Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Ben Carson nennt Sklaven Einwanderer
International 1 2 Min. 07.03.2017 Aus unserem online-Archiv
Empörung über Sklaverei-Vergleich

Ben Carson nennt Sklaven Einwanderer

Ben Carson bei seiner Antrittsrede vor den Mitarbeitern seines Ministeriums.
Empörung über Sklaverei-Vergleich

Ben Carson nennt Sklaven Einwanderer

Ben Carson bei seiner Antrittsrede vor den Mitarbeitern seines Ministeriums.
Foto: REUTERS
International 1 2 Min. 07.03.2017 Aus unserem online-Archiv
Empörung über Sklaverei-Vergleich

Ben Carson nennt Sklaven Einwanderer

Tom RÜDELL
Tom RÜDELL
Der neue US-Minister für Wohnungsbau ist - nicht zum ersten Mal - verbal entgleist. In einer Rede vor Mitarbeitern bezeichnete er afrikanische Sklaven als "Einwanderer, die einen Traum hatten".

(tom/AFP) - Wieder einmal hat sich ein Mitglied aus Donald Trumps Kabinett im Ton vergriffen und in den USA für Empörung gesorgt. Diesmal war es Ben Carson, der Minister für Wohnungsbau und Stadtentwicklung.

Bei seiner Antrittsrede vor den Mitarbeitern seines Ministeriums in Washington wollte der pensionierte Neurochirurg auf den "American Dream" hinaus. Amerika sei ein "Land der Träume und Möglichkeiten", auch für Einwanderer.

Carson forderte seine Mitarbeiter im für ihn typischen leisen und zurückhaltenden Tonfall auf, ins Einwanderungsmuseum auf Ellis Island zu gehen und sich dort die Portraits der Frauen und Männer anzusehen, die nach Amerika immigriert seien. Entschlossenheit sei in den Augen dieser Menschen zu sehen, die von überall her gekommen seien, "mit nichts als dem, was sie in ihren Händen tragen konnten" und "nicht fünf Tage die Woche, sondern sechs oder sieben Tage die Woche gearbeitet haben, nicht acht Stunden am Tag, sondern zehn, zwölf sechzehn Stunden". Das hätten sie getan, so Carson, um ihren Kindern in ihrer neuen Heimat eine Zukunft zu ermöglichen. 

Sklaven, die ihren Traum verfolgen?

Danach entgleiste Carsons Rede allerdings: Er setzte Sklaven mit Einwanderern gleich. Es habe auch "andere Einwanderer" gegeben, "die in den Laderäumen von Sklavenschiffen hierher kamen, die noch länger, noch härter gearbeitet haben, für noch weniger. Aber sie hatten auch einen Traum: Dass eines Tages ihre Söhne, Enkelinnen, Enkel, Urenkel, Urenkelinnen, in diesem Land nach Wohlstand und Glück streben können."

360 Videos werden hier nicht unterstützt. Wechseln Sie in die Youtube App, um das Video anzusehen.

Carson, das darf zum Verständnis nicht unerwähnt bleiben, ist schwarz und stammt aus ärmlichen Verhältnissen in Detroit.

Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Die North American Association for the Advancement of Colored People (NAACP), immerhin Amerikas größte Bürgerrechtsorganisation, twitterte ungläubig: "Einwanderer???"


Schauspieler Samuel L. Jackson, bekannt dafür, in dieser Frage kein Blatt vor den Mund zu nehmen, formulierte seine Kritik um einiges deutlicher und nannte Carson unter anderem einen "dickheaded Tom" - eine drastische Verschärfung der Beleidigung "Uncle Tom", die Schwarzen vorwirft, sich freiwillig weißen Autoritäten zu unterwerfen.


Carsons Behörde reagierte auf Twitter harsch. In direkt an CNN,  USA Today und die Huffington Post gerichteten Tweets schrieb das Ministerium: "Das ist eine extrem zynische Interpretation der Rede des Ministers vor einem Heer von Mitarbeitern, die ihn willkommen geheißen haben. Niemand glaubt doch ernsthaft, dass er freiwillige Einwanderung mit unfreiwilliger Knechtschaft gleichsetzt!"

Carsons Kontroversen

Es war allerdings nicht das erste Mal, dass Ben Carson kontroverse Statements äußerte. Der 65-jährige ist vor allem bekannt für seine streng religiöse Weltsicht. Als Angehöriger der Seventh-Day-Adventists folgt er zum Beispiel einer wörtlichen Auslegung des Buches Genesis.

Während seiner kurzen Kandidatur für die Nominierung der Republikaner zur Präsidentschaftswahl 2016  war er unter anderem mit der Behauptung aufgefallen, dass der Holocaust hätte verhindert werden können, wenn die Juden bewaffnet gewesen wären.

2013 nannte Carson die Gesundheitsreform der Obama-Regierung, den Affordable Care Act, "das Schlimmste, was in diesem Land seit der Sklaverei passiert ist".

Folgen Sie uns auf Facebook, Twitter und Instagram und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Gesetzesentwurf der Republikaner
Die Republikaner haben am Montag einen Entwurf vorgelegt, um die Gesundheitsreform von Präsident Obama rückgängig zu machen und durch ein neues System zu ersetzen. Das war eines der Wahlkampfversprechen von Donald Trump.
Die Republikaner wollen Obamacare anschaffen. Einige Grundzüge der Gesundheitsreform "Affordable Care Act" sollen aber bestehen bleiben.
Überarbeitete Version des "Muslim Ban"
US-Präsident Donald Trump hat eine überarbeitete Version seines Einreiseverbots für Menschen aus muslimischen Staaten unterzeichnet. Einschneidendste Änderung: Irakische Staatsbürger sind ausgenommen.
Die zweite Version soll es an den Richtern vorbei schaffen: Donald Trump hat am Montag erneut ein Einreiseverbot verabschiedet.