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Auf der Flucht vor Armut: Malis Männer auf der Suche nach dem Glück in Europa
International 1 2 Min. 11.11.2015 Aus unserem online-Archiv

Auf der Flucht vor Armut: Malis Männer auf der Suche nach dem Glück in Europa

In dem kleinen Dorf leben die Bewohner vorwiegend von der Landwirtschaft. Arbeit gibt es kaum. Dies treibt viele junge Männer in die Flucht.

Auf der Flucht vor Armut: Malis Männer auf der Suche nach dem Glück in Europa

In dem kleinen Dorf leben die Bewohner vorwiegend von der Landwirtschaft. Arbeit gibt es kaum. Dies treibt viele junge Männer in die Flucht.
AFP
International 1 2 Min. 11.11.2015 Aus unserem online-Archiv

Auf der Flucht vor Armut: Malis Männer auf der Suche nach dem Glück in Europa

Aus dem malischen Dorf Kodjan haben sich bereits viele junge Männer auf die gefährliche Reise nach Europa gemacht. Viele Familien fühlen sich abhängig von ihren Geldtransfers. Zurück bleiben Kinder ohne Väter.

(afp/ks) - Für manche Bewohner des Dorfes Kodjan, rund 60 Kilometer von der Stadt Bamako entfernt, ist der Aufbruch ihrer Familienmitglieder nach Europa ein Segen. "Ich habe einen Sohn in Spanien. Er schickt uns Geld. Dank ihm haben wir eine Satellitenschüssel", erzählt Sika Diarra und seine Frau fügt hinzu: "Wir beten zu Gott, dass sein jüngerer Bruder ebenfalls nach Europa aufbricht. Nur das kann uns retten."

In dem Dorf mit 2000 Einwohnern gibt es wenig Arbeit. Laut dem Landwirt Ousmane Diarra hat jede Familie mindestens drei Söhne auf die beschwerliche Reise geschickt, damit sie für finanzielle Unterstützung der Eltern sorgen. Der Großteil der Bewohner bewirtschafte Land, doch am Ende des Winters gebe es keine Arbeit mehr. Um nicht aus "Scham zu sterben", entschieden sich die Jungen für den Aufbruch. Die Familien finanzieren die Flucht nach Europa, zum Beispiel durch den Verkauf von Vieh.

Auf ihrem Weg durch die Wüste und über das Mittelmeer sind die Hoffnungsträger zahlreichen Gefahren und Strapazen ausgesetzt. Doch auch für die Familien ist der Weggang nicht nur mit einem potentiellen Geldsegen verbunden. Viele Frauen warten seit Langem auf Neuigkeiten ihrer Männer, manche hören jahrelang nichts von ihnen. In Kodjan hat ein siebenjähriges Mädchen ihren Vater kaum noch in Erinnerung: Er lebt seit sechs Jahren illegal in Frankreich.

Manche Kinder haben ihre Väter nicht mal mehr in Erinnerung.
Manche Kinder haben ihre Väter nicht mal mehr in Erinnerung.
AFP

Vergebliche Aufklärungsarbeit

"Es ist nicht einfach, aber es ist eine Entscheidung, die man treffen muss. Unsere Kinder lassen ihre Frauen hier zurück, um das Abenteuer einzugehen. Sie können nicht zurückkommen, weil sie keine Papiere haben. Also warten die Frauen solange wie es nötig ist", sagt die Dorfbewohnerin Maïmouna Diarra.

Djénaba Konaté arbeitet als Moderatorin für einen lokalen Radiosender. Sie versucht Aufklärungsarbeit zu leisten und die jungen Männer von ihren Plänen abzubringen. Vergeblich. Ihr Wille sei zu stark und die Vorstellung, im Meer zu sterben glorreicher als im Dorf keiner Arbeit nachgehen zu können. Die Lösung sei nicht, die Grenzen dicht zu machen, sagt sie im Hinblick auf den EU-Sondergipfel mit einigen afrikanischen Staaten am Mittwoch und Donnerstag auf Malta. "Die Lösung besteht darin, sich gemeinsam an einen Tisch zu setzen und miteinander zu sprechen."

Wer von Mali aus flieht, muss die Wüste in Richtung Norden durchqueren. Die jungen Menschen versuchen dann, von Marokko oder Libyen aus, nach Europa zu gelangen.

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