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Auch Frankreich erhält einen neuen Werteunterricht
International 2 Min. 22.01.2015 Aus unserem online-Archiv
Laizität

Auch Frankreich erhält einen neuen Werteunterricht

Nach den Sommerferien wird der Werteunterricht in Frankreich für Schüler an Grundschulen, Collèges und Lyzeen eingeführt.
Laizität

Auch Frankreich erhält einen neuen Werteunterricht

Nach den Sommerferien wird der Werteunterricht in Frankreich für Schüler an Grundschulen, Collèges und Lyzeen eingeführt.
AFP
International 2 Min. 22.01.2015 Aus unserem online-Archiv
Laizität

Auch Frankreich erhält einen neuen Werteunterricht

Werte- statt Religionsunterricht: So lautet die Devise künftig an luxemburgischen Schulen. Im Nachbarland Frankreich soll es nach den Sommerferien Stunden in Ethik und Zivilkunde geben - eine Antwort auf die Attentate von Paris.

(ks/afp/dpa) - Die Religionsstunden an luxemburgischen Schulen wird es in ihrer heutigen Form bald nicht mehr geben. Die Regierung hat sich mit den Glaubensgemeinschaften darauf geeinigt, dass künftig ein Werteunterricht angeboten wird. Bildungsminister Claude Meisch erklärte am Mittwoch im Parlament, dass Schülern Kenntnisse über verschiedene Religionen aber auch philosophische Ansätze vermittelt werden sollen. Den genauen Unterrichtsplan soll ein Ausschuss festlegen.

Während in Luxemburg das Verhältnis zwischen Kirche und Staat neu ausgehandelt wurde, hat Frankreich die Laizität schon seit 1905 in der Verfassung verankert. Dementsprechend gibt es an französischen Schulen keinen Religionsunterricht, mit Ausnahme des Départements Moselle und dem Elsass.

"Tag der Laizität" soll in Schulen gefeiert werden

In den vergangenen Tagen kam das Thema der Trennung von Staat und Kirche in der Schule erneut an die Oberfläche, ausgelöst durch das Attentat gegen die Satirezeitung "Charlie Hebdo" und die Geiselnahme in einem jüdischen Supermarkt in Paris. Frankreich sieht es als notwendig an, die demokratischen Werte an der Schule stärker in den Fokus zu rücken. Präsident François Hollande erklärte am Mittwochabend, der "Tag der Laizität" am 9. Dezember solle jährlich in den Bildungseinrichtungen gefeiert werden.

Die französische Bildungsministerin Najat Vallaud-Belkacem will die demokratische Wertevermittlung an den Schulen stärken.
Die französische Bildungsministerin Najat Vallaud-Belkacem will die demokratische Wertevermittlung an den Schulen stärken.
REUTERS

Zudem wird nach den Sommerferien in der Grundschule, aber auch an Collège und Lycée Unterricht in Ethik und Zivilkunde angeboten. Nach den derzeitigen Plänen wird es unter anderem um die Vermittlung demokratischer Werte und Regeln zum Zusammenleben in der Gesellschaft gehen. Bildungsministerin Najat Vallaud-Belkacem sagte am Donnerstag, bis Juli würden 1000 Lehrer weitergebildet. Dabei sollen sie auch lernen, wie sie das Thema Religion im Unterricht vermitteln können. In seiner schulischen Laufbahn wird ein Schüler künftig rund 300 Stunden im Ethik- und Zivilunterricht verbringen.

"Charta der Laizität"

Der Staat bemüht sich seit längerem, die Laizität stärker in der Schule zu verankern. Seit 2013 besteht eine "Charta der Laizität", die nun dadurch an Gewicht gewinnen soll, dass sie beim Schuleintritt von Kindern und Eltern unterschrieben wird. In den 15 Artikeln wird Schülern beispielsweise vorgegeben, dass sie sich den geltenden Regeln nicht wiedersetzen dürfen, weil sie einer bestimmten Glaubensrichtung angehören. Das Tragen religiöser Zeichen wird verboten, Lehrer müssen sich politisch und religiös neutral geben, Werte wie Toleranz und Gleichberechtigung der Geschlechter werden hervorgehoben.

Nach den Anschlägen, bei denen Anfang Januar 17 unschuldige Menschen getötet worden waren, hatte Vallaud-Belkacem von viel Unwissen bei Schülern und Zwischenfällen an den Schulen berichtet. Bei rund 200 Vorfällen hatten Schüler Schweigeminuten für die Opfer gestört. In 40 Fällen schalteten sich Polizei oder Justiz ein, weil Teilnehmer unter anderem den Terrorismus verherrlicht hatten. Zur Mobilisierung gegen „Gefühle von Hoffnungslosigkeit und zunehmende Ungerechtigkeit“ will die Regierung in den kommenden drei Jahren nun 250 Millionen Euro investieren.


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