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Auch Luxemburg will Minderjährige aus Moria aufnehmen
International 2 Min. 11.09.2020

Auch Luxemburg will Minderjährige aus Moria aufnehmen

Durch den Brand im Moria-Camp sind mehr als 12.000 Geflüchtete obdachlos geworden.

Auch Luxemburg will Minderjährige aus Moria aufnehmen

Durch den Brand im Moria-Camp sind mehr als 12.000 Geflüchtete obdachlos geworden.
Foto: Socrates Baltagiannis/dpa
International 2 Min. 11.09.2020

Auch Luxemburg will Minderjährige aus Moria aufnehmen

Nach dem Großbrand im griechischen Flüchtlingslager Moria erklären sich zehn EU-Staaten bereit, sich an der Aufnahme von 400 unbegleiteten Minderjährigen zu beteiligen. Auch Luxemburg will helfen.

(dpa/jt) - Nach dem Großbrand im griechischen Migrantenlager Moria wollen neun EU-Staaten und die Schweiz an der Aufnahme von 400 unbegleiteten Minderjährigen beteiligen. Auch Luxemburg erklärte sich bereit, minderjährige Migranten aufzunehmen. Bereits im April hatte das Großherzogtum zwölf jungen Flüchtlinge aus griechischen Camps eine neue Bleibe verschafft.

Die 400 Minderjährigen wurden bereits auf das griechische Festland gebracht. Nach dem Brand im Camp Moria auf der Insel Lesbos sind etwa 12.000 Migranten obdachlos geworden.

„Unsere Kontakte mit den Mitgliedstaaten der Europäischen Union haben bis zur Stunde dazu geführt, dass sich mit uns zehn europäische Mitgliedsländer an den Hilfen – das heißt an der Umsiedlung für die unbegleiteten Minderjährigen - beteiligen“, sagte der deutsche Innenminister Horst Seehofer am Freitag in Berlin. In der von Seehofer genannten Zahl Zehn ist die Schweiz inbegriffen, die kein EU-Mitglied ist. 

Man sei aber noch mit weiteren Ländern im Gespräch. Es sei angesichts der Regierungsbeteiligung der Grünen in Österreich „überraschend“, dass Wien bislang keine Zusage gemacht habe. Italien signalisierte Unterstützung für die deutsch-französische Initiative. Premier Giuseppe Conte ließ aber offen, ob Italien bei der Aufnahme minderjähriger Migranten helfen werde. Die Niederlande hatten am Donnerstag angeboten, sich um rund 100 Migranten zu kümmern, die Hälfte von ihnen sollen Minderjährige sein. 

Fokus auf Familien mit Kindern

Ein Großteil der Menschen - je 100 bis 150 - werde von Deutschland und Frankreich aufgenommen, erklärte der Minister. In Deutschland sei eine Ankunft der Jugendlichen spätestens bis Monatsende geplant. Eine genaue Zahl könne aber erst genannt werden, wenn die Gespräche mit den anderen EU-Staaten abgeschlossen seien. „Die 400 Minderjährigen sind ein erster Schritt und diesem ersten Schritt wird ein weiterer folgen“, erklärte Seehofer. Er wolle, dass man sich dabei auf Familien mit Kindern konzentriere.

Der deutsche Innenminister Horst Seehofer und EU-Migrationskommissar Margaritis Schinas während der Pressekonferenz in Berlin.
Der deutsche Innenminister Horst Seehofer und EU-Migrationskommissar Margaritis Schinas während der Pressekonferenz in Berlin.
Foto: AFP/Jörg Carstensen

Das Lager Moria war in der Nacht zum Mittwoch durch zahlreiche Brände fast vollständig zerstört worden. Statt der vorgesehenen knapp 3.000 Migranten waren dort mehr als 12.000 Menschen untergebracht gewesen. Einige der Migranten sollen Feuer gelegt haben, nachdem für die Bewohner des Lagers wegen Corona-Infektionen Quarantäne verordnet worden war. Die „Nicht-Lösung“ in den Verhandlungen zu einer gemeinsamen europäischen Asylpolitik habe zu der jetzigen katastrophalen Situation auf Lesbos geführt, sagte Seehofer.

Moria existiert nicht mehr.

EU-Kommissar Margaritis Schinas

Er berichtete, dass Griechenland am Donnerstag Vorschläge übermittelt habe, wie Deutschland bei der Unterbringung und Versorgung der obdachlos gewordenen Menschen vor Ort helfen könne. Die deutsche Regierung wolle sich nun mit den deutschen Hilfsorganisationen zusammensetzen, um möglichst umfassend zu helfen. Das Technische Hilfswerk habe sich am Freitag zudem auf den Weg gemacht, um Zelte, 1.400 Feldbetten und Schlafsäcke nach Lesbos zu bringen.


TOPSHOT - Tow boys leave after a major fire broke out in the Moria migrants camp on the Greek Aegean island of Lesbos on September 9, 2020. - Thousands of asylum seekers were left homeless on on September 9 after a fire gutted Greece's largest migrant camp on Lesbos, plunging the island into crisis and provoking an outpouring of sympathy from around Europe and calls for reform of the refugee system. The blaze, which began hours after 35 people tested positive for coronavirus at the Moria camp, sent thousands fleeing for safety into surrounding olive groves -- but nobody was seriously hurt. (Photo by ANGELOS TZORTZINIS / AFP)
Verzweiflung und Rebellion nach Brand in Moria
Zur Sorge um das Überleben der Menschen kommt die Angst vor einer Ausbreitung des Corona-Virus.

Der für Migration zuständige Vizepräsident der EU-Kommission, Margaritis Schinas, sagte: „Moria existiert nicht mehr.“ Mit Hilfe der Europäischen Union solle nun eine neue, modernere Einrichtung errichtet werden, in der Asylverfahren schneller durchgeführt werden könnten. Dies wolle er dem griechischen Regierungschef vorschlagen.

Schinas bekräftigte zudem, dass die EU-Kommission am 30. September neue Vorschläge für die jahrelang blockierte Reform der EU-Migrations- und Asylpolitik vorlegen werde.


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