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64-jähriger Amerikaner tötet 58 Menschen
International 13 1 4 Min. 02.10.2017 Aus unserem online-Archiv
Bei Country-Festival in Las Vegas

64-jähriger Amerikaner tötet 58 Menschen

International 13 1 4 Min. 02.10.2017 Aus unserem online-Archiv
Bei Country-Festival in Las Vegas

64-jähriger Amerikaner tötet 58 Menschen

Michel THIEL
Michel THIEL
In Las Vegas ist es am späten Sonntagabend (Ortszeit) zu einer Schießerei gekommen. Bisher geht die Polizei von 58 Toten und über 500 Verletzten aus. Ein schwer bewaffneter Täter beging offensichtlich Suizid, bevor die Polizei ihn festnehmen konnte.

(mth/tom/dpa) - In Las Vegas ist es am späten Sonntagabend (Ortszeit) zu einer Schießerei gekommen. Ein Schütze eröffnete mit einer automatischen Waffe das Feuer auf die Zuschauer eines Open-Air-Konzerts in der Nähe des Mandala Bay Hotels im südlichen Bereich des „Strip”. Der Zwischenfall fand am Rand des „Route 91 Harvest Festival” statt, einem dreitägigen Festival für Country Music mit über 30.000 Besuchern.

Ersten unbestätigten Berichten zufolge gab es mindestens 20 Tote und über 100 Verletzte. Medienberichten zufolge seien „zahlreiche Opfer mit Schussverletzungen” in Krankenhäuser eingeliefert worden. Die Opferzahl wurde im Lauf des Montags sukzessiv offiziell auf 58 Tote und über 500 Verletzte erhöht.

Blutkonserven werden knapp

Selbst eine Metropole wie Las Vegas stößt angesichts dieser Dimensionen an ihre Grenzen. Die Blutkonserven werden knapp, Sheriff Joseph Lombardo forderte die Menschen beinahe flehentlich auf, ihr Blut zu spenden. Die Notaufnahmen der Krankenhäuser gelangen an ihre Kapazitätsgrenzen. Ärzte, Krankenschwestern kommen aus dem Urlaub zurück, um zu helfen.  

Es ist das schwerwiegendste Verbrechen in der neueren Geschichte der USA. Im vergangenen Jahr hatte ein Schütze in einer Diskothek in Orlando (Florida) um sich geschossen. Damals starben 49 Menschen.  

Der Luxemburger Illusionist David Goldrake, der zurzeit im Tropicana-Hotel in Las Vegas auftritt, meldete sich auf seiner Facebook-Seite bei seinen Fans. Er und seine Crew seien in Sicherheit, so Goldrake.  

Nach und nach wurden Details der Tragödie bekannt: Laut Polizei feuerte der Schütze am Sonntag gegen 22.00 Uhr (Ortszeit) vom 32. Stockwerk eines Hotels an der berühmten Casino-Meile aus auf Besucher des Konzerts. Zur Tatzeit sollen rund 30.000 Besucher dort gewesen sein. Augenzeugen zufolge sollen sehr viele Schüsse über einen Zeitraum von zehn bis 15 Minuten gefallen sein. 

Die Polizei berichtete weiter, sie habe den mutmaßlichen Täter gestellt, dabei oder kurz davor habe er sich allem Anschein nach selbst erschossen. Es soll sich um einen 64-jährigen Mann aus Las Vegas handeln. „Wir glauben, dass es ein Einzeltäter ist. Ein einsamer Wolf“, sagte Bezirks-Sheriff Lombardo. Der Mann habe rund zehn Gewehre in seinem Hotelzimmer dabei gehabt. Bislang sei er unauffällig gewesen, so die Polizei - in der Kartei findet sich nur ein lange zurückliegendes Verkehrsdelikt. Er hatte das Hotelzimmer bereits vor vier Tagen angemietet und bezogen.

IS reklamiert die Tat für sich - ohne Belege zu liefern

Das Motiv ist nach Polizeiangaben bislang unklar. Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund der Tat gab es zunächst keine. Dennoch hat die Terrormiliz IS die Bluttat für sich reklamiert - belegen lässt sich das allerdings nicht. Der Schütze sei ein „Soldat” des Islamischen Staates gewesen, berichtete das IS-Sprachrohr „Amak”. Nachdem die Polizei einen terroristischen Hintergrund nicht bestätigte, gab „Amak” eine zweite Erklärung ab, die behauptete, der Schütze sei vor mehreren Monaten zum Islam konvertiert. 

Gegen die These, dass der Schütze „IS-Soldat” war, spricht, dass ein Suizid, wie er ihn offenbar verübte, für den IS nicht in Frage kommt - Selbstmordattentäter lassen sich normalerweise von der Polizei erschießen oder sterben als Konsequenz ihrer Tat. Es wäre zudem nicht das erste IS-Bekenntnis, das „unbelegt” im Raum stehen blieb oder später wiederlegt wurde. 

Die Bundespolizei FBI schloss am Montagabend eine Verbindung zu einer international agierenden Terrororganisation nochmals explizit aus.  

Keine Komplizin

Die Polizei suchte außerdem zunächst nach einer Frau, die sich mit dem Todesschützen in einem Hotelzimmer aufgehalten haben soll. Medienberichten zufolge habe sie möglicherweise mit dem Täter zusammen gewohnt. Die Polizei veröffentlichte auf Twitter ein Foto der Frau und rief die Bevölkerung zur Mithilfe bei der Suche auf. Sie bezeichnete sie aber nicht als mögliche Komplizin, sondern teilte lediglich mit, sie solle befragt werden. Lombardo sprach von einer „Person von Interesse“

Am Nachmittag wurde diese Information dann aktualisiert: Man habe Kontakt zu der Frau gehabt und glaube nicht länger, dass sie in einem Zusammenhang mit der Schießerei stehe, so die Polizei. 

