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Betrunkener Fahrer tötet sieben Menschen in Südtirol
International 3 4 Min. 06.01.2020 Aus unserem online-Archiv

Betrunkener Fahrer tötet sieben Menschen in Südtirol

Blumen, Kerzen und Gedenkschmuck liegen am Ort des Unfalls. Ein Auto war in eine Gruppe Urlauber gefahren und hat dabei sechs Menschen getötet.

Betrunkener Fahrer tötet sieben Menschen in Südtirol

Blumen, Kerzen und Gedenkschmuck liegen am Ort des Unfalls. Ein Auto war in eine Gruppe Urlauber gefahren und hat dabei sechs Menschen getötet.
Foto: dpa
International 3 4 Min. 06.01.2020 Aus unserem online-Archiv

Betrunkener Fahrer tötet sieben Menschen in Südtirol

Sie waren in den Skiferien und kamen von der Disco zurück. Da rammt ein Autofahrer eine Gruppe junger deutscher Touristen in Südtirol. Es gibt viele Tote. Der Fahrer raste mit fast 2 Promille durch die Nacht.

(dpa) - Polizei und Staatsanwaltschaft in Südtirol ermitteln weiter zu den genauen Umständen der tödlichen Alkoholfahrt im Wintersportort Luttach. Dort war ein 27-Jähriger in der Nacht zu Sonntag in eine Gruppe junger deutscher Skiurlauber gerast und hatte sechs von ihnen getötet. Eine der verletzten Personen - eine Frau aus Deutschland - starb am Montag im Krankenhaus in Österreich. Damit erhöhte sich die Zahl der Todesopfer auf sieben. Außerdem wurden zehn Menschen aus der Urlaubergruppe verletzt, drei davon schwer. 

Da der Dreikönigstag in Italien ein Feiertag ist, dürfte es zu den Untersuchungen zum Hergang vermutlich erst am Dienstag mehr Neuigkeiten geben, sagte ein Sprecher. In italienischen Medien wurde weiter über eine stark erhöhte Geschwindigkeit des Fahrers aus der Region spekuliert. An der Stelle sind 50 Kilometer pro Stunde erlaubt.

Zwei Einsatzkräfte der Carabinieri rekonstruieren den Unfallhergang, während Teilnehmer einer Reisegruppe zusehen. Blumen, Kerzen und Gedenkschmuck liegen am Ort des Unfalls.
Zwei Einsatzkräfte der Carabinieri rekonstruieren den Unfallhergang, während Teilnehmer einer Reisegruppe zusehen. Blumen, Kerzen und Gedenkschmuck liegen am Ort des Unfalls.
Foto: Lino Mirgeler/dpa

Der 27-Jährige, der ebenfalls ins Krankenhaus kam, hatte nach Angaben der Behörden einen Alkoholwert von mehr als 1,9 Promille. Nach dem Unfall gab es viele Trauerbekundungen in Deutschland und Italien, auch von Kanzlerin Angela Merkel und Italiens Regierungschef Giuseppe Conte. In Luttach kamen bis zum späten Sonntagabend Menschen an den Unglücksort und stellten Grablichter auf.

Die Urlauber im Alter um die 20 Jahre seien in der Nacht zu Sonntag in Luttach noch am Unfallort gestorben, bestätigten Polizei und Feuerwehr. Von den elf Verletzten seien vier schwer verletzt, ein Mensch kämpfte ums Überleben. Vier Tote stammten aus Nordrhein-Westfalen, einer wohnte in Hamburg und der andere in Niedersachsen.

Unter den Verletzten sind auch zwei Südtiroler, die übrigen stammen aus Deutschland. Der Fahrer des PS-starken Sportwagens war stark betrunken, als er die Touristen tötete. Ein Polizeisprecher in Bozen sagte der dpa, ein erster Test habe mehr als 1,9 Promille ergeben. Das habe auch ein Bluttest bestätigt. Der Mann, ein 27 Jahre alter Mann aus der Region, sei in ein Krankenhaus gekommen und werde auch auf Drogen untersucht. Der Fahrer wurde festgenommen. Ihm wird unter anderem mehrfache Tötung im Straßenverkehr vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Ihm drohen zwischen acht und zwölf Jahren Haft.

Auf dem Heimweg

Die Gruppe war in den Skiferien und in dem Wintersportort auf dem Heimweg von einem Discobesuch. Gegen 1.15 Uhr nachts stiegen die jungen Leute aus einem Shuttlebus und überquerten die Hauptstraße, wie ein Augenzeuge der Deutschen Presse-Agentur erzählte. Das Auto sei viel zu schnell unterwegs gewesen.

Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Luttach sichern eine Unfallstelle.
Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Luttach sichern eine Unfallstelle.
Foto: Freiwillige Feuerwehr Luttach

Die Unterkunft der Opfer lag ganz in der Nähe der Unfallstelle. Die Ermittler gehen von einem Unfall und nicht von einer absichtlichen Tat aus. Die Toten müssen noch abschließend identifiziert werden. Die meisten Opfer kamen aus Nordrhein-Westfalen, wie der Deutsche Ministerpräsident Armin Laschet bekannt gab.

„Dieses schreckliche Unglück macht mich fassungslos und unendlich traurig“, schrieb er auf Twitter. „Dieser Tag ist ein trauriger Tag für unser ganzes Land.“ Die jungen Menschen „wollten gemeinsam eine gute Zeit erleben - und wurden von einer Sekunde auf die andere aus dem Leben gerissen oder schwer verletzt.“

Identifizierung schwierig

Der Polizeisprecher sagte der dpa, ein Opfer käme aus Köln, ein weiteres aus Remscheid. Die Identifizierung sei schwierig, weil die Angehörigen der Gruppe sich untereinander nicht gekannt und einige keine Ausweise dabei gehabt hätten. Drei Männer und drei Frauen seien gestorben. Die Angehörigen seien auf dem Weg nach Italien. Laut Polizei waren die Toten 19, 20 und 22 Jahre alt. Die Feuerwehr gab das Alter zwischen 20 und 25 an.

Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte über ihren Sprecher: „Ein fröhlicher Abend, der in der Katastrophe endet. Ich trauere mit allen, die dort heute Nacht Kinder, Geschwister, Freunde verloren haben. Den Verletzten wünsche ich Kraft und baldige Genesung.“

Zwei Einsatzkräfte der Carabinieri rekonstruieren den Unfallhergang. Blumen, Kerzen und Gedenkschmuck liegen am Ort des Unfalls.
Zwei Einsatzkräfte der Carabinieri rekonstruieren den Unfallhergang. Blumen, Kerzen und Gedenkschmuck liegen am Ort des Unfalls.
Foto: dpa

Von den vier Schwerverletzten mussten nach Angaben der Feuerwehr drei vor Ort intubiert werden: Eine Frau kam ins Krankenhaus Bruneck, ein Mann ins Regionalkrankenhaus Bozen und eine schwerstverletzte Frau und ein schwerstverletzter Mann in die Universitätsklinik Innsbruck.

Ermittlungen laufen

Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln nun auch, ob der Fahrer zu schnell unterwegs war. In Luttach gab es nach dpa-Informationen aus dem Ort seit längerem Klagen über Autos, die auf der Hauptstraße rasen und über mangelnde Kontrollen.

Ein Sprecher der Feuerwehr in Luttach sagte, 160 Einsatzkräfte seien vor Ort gewesen. Helmut Abfalterer von der Feuerwehr schilderte der „Tageszeitung Online“ schlimme Szenen: „Es hat ausgesehen wie auf einem Schlachtfeld.“

Die Bar "Hexenkessel" ist nach dem Tag des Unfalls geschlossen, mit einer Notiz an der Eingangstür. Ein Auto war in eine Gruppe Urlauber gefahren, die vom Feiern kamen, und hat dabei sechs Menschen getötet.
Die Bar "Hexenkessel" ist nach dem Tag des Unfalls geschlossen, mit einer Notiz an der Eingangstür. Ein Auto war in eine Gruppe Urlauber gefahren, die vom Feiern kamen, und hat dabei sechs Menschen getötet.
Foto: Lino Mirgeler/dpa

Die Gegend liegt in Italien an der österreichischen Grenze und ist als Ski- und Wintersportgebiet bekannt. Luttach ist ein Dorf der Gemeinde Ahrntal, das etwas mehr als 1.000 Einwohner hat. Es liegt in der Nähe von Bruneck. Der Ort ist bekannt bei deutschen Jugendgruppen, die zum Skifahren kommen.

In Südtirol kamen erst vor einer Woche mehrere Deutsche ums Leben: Am vergangenen Samstag verschüttete eine Lawine Skifahrer auf der Piste im Schnalstal. Eine Deutsche Mutter mit ihrer Tochter aus Thüringen und ein Mädchen aus NRW starben.