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Bewährungsstrafen für Familie: Tochter beim IS mit Geld unterstützt
International 27.11.2019 Aus unserem online-Archiv

Bewährungsstrafen für Familie: Tochter beim IS mit Geld unterstützt

Der Haupteingang zum Strafjustizgebäude. Am 27.11.2019 wird voraussichtlich das Urteil im Prozess gegen vier Männer wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung im Ausland verkündet.

Bewährungsstrafen für Familie: Tochter beim IS mit Geld unterstützt

Der Haupteingang zum Strafjustizgebäude. Am 27.11.2019 wird voraussichtlich das Urteil im Prozess gegen vier Männer wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung im Ausland verkündet.
Foto: Christian Charisius/dpa
International 27.11.2019 Aus unserem online-Archiv

Bewährungsstrafen für Familie: Tochter beim IS mit Geld unterstützt

Die Staatsanwaltschaft forderte für drei der vier Angeklagten Haftstrafen. Am Ende entschied sich der vorsitzende Richter trotzdem für Bewährungsstrafen.

(dpa/SC) - Wegen Unterstützung der Terrormiliz Islamischer Staat hat das Oberlandesgericht im norddeutschen Hamburg vier Mitglieder einer Familie zu Bewährungsstrafen verurteilt. Damit fiel das Urteil am Mittwoch viel milder aus als von der Generalstaatsanwaltschaft gefordert.

Die türkischstämmigen Eltern (55 und 54), ein Bruder (32) und eine Schwester (30) aus Neumünster im Land Schleswig-Holstein hätten gewusst, dass die jüngste Tochter der Familie IS-Mitglied war und hätten ihr im März 2016 trotzdem mehr als 27.000 Euro über Mittelsmänner geschickt. Das erklärte der Vorsitzende des Staatsschutzsenats, Norbert Sakuth.


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Wie aus einem Antrag der Verteidigung hervorging, lebt die 1993 geborene Tochter zurzeit in einem nordsyrischen Lager. Alle Angeklagten seien reuig und lehnten den IS ab, hieß es. Das Geld sei lediglich für den Lebensunterhalt der jüngsten Tochter gedacht gewesen, so die vier Angeklagten vor Gericht. Laut Gericht sei die Tochter eine "glühende Verfechterin" der Terrormiliz und habe ihre Familie mehrmals aus Syrien kontaktiert.

Der Richter in dem Fall teilte die Ansicht der Verteidigung, die Angeklagten hätten aus familiärer Verbundenheit gehandelt. Überzeugungstäter seien sie nicht, so der vorsitzende Richter. Trotzdem war das Gericht der Ansicht, dass die Familie gewusst haben muss, dass zumindest ein Teil des Geldes der Terrororganisation zugutekommen würde.

Der Vater bekam eine Bewährungsstrafe von neun Monaten, Mutter und Sohn erhielten jeweils ein Jahr und drei Monate. Die noch in Deutschland lebende Tochter erhielt die längste Strafe: Sie wurde zu einem Jahr und sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

Die Staatsanwaltschaft hatte vor dem Urteil härtere Strafen gefordert: Dreieinhalb Jahre Haft für den Bruder, für die Schwester drei Jahre. Die Mutter sollte für zwei Jahre und neun Monate ins Gefängnis. Allein der Vater, der den Angaben zufolge am wenigsten in die Unterstützung der Tochter involviert gewesen war, sollte mit einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren Haft davonkommen.

Laut Staatsanwaltschaft ist die jüngste Tochter der Familie 2016 nach Syrien ausgereist, wo sie sich der Terrormiliz in der IS-Hochburg Rakka angeschlossen hat.


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