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Attentat in Straßburg: Fünftes Opfer verstorben
International 1 3 Min. 16.12.2018 Aus unserem online-Archiv

Attentat in Straßburg: Fünftes Opfer verstorben

Macron ließ sich einen Besuch auf dem Weihnachtsmarkt nicht entgehen.

Attentat in Straßburg: Fünftes Opfer verstorben

Macron ließ sich einen Besuch auf dem Weihnachtsmarkt nicht entgehen.
AFP
International 1 3 Min. 16.12.2018 Aus unserem online-Archiv

Attentat in Straßburg: Fünftes Opfer verstorben

Bereits fünf Tote, weitere kämpfen um ihr Leben. Nachdem der Attentäter am Donnerstag erschossen wurde, versucht man in Straßburg nun, zur Normalität zurückzukehren. Offene Fragen bleiben aber.

(dpa/rc) - Am Sonntagabend ist laut französischen Medienberichten in Straßburg eine weitere Person an ihren schweren Schussverletzungen verstorben. Somit steigt die Zahl der Todesopfer nach dem Attentat von Chérif Chekatt am vergangenen Dienstag auf dem Straßburger Weihnachtsmarkt. Bei dem fünften Todesopfer soll es sich um einen 36-jährigen Strassburger mit polnischen Wurzeln handeln. Unklar blieb zunächst, ob es sich bei dem Polen um jenen Mann handelt, der bereits vor Tagen für hirntot erklärt worden war. Bei dem Anschlag in der Innenstadt waren am Dienstag auch zahlreiche Menschen verletzt worden.

Nach einem Bericht der polnischen Zeitung „Gazeta Wyborcza“ soll der 36-jährige Pole aus Katowice am Tag des Anschlags noch Schlimmeres verhindert haben. Der seit rund 20 Jahren in Straßburg lebende Mann habe mit mehreren Bekannten vor einem Musikclub gestanden, um eine Zigarette zu rauchen. Als die Männer den Schützen erblickten, hätten sie sich ihm in den Weg gestellt und die Tür verschlossen. Sonst hätte es womöglich ein noch größeres Blutbad gegeben so wie im Pariser Konzertