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Biden will das Land einen - Trump will nicht aufgeben
International 3 1 4 Min. 08.11.2020 Aus unserem online-Archiv

Biden will das Land einen - Trump will nicht aufgeben

Biden will das Land einen - Trump will nicht aufgeben

Foto: AFP
International 3 1 4 Min. 08.11.2020 Aus unserem online-Archiv

Biden will das Land einen - Trump will nicht aufgeben

In seiner Siegesrede wirbt Joe Biden für ein Ende der Dämonisierung politischer Gegner. Besonders will er sich als Präsident um die Eindämmung der Corona-Pandemie bemühen. Doch Donald Trump will seinen Wahlsieg nicht anerkennen.

(dpa) - Der gewählte US-Präsident Joe Biden will auf die Anhänger des unterlegenen Amtsinhabers Donald Trump zugehen und sich entschlossen für die Eindämmung der Coronavirus-Pandemie einsetzen. „Ich verspreche, ein Präsident zu sein, der danach strebt, nicht zu spalten, sondern zu einen“, sagte Biden am Samstagabend (Ortszeit) in seiner Siegesrede in seinem Wohnort Wilmington im Bundesstaat Delaware. Trumps Anhänger bat er, ihm eine Chance zu geben, um gemeinsam für ein besseres Amerika zu arbeiten.

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Er sei als Demokrat gewählt worden, aber er werde der Präsident des ganzen Landes sein und „genauso hart für alle arbeiten, die mich nicht gewählt haben“, versprach Biden (77). „Es ist Zeit, die harsche Rhetorik beiseite zu legen“, forderte Biden. „Geben wir uns gegenseitig eine Chance“, sagte er. „Lasst uns diese düstere Ära der Dämonisierung hier und jetzt zu Ende gehen lassen“, sagte Biden. Seine Aussagen ließen sich als deutliche Kritik an Trumps aggressivem Stil verstehen - obwohl Biden sich nicht direkt zu dem Republikaner äußerte. Der Demokrat Biden war am Samstag von US-Medien im Rennen um das Weiße Haus zum Gewinner ausgerufen worden.

Zurück zum weltweiten Respekt

Seine Regierung werde die „Seele Amerikas“ wiederherstellen und die USA wieder zu einem weltweit respektierten Land machen, versprach Biden. Zudem kündigte er an, schon am Montag einen Expertenrat zur Eindämmung der Corona-Pandemie vorstellen zu wollen. Er werde im Kampf gegen das Virus keine Mühe scheuen. Die „führenden Wissenschaftler und Experten“ würden ihm helfen, einen „Aktionsplan“ zu entwickeln, der schon ab dem Tag seiner Amtseinführung am 20. Januar umgesetzt werden könne, sagte Biden. Mit der Ankündigung in seiner Siegesrede, die sonst eher allgemein blieb, unterstrich Biden die Bedeutung des Kampfes gegen die Pandemie für seine Amtszeit.

Als unsere Demokratie selbst auf dem Wahlzettel stand, die Seele Amerikas auf dem Spiel stand und die Welt zuschaute, habt ihr einen neuen Tag für Amerika eingeläutet. 

Kamala Harris

Die gewählte Vizepräsidentin Kamala Harris sprach in ihrer Siegesrede von einer Zeitenwende. „Als unsere Demokratie selbst auf dem Wahlzettel stand, die Seele Amerikas auf dem Spiel stand und die Welt zuschaute, habt ihr einen neuen Tag für Amerika eingeläutet“, sagte Harris. Die Amerikaner hätten sich mit der Wahl Bidens für Hoffnung, Einheit, Wissenschaft und Wahrheit entschieden, sagte Harris. Die 56-Jährige würde die erste Frau und Schwarze im Vizepräsidentenamt. Harris sagte: „Auch wenn ich die erste Frau in diesem Amt sein mag, werde ich nicht die letzte sein. Denn jedes kleine Mädchen, das heute Nacht zuschaut, sieht, dass dies ein Land der Möglichkeiten ist.“

Kamala Harris auf dem Weg zum Rednerpult.
Kamala Harris auf dem Weg zum Rednerpult.
Foto: AFP

Trump trotzt

Bidens Erfolg im Schlüsselstaat Pennsylvania besiegelte am Samstag Trumps Abwahl nach einer Amtszeit als Präsident. Biden kam am Ende einer tagelangen Zitterpartie über die Marke von 270 Wahlleuten, die für einen Erfolg erforderlich waren. Trump wiederum erkannte Bidens Sieg nicht an und erklärte: „Die einfache Tatsache ist, dass diese Wahl noch lange nicht vorbei ist.“


