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Au Revoir König Albert II.
International 3 Min. 20.07.2013 Aus unserem online-Archiv

Au Revoir König Albert II.

Der König als Integrationsfigur mit Königin Paola.

Au Revoir König Albert II.

Der König als Integrationsfigur mit Königin Paola.
FOTO: AP
International 3 Min. 20.07.2013 Aus unserem online-Archiv

Au Revoir König Albert II.

Nach rund 20 Jahren im Amt als König der Flamen und Wallonen in Belgien, dankt der 79jährige Albert II. nun ab. Sein ältester Sohn Kronprinz Philippe (53) wird ihm am belgischen Nationalfeiertag, dem 21. Juli, als neues Staatsoberhaupt beerben. Ein Epochenwechsel.

(htz) - Für das kleine rund elf Millionen Einwohner zählende Königreich zwischen den Niederlanden im Norden und Frankreich im Süden beginnt eine neue Epoche.

Doch der nun anstehende Thronwechsel in Belgien könnte auch der Anfang vom Ende des belgischen Königreichs sein, das sich in der Septemberrevolution 1830 vom Königreich der Niederlande trennte und seither ein selbständiger Staat ist.

Anfang vom Ende des belgischen Königshauses?

Im Mai nächsten Jahres finden in Belgien Parlamentswahlen statt, die in der flämischen Metropole Antwerpen schon als "die Mutter aller Wahlen" bezeichnet werden. In Flandern, dem nördlichen niederländisch-sprachigen Teil Belgiens, wo rund 6,5 Millionen Flamen wohnen, die die Mehrheit in Belgien stellen, wollen aktuellen Umfragen zufolge rund 40 Prozent der Wähler bei den kommenden Wahlen für die flämisch nationalistische "Neue Flämische Allianz" N-VA stimmen.

Nach den Wahlen 2014 "Republik Flandern"?

Und die, so steht es in ihrem Parteiprogramm, will Belgien spalten und eine ,,Republik Flandern‘‘ errichten. Keine guten Aussichten also für den neuen belgischen König Philippe, der mit seiner Gattin Mathilde nun den Thron besteigen wird. Es wird die größte Herausforderung für den künftigen König Philipp sein, das Land zusammenzuhalten und als Brücke und Bindeglied zwischen den frankophonen Wallonen im Süden und den niederländisch-sprachigen Flamen im Norden zu fungieren.

Seinem Vater Albert II. ist das noch einigermaßen gelungen. Als er nach dem plötzlichen Tod seines Bruders König Baudouin am 1. August 1993 als dessen Nachfolger antrat, da war Belgien in der Trauer über den Tod von Baudouin kurzfristig vereint.

Es war damals eine große Überraschung, dass Albert als neuer König der Belgier und Nachfolger seines älteren Bruders Baudouin antrat. Schon damals, vor 20 Jahren, meinten viele der seinerzeit 33jährige Kronprinz Philippe werde inthronisiert. Doch es kam anders.

Als Albert von Sachsen-Coburg dann als König Albert II. von Belgien 1993 vereidigt wurde, da legte er als neuer König einen ziemlich misslungenen ersten öffentlichen Auftritt hin. König Albert II. zitterte wie Espenlaub, als er zu seinem Volk sprach. War er nur nervös oder ist er krank? – Das war die Frage, die sich viele Belgier damals stellten.

König als Symbol der Einheit

Doch Albert II. wuchs in sein Amt und wuchs im Amt. Er profilierte sich mehr und mehr in der Rolle, die ihm die Verfassung zuschreibt – als Integrationsfigur für alle Belgier, als Symbol der Einheit des Landes.

Als sich die Flamen und Wallonen nach den Wahlen vom Juni 2010 eineinhalb Jahre lang über die Bildung einer neuen Zentralregierung stritten, da schlug König Albert II. mit der Faust auf den Tisch. In einer TV-Ansprache sagte er: "Ich will jetzt öffentlich und ganz offen  vor den Folgen einer solchen Politik warnen." Gemeint war die Politik der Kompromisslosigkeit.

Daraufhin kam es dann doch noch zu einer Einigung und zur Bildung einer neuen Koalitionsregierung in Brüssel. Es ist zweifellos das Verdienst von König Albert II., dass er das Land in dieser schwierigen Phase zusammengehalten hat. In seiner damaligen Wut-Rede wirkte er festentschlossen und war überhaupt nicht mehr zittrig. Er hat die Einheit des Königreichs Belgien mit dieser Wut-Rede gerettet.

Belgien driftet weiter auseinander

Aber für wie lange? Belgien driftet immer weiter auseinander. Die wohlhabenden Flamen wollen im innerbelgischen Finanzausgleich nicht mehr für die ärmeren Wallonen zahlen. Denn Wallonien hängt am flämischen Finanztropf sowie Griechenland am Tropf der Eurozone hängt. Das belgische Königshaus ist im niederländisch-sprachigen Flandern, das nach Luxemburg in der EU die zweitreichste Region ist, ohnehin nicht sehr beliebt. König Albert II. hat es geschafft, das zerrissene Belgien während seiner 20jährigen Amtszeit zusammen zu halten. Sein Sohn und Nachfolger als König Philippe von Belgien wird dies sicher auch versuchen. Ob es ihm gelingt, das ist aber mehr als fraglich.