Die Behörde rief die Menschen über Twitter am Montag dazu auf, die Gegend nahe der bekannten Casino-Meile und dem Flughafen zu meiden. In sozialen Medien tauchten zwischenzeitlich Berichte auf, wonach sich ein oder mehrere Täter auf den Dächern von umliegenden Casinos verschanzt hätten. Die Polizei sprach dagegen von Anfang an lediglich von einem Täter.

Facebook aktivierte seinen „Safety-Check”, mit dem sich Nutzer in der Umgebung der Schießerei als „in Sicherheit” markieren können. 

„Ein Akt des absolut Bösen”

US-Präsident Trump trat gegen 17 Uhr MESZ vor die Presse und bezeichnete die Tat als „Akt des absolut Bösen“. Trump rief die Amerikaner in der Stunde der Trauer um mindestens 50 Todesopfer zur Einigkeit und zum Zusammenhalt auf. „Im Augenblick der Tragödie kommt Amerika als Einheit zusammen“, sagte der Präsident. Er dankte den Rettungskräften und Polizisten für ihren schnellen Einsatz, der weitere Todesopfer verhindert habe.

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Er selbst werde am Mittwoch Las Vegas besuchen, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Trump ordnete an, die Flaggen auf den öffentlichen Gebäuden des Bundes zum Zeichen der Trauer auf halbmast zu setzen. 


Die tödlichsten Massaker von Einzelschützen in den USA  

  • Der 29-jährige Omar Mateen erschießt 49 Besucher eines Nachtclubs, der bei Homosexuellen beliebt ist. Spezialeinheiten töten ihn bei der Erstürmung des Clubs. Der Attentäter, US-Bürger mit afghanischen Eltern, hatte sich zuvor zur Terrormiliz Islamischer Staat bekannt. Seine beiden Waffen, eine Pistole und ein Gewehr, hatte er legal erworben. Seine Witwe wird im Januar 2017 wegen Beihilfe angeklagt.

  • Adam Lanza, ein 20-Jähriger mit schweren psychischen Problemen, erschießt zunächst seine Mutter und begibt sich dann in seine ehemalige Grundschule, die Sandy Hook Elementary School in Newtown, Connecticut. Dort ermordet er 20 Schulkinder und sechs Lehrer. Anschließend tötet er sich selbst. Lanza hegte seit seiner Kindheit Gewaltfantasien. Für die Tat nutzte er legal erworbene Gewehre seiner Mutter.

  • Der 23-jährige Südkoreaner Cho Seung-Hui erschießt zunächst zwei Studenten in einem Wohnheim und verletzt mehrere schwer. Anschließend verschickt er von einer Postfiliale aus eine DVD mit Bekenner-Videos und -Fotos an den Fernsehsender NBC. Etwa zwei Stunden später verriegelt er die Türen eines anderen Uni-Gebäudes mit Ketten, damit niemand fliehen kann. Dann beginnt er, auf weitere Studenten und Lehrkräfte zu schießen. Insgesamt ermordet er 32 Menschen. Anschließend tötet er sich selbst. Obwohl er in psychiatrischer Behandlung war, konnte er die Tatwaffen legal erwerben.

  • Der 35-jährige George Hennard fährt mit seinem Pick-up durch die Glasscheibe eines Restaurantsin Killeen, Texas. Dann beginnt der mit zwei Pistolen bewaffnete Hennard, auf die Gäste zu schießen. Innerhalb weniger Minuten ermordet er 22 Menschen. Nachdem die Polizei eintrifft, zieht sich der Täter schwer verwundet in die Toilettenräume zurück und erschießt sich. Der Täter war ein arbeitsloser Matrose der Handelsmarine und galt als verbittert.

  • Bewaffnet mit einer Pistole, einem Gewehr und einer Uzi-Maschinenpistole betritt der 41-jährige James Huberty ein Schnellrestaurant im kalifornischen San Ysidro. Dann erschießt er 21 Menschen. Vom Restaurant aus feuert er eine Stunde lang auf die Polizei. Ein Scharfschütze einer Spezialeinheit kann ihn schließlich erschießen. Seine Frau berichtete später, Huberty habe schwere psychische Probleme gehabt.

Dieser Artikel wird fortlaufend aktualisiert.


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LAS VEGAS, NV - OCTOBER 2: Mourners light candles during a vigil at the corner of Sahara Avenue and Las Vegas Boulevard for the victims of Sunday night's mass shooting, October 2, 2017 in Las Vegas, Nevada. Late Sunday night, a lone gunman killed more than 50 people and injured more than 500 people after he opened fire on a large crowd at the Route 91 Harvest Festival, a three-day country music festival. The massacre is one of the deadliest mass shooting events in U.S. history.   Drew Angerer/Getty Images/AFP
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Der Luxemburger Illusionist David Goldrake befand sich bei der Schießerei in Las Vegas in unmittelbarer Nähe des Tatorts. Vier Stunden verbrachte er in seiner Loge im Keller des Tropicana Hotel, bevor er Entwarnung geben konnte.
David Goldrake ist in Sicherheit.