(FILES) In this file photo taken on November 05, 2020, US President Donald Trump speaks in the Brady Briefing Room at the White House in Washington, DC. - Trump's campaign said on November 6, 2020, that "this election is not over" as his challenger Joe Biden edged closer to victory in the cliffhanger White House race. The statement came after Biden overcame the president's lead in the key battleground state of Pennsylvania, putting him in position to win its 20 electoral votes. (Photo by Brendan Smialowski / AFP)
Historiker Tom Holland: "Trump kommt Nero am nächsten"
Bestseller-Autor Tom Holland beschreibt in seinen Büchern Imperien und Epochenbrüche. Im Interview mit dem "Luxemburger Wort" deutet er die US-Wahl in einer historischen Perspektive.

Trump stellt sich als Opfer systematischen Wahlbetrugs dar, ohne dafür stichhaltige Beweise vorzulegen. Er sieht sich als legitimer Sieger der Wahl. Mit Hilfe seiner Anwälte will Trump seine Niederlage noch abwenden. Die Erfolgsaussichten gelten aber als extrem gering. Anders als üblich verzichtete Trump daher auch darauf, den Gewinner anzurufen und seine Niederlage einzugestehen.

In den USA ist es selten, dass ein Präsident nach nur einer Amtszeit abgewählt wird. Zuletzt war das bei George Bush senior der Fall, der die Wahl 1992 verlor. Einfach dürfte es für Biden als Präsident nicht werden. „Die Wahlergebnisse zeigen auf jeder Ebene, dass das Land nach wie vor tief und bitter gespalten ist“, erklärte Ex-Präsident Obama, der bei allen Amerikanern für die Unterstützung Bidens warb. Mehr als 70 Millionen Wähler hatten Trump ihre Stimme gegeben.

Festtagsstimmung in New York und Washington

Die Nachricht von Bidens und Harris' Wahlsieg löste auf den Straßen New Yorks, Washingtons, Philadelphias und anderer Großstädte des Landes Jubel und Hupkonzerte aus. An der Nordseite des Weißen Hauses feierten im Laufe des Tages Tausende ausgelassen Bidens Wahlsieg.

Mit Bidens Durchbruch in Pennsylvania ging ein Wahlkrimi zu Ende, wie ihn die USA in dieser Form noch nie erlebt hatten. Der Nachrichtensender CNN war am Samstag als erster kurz vor 17.30 Uhr deutscher Zeit mit dem Sieg Bidens auf Sendung gegangen - vier Tage nach der Wahl. Kurz darauf folgte dann auch die Nachrichtenagentur AP und die anderen Sender, inklusive Trumps Lieblingskanal Fox News.

Die Auszählung der Stimmen dauerte unterdessen in mehreren Bundesstaaten noch an. In Georgia, Nevada, Arizona, North Carolina und Alaska gab es noch keinen Gewinner. Die ersten drei Staaten dürften relativ sicher an Biden gehen, die letzteren an Trump.


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Der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden hat bei der US-Wahl nach übereinstimmenden Prognosen von Medien im Schlüsselstaat Pennsylvania gesiegt. Dies bedeutet den Sieg bei der Präsidentschaftswahl.
(FILES) In this file photo taken early on November 4, 2020 Democratic presidential nominee Joe Biden gestures after speaking during election night at the Chase Center in Wilmington, Delaware. - Joe Biden has won the US presidency over Donald Trump, TV networks projected on November 7, 2020, a victory sealed after the Democrat claimed several key battleground states won by the Republican incumbent in 2016. CNN, NBC News and CBS News called the race in his favor, after projecting he had won the decisive state of Pennsylvania. His running mate, US Senator Kamala Harris, has become the first woman US Vice President elected to the office. (Photo by ANGELA  WEISS / AFP)
Alle wichtigen Infos und Ergebnisse zur Präsidenschafts- und Kongresswahl 2020 in den USA, zusammengefasst in interaktiven Infografiken.
(COMBO) This combination of file pictures created on September 29, 2020 shows US President Donald Trump (L) and Democratic Presidential candidate former Vice President Joe Biden squaring off during the first presidential debate at the Case Western Reserve University and Cleveland Clinic in Cleveland, Ohio. - Trump, who is still being treated for Covid-19, said on October 8, 2020, he will refuse to take part in the presidential debate on October 15 after it was switched to a virtual format. "I'm not going to do a virtual debate," he told Fox Business News, saying this was "not acceptable to us." (Photos by JIM WATSON and SAUL LOEB / AFP)