnerstag seinen Rücktritt an. „Die Untersuchung hält ernste Versäumnisse fest, die ich zu verantworten habe“, erklärte Schwaderlapp in einer persönlichen Stellungnahme. Zuvor hatte Kardinal Rainer Maria Woelki den Weihbischof sowie den Kölner Kirchenrichter Günter Assenmacher (69) vorläufig von ihren Aufgaben entbunden.

Während Woelki selbst laut der Studie keine Vorwürfe treffen, belastet sie auch den Hamburger Erzbischof Stefan Heße (54). Dem früheren Kölner Personalchef und Generalvikar attestieren die Gutachter elf Pflichtverletzungen in neun Aktenvorgängen - gemessen am staatlichen und kirchlichen Recht sowie am kirchlichen Selbstverständnis.

Dominikus Schwaderlapp, Weihbischof in Köln hat seinen Rücktritt angeboten.
Dominikus Schwaderlapp, Weihbischof in Köln hat seinen Rücktritt angeboten.
Foto: DPA

Weiter wird dem früheren Kölner Generalvikar Norbert Feldhoff (81) sowie den bereits verstorbenen Erzbischöfen Joseph Höffner (1906-1987) und Joachim Meisner (1933-2017) Fehlverhalten bescheinigt. In keinem einzigen Fall attestierten die Gutachter den Verantwortlichen Strafvereitelung im strafrechtlichen Sinn.

75 Pflichtverletzungen

Es wurden laut Aktenlage - insgesamt 75 Pflichtverletzungen von acht lebenden und verstorbenen Verantwortlichen von 1975 bis 2018 ausgemacht. Es gab Übergriffe und Grenzverletzungen von insgesamt 202 Beschuldigten, davon knapp zwei Drittel Kleriker. Die Zahl der Opfer beläuft sich auf 314, darunter 178 männliche und 119 weibliche. Bei 17 Opfern gab es keine Angabe zum Geschlecht.


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Die Strafrechtler Björn Gehrcke und Kerstin Stirner bescheinigten den Verantwortlichen eine große Rechtsunkenntnis und eine desaströse Aktenlage. Wenn Vorschriften geheim seien, sei Rechtsunkenntnis die logische Folge. Der Schutz der Institution Kirche habe im Vordergrund gestanden. Bei Verfehlungen von Laien habe es dagegen kein Fehlverhalten gegeben; es habe rasche Kündigungen gegeben.

Zweite Ausarbeitung

Das Gutachten hatte Woelki erst im Oktober vergangenen Jahres in Auftrag gegeben. Es handelt sich um die zweite Ausarbeitung für das Erzbistum - ein erstes Gutachten der Münchner Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW) wurde zunächst nicht wie vorgesehen veröffentlicht, weil Woelki es für mangelhaft hält. Kritiker warfen ihm deshalb mangelnden Aufklärungswillen vor.


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Woelki kannte den Inhalt des Gutachtens nach Angaben der Kanzlei bislang nicht. Er hat angekündigt, sich am Dienstag zu weiteren Konsequenzen zu äußern. Ab dem 25. März sollen Betroffene, Journalisten und weitere Interessierte Möglichkeit zur Lektüre des WSW-Gutachtens bekommen.    

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