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Belarus: Hunderte Festnahmen bei Protesten gegen Lukaschenko
International 2 Min. 15.11.2020 Aus unserem online-Archiv

Belarus: Hunderte Festnahmen bei Protesten gegen Lukaschenko

Am Sonntag gingen zahlreiche Menschen in Minsk auf die Straße, um gegen Machthaber Alexander Lukaschenko zu demonstrieren.

Belarus: Hunderte Festnahmen bei Protesten gegen Lukaschenko

Am Sonntag gingen zahlreiche Menschen in Minsk auf die Straße, um gegen Machthaber Alexander Lukaschenko zu demonstrieren.
Foto: AFP
International 2 Min. 15.11.2020 Aus unserem online-Archiv

Belarus: Hunderte Festnahmen bei Protesten gegen Lukaschenko

Nach dem gewaltsamen Tod eines Mannes herrscht in Belarus Wut und Trauer. Die Opposition macht den Machtapparat dafür verantwortlich. Wie haben die Uniformierten auf die neuen Proteste reagiert?

(dpa) - Mit massiver Gewalt sind vermummte Sicherheitskräfte in Belarus (Weißrussland) gegen neue Proteste gegen Machthaber Alexander Lukaschenko vorgegangen. In der Hauptstadt Minsk setzten Uniformierte am Sonntag Tränengas und Blendgranaten gegen friedliche Demonstranten ein, wie Videos im Nachrichtenkanal Telegram zeigen. Auf diese Weise lösten sie einzelne Kundgebungen auf. Die Menschenrechtsgruppe Wesna sprach am Nachmittag zunächst von mehr als 300 Festnahmen. Darunter seien erneut Journalisten gewesen.


Law enforcement officers detain a man on November 8, 2020 in Minsk during a gathering, the latest in weeks of unprecedented demonstrations, against the Belarus presidential election results. - For three months running, tens of thousands have taken to the streets of Belarus on Sundays to protest against the disputed re-election of Lukashenko, who has been in power for more than two decades. Lukashenko's opponents are demanding he hand power to Svetlana Tikhanovskaya, a political novice who ran against Lukashenko in the August 9 presidential race. (Photo by Stringer / AFP)
Mehr als 800 Festnahmen bei Protesten in Minsk
Zu Tausenden trotzen die Menschen in Belarus der Polizeigewalt und demonstrieren erneut gegen Machthaber Lukaschenko. Zu Hunderten finden sich friedliche Demonstranten in Polizeigewahrsam wieder. Aber sie wollen sich nicht brechen lassen.

Zu sehen war, wie Demonstranten vor schwarz Uniformierten wegrannten oder Festnahmen verhinderten. Es kam dabei zu Auseinandersetzungen. Immer wieder prügelten Sicherheitskräfte auf Menschen ein. Auf den Straßen waren Uniformierte mit Sturmgewehren zu sehen. Polizisten zerrten und trugen Frauen und Männer in Gefangenentransporter und Kleinbusse.

Mehrere Tausend Menschen waren in größeren Gruppen in Minsk unterwegs. Verlässliche Schätzungen lagen zunächst nicht vor, weil sich die Menge auf mehrere Kundgebungen aufteilte. Aktionen gab es auch in anderen Städten. Die Demonstrationen an den Sonntagen haben den größten Zulauf.

Erneut waren wieder etwa 15 Metro-Stationen in Minsk gesperrt, damit Demonstranten nicht ins Stadtzentrum gelangen konnten. Auch das mobile Internet war weitgehend abgeschaltet - diesmal bereits am Morgen. Damit wollten es die Behörden erschweren, sich zu Versammlungen zu verabreden. Zudem waren mehrere Straßen und Plätze teils mit schwerer Technik abgeriegelt.


Seit der Präsidentschaftswahl am 9. August wüten gegen Staatschef Alexander Lukaschenko Proteste.
Belarus: EU verhängt Sanktionen gegen Lukaschenko
Kritiker nennen ihn den „letzten Diktator Europas“: Nun ist der belarussische Präsident Lukaschenko zurück auf der Sanktionsliste der EU.

Seit der Präsidentenwahl am 9. August steckt das Land in einer schweren innenpolitischen Krise. Der 66-jährige Lukaschenko hatte sich mit 80,1 Prozent der Stimmen zum Sieger erklären lassen. Die EU erkennt ihn nicht mehr als Präsidenten an. Die Opposition sieht die Bürgerrechtlerin Swetlana Tichanowskaja als wahre Gewinnerin. Sie floh aus Angst um ihre Sicherheit ins EU-Land Litauen.

Nach dem gewaltsamen Tod eines 31-jährigen Mannes herrscht in Belarus Wut und Trauer.
Nach dem gewaltsamen Tod eines 31-jährigen Mannes herrscht in Belarus Wut und Trauer.
Foto: AFP

Es war der mittlerweile 99. Protesttag. Die Demonstranten erinnerten dabei an den Tod eines 31-Jährigen vor wenigen Tagen. Der Mann, den die Demokratiebewegung als Helden verehrt, soll überfallen worden sein. Einen Tag später starb er an seinen Verletzungen. 

Die Bürgerrechtlerin Tichanowskaja sprach von etwa 18.000 Menschen, die seit dem Beginn der Proteste festgenommen worden sein sollen. Bei Telegram wurde ein angeblich interner Bericht der Sicherheitsbehörden verbreitet, in dem von fast 26.000 Festgenommenen die Rede war. Das Innenministerium hatte zuletzt keine Angaben mehr zur Zahl der Festnahmen gemacht. Lukaschenko hatte immer wieder mit einem harten Durchgreifen seines Machtapparats gedroht.

In Interviews mit mehreren ausländischen Medien stellte der 66-Jährige erneut klar, dass er seinen Posten nicht räumen wolle. „Selbst wenn ich allein sein sollte, werde ich mit meinen Händen für das kämpfen, was ich ein Vierteljahrhundert aufgebaut habe.“ Gespräche mit seinen Gegnern lehnte er ab.

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