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Belgien vom Terror bedroht: Zwei Tote bei Polizeieinsatz in Verviers
International 15 1 3 Min. 16.01.2015

Belgien vom Terror bedroht: Zwei Tote bei Polizeieinsatz in Verviers

Neben Frankreich ist nun auch Belgien vom islamistischen Terror bedroht. Bei einem Schlag gegen Dschihadisten sterben im Osten des Landes zwei Verdächtige im Kugelhagel der Polizei.

(dpa) - Mit einem großangelegten Anti-Terror-Einsatz hat die belgische Polizei Anschlagspläne mutmaßlicher Dschihadisten vereitelt. Nach Angaben der Ermittler stand ein größerer Angriff in dem Nachbarland unmittelbar bevor.

Doch auch in Frankreich geht der Kampf gegen den Terrorismus weiter. So wurden in der Nacht auf Freitag bei fünf Hausdurchduchungen in Montrouge, Châtenay-Malabry, Epinay-sur-Seine, Fleury-Mérogis und Grigny zwölf Personen festgenommen und in Untersuchungshaft gebracht. Ihnen wird vorgeworfen, den "Charlie Hebdo" -Terroristen logistische Unterstützung gegeben zu haben.

Bei einem Großeinsatz gegen Terrorverdächtige hat auch die Berliner Polizei am Freitagmorgen zwei Männer festgenommen. Die beiden Türken stehen zusammen mit drei weiteren in Berlin lebenden Männern im Verdacht, eine schwere staatsgefährdende Gewalttat in Syrien vorbereitet zu haben, wie Staatsanwaltschaft und Polizei mitteilten. Sie hätten auch für die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) geworben. Anhaltspunkte für Anschlagsplanungen in Deutschland lägen nicht vor, sagte ein Polizeisprecher.

„Insbesondere Polizeikräfte waren das Ziel in Belgien“

Im Ostbelgischen Verviers wurden bei dem Einsatz zwei Terrorverdächtige bei einem Schusswechsel getötet, ein dritter überlebte. Er wurde bei dem Zugriff in Verviers am Donnerstag festgenommen und soll am Freitag einem Richter vorgeführt werden. Kein Polizist oder Anwohner wurde verletzt.

In diesem Video sind Schüsse und Schreie zu hören. Rauch steigt auf:

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Durchsuchungen gab es an zehn verschiedenen Stellen im Land, auch in Brüssel und Umgebung. Die Staatsanwaltschaft will sich am späten Vormittag (11.00 Uhr) in Brüssel zu weiteren Einzelheiten äußern.

„Insbesondere Polizeikräfte waren das Ziel in Belgien“, berichtete der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Eric van der Sypt, auf einer Pressekonferenz am Abend über die mutmaßlichen Pläne der Verdächtigen. Die Ermittler sprachen von einer Terrorzelle; einige ihrer Mitglieder seien aus Syrien heimgekehrt.

„Es gibt keine Verbindung zu dem, was in Paris passierte“

Die Terror-Warnstufe in dem Land wurde auf die zweithöchste Stufe angehoben. Aus Sicherheitsgründen soll laut belgischer Nachrichtenagentur Belga die wichtigste jüdische Schule in der Hauptstadt Brüssel am Freitag geschlossen bleiben.

Einen Zusammenhang mit den islamistischen Attentaten, die Frankreich vergangene Woche erschüttert hatten, sieht die Staatsanwaltschaft nicht. „Es gibt keine Verbindung zu dem, was in Paris passierte“, sagte van der Sypt. Ein hochrangiger belgischer Geheimdienstmitarbeiter sagte dem US-Sender CNN, man nehme an, dass die mutmaßliche Zelle Anweisungen von der in Syrien und im Irak aktiven Terrormiliz Islamischer Staat erhalten habe.

Auf Twitter veröffentlichten Augenzeugen Fotos vom Polizeieinsatz in Verviers:

Nachwehen und Beerdigung

Der Einsatz erfolgte nur wenige Tage nach der Terrorwelle in Frankreich. Am Freitag trifft US-Außenminister John Kerry in der französischen Hauptstadt Paris seinen Amtskollegen Laurent Fabius. Nach dem Anschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ wolle er die Zuneigung des amerikanischen Volkes für Frankreich zum Ausdruck bringen und „Paris fest umarmen“, kündigte Kerry an.

In den USA war kritisiert worden, dass an dem Solidaritätsmarsch am Sonntag Staats- und Regierungschefs aus aller Welt teilgenommen hatten, nicht jedoch US-Präsident Barack Obama oder ein anderes hochrangiges Regierungsmitglied.

In Pontoise bei Paris soll am Freitag zudem der Redaktionsleiter von „Charlie Hebdo“, Stéphane Charbonnier alias Charb, beigesetzt werden. Geplant ist eine Trauerfeier unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Bereits am Donnerstag waren zwei der beim Terroranschlag auf das Satireblatt getöteten Zeichner auf Pariser Friedhöfen beigesetzt worden. Die zentrale Trauerfeier für alle 17 Opfer der Terroranschläge wird für die kommende Woche vorbereitet.


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