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Auch Frankreich verkürzt den Genesenen-Status
International 4 Min. 29.01.2022
Ab Mitte Februar

Auch Frankreich verkürzt den Genesenen-Status

Frankreich ändert ab 15. Februar die Regeln für den „Passe vaccinal“.
Ab Mitte Februar

Auch Frankreich verkürzt den Genesenen-Status

Frankreich ändert ab 15. Februar die Regeln für den „Passe vaccinal“.
Foto: AFP
International 4 Min. 29.01.2022
Ab Mitte Februar

Auch Frankreich verkürzt den Genesenen-Status

Jörg TSCHÜRTZ
Jörg TSCHÜRTZ
Das Nachbarland macht es Deutschland nach und passt die Regeln für von Corona Genesene an. Auch auf EU-Ebene könnte das Thema bald auf die Tagesordnung kommen.

Nach Deutschland will auch Frankreich den Genesenen-Status im Rahmen der Corona-Schutzmaßnahmen verkürzen. Wie Gesundheitsminister Olivier Véran am Freitag in einem Video erklärte, sollen aus der Sechsmonatsregel ab 15. Februar vier Monate werden. 

Diese Änderung ist auch in einer Notiz des Gesundheitsministeriums enthalten, die diesen Donnerstag veröffentlicht wurde. Ziel sei es, die Regeln für Geimpfte und positiv Getestete anzugleichen.

Auch für Erst- und Doppeltgeimpfte, die noch keine Booster-Injektion erhalten haben, wird die Gültigkeitsfrist des „passe vaccinal“ ab 15. Februar von sechs auf vier Monate herabgesetzt. Laut Angaben der Zeitung „Le Parisien“ sind in den vergangenen vier Monaten fast zwölf Millionen Franzosen positiv getestet worden.

Nachbarland verhängt Lockdown für Ungeimpfte  

Im Nachbarland waren diese Woche drastische Einschränkungen für nicht gegen Corona Geimpfte in Kraft getreten. Seit Montag haben Ungeimpfte und Nicht-Genesene etwa keinen Zugang mehr zu Restaurants, Bars, Kultureinrichtungen, Sportveranstaltungen und Fernzügen. Grund ist die Einführung des „passe vaccinal“. Dieser Nachweis über Genesung oder Impfung muss künftig für die Teilnahme am öffentlichen Leben vorgelegt werden. Bislang reichte auch der Nachweis über einen negativen Corona-Test.

Der französische „passe vaccinal“ entspricht grob der 2G-Regelung in anderen Ländern. Ausnahmen sollen zunächst aber für Menschen gelten, die sich noch kurzfristig für eine erste Impfung entscheiden. Sie sollen vorerst weiter ein negatives Testergebnis vorlegen dürfen. Laut einem Urteil des französischen Verfassungsrats dürfen die Einschränkungen für Ungeimpfte nur so lange in Kraft bleiben, wie es die Pandemie erfordert.

In Frankreich sind die Infektionszahlen derzeit extrem hoch. Stand Freitag verzeichneten die Behörden für die zurückliegenden sieben Tage landesweit im Schnitt 3.760 Infektionen mit dem Virus je 100.000 Einwohner. In Luxemburg lag dieser Wert laut Angaben von Statista bei 2.582.

In Deutschland wird die Verkürzung des Genesenen-Status von Experten kritisch gesehen. Der Immunologe Carsten Watzl hält die Entscheidung, die Dauer des Genesenen-Status von sechs auf drei Monate zu halbieren, für „nicht nachvollziehbar“. 

Zwar zeigten Studien, „dass viele Antikörper von Genesenen die Omikron-Variante nicht mehr so gut erkennen können und diese Personen damit kaum noch einen Schutz vor der Infektion haben“. Laut Watzl gelte diese Veränderung aber „ebenso für Geimpfte. Wenn man den Genesenen-Status verkürzt, muss man das eigentlich auch für die Impfzertifikate tun.“

Regelung „für einige Patienten ungünstig“

Die Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie an der Frankfurter Uniklinik, Sandra Ciesek, plädierte am Freitag dafür, den Zeitpunkt des Boosterns nach Genesung „individual-medizinisch“ zu entscheiden. „So richtig glücklich und zufrieden bin ich nicht mit den Regelungen“, sagte Ciesek. Einen einheitlichen Zeitpunkt für alle zu definieren, sei „sehr schwierig“. Es müsse berücksichtigt werden, mit welcher Virus-Variante man infiziert wurde, wie alt man ist, wie lange gegebenenfalls die Impfungen zurückliegen.

Die deutsche Virologin Sandra Ciesek sieht die Verkürzung des Genesenen-Status von sechs auf drei Monate kritisch.
Die deutsche Virologin Sandra Ciesek sieht die Verkürzung des Genesenen-Status von sechs auf drei Monate kritisch.
Foto: Sebastian Gollnow/dpa

„Die Regelung mit den drei Monaten ist für einige Patienten sehr ungünstig“, sagte die Virologin in Wiesbaden. Jugendliche, die im Sommer geimpft wurden und sich im Herbst infizierten, seien jetzt „in einem echten Dilemma“. Sie müssten sich nun nach drei Monaten boostern lassen, „haben aber zum Teil Antikörper, die unser Messfenster sprengen“. Hier mache es Sinn, auf den neuen, an Omikron angepassten Impfstoff zu warten. Bei 60-Jährigen sei das ganz anders.

Lauterbach will Drei-Monats-Frist auch auf EU-Ebene

Der deutsche Gesundheitsminister Karl Lauterbach hat die Drei-Monats-Frist indes verteidigt und will sich um Umsetzung auch auf europäischer Ebene bemühen. „Wir werden in Kürze erneut versuchen, die drei Monate auch auf europäischer Ebene umzusetzen“, sagte der SPD-Politiker vergangenen Mittwoch im ZDF-„heute journal“. „Nach drei Monaten kann sich derjenige, der schon mit der Delta-Variante infiziert war, erneut mit der Omikron-Variante infizieren. Somit sind die drei Monate wissenschaftlich richtig“, betonte Lauterbach.


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Die EU-Staaten hatten sich am Dienstag darauf verständigt, dass sich Reisende innerhalb der Union ohne weitere Auflagen frei bewegen können sollen, wenn sie einen gültigen Impf-, Test- oder Genesenennachweis vorlegen. Beim Genesenennachweis wird hier eine Gültigkeit von 180 Tagen genannt, also sechs Monate. 

In Deutschland war der Status Mitte des Monats überraschend auf eine Zeitspanne von 28 bis 90 Tagen nach einem positiven PCR-Test verkürzt worden. In Luxemburg ist die Genesungsbescheinigung weiterhin 180 Tage gültig. 

Mit Material der dpa.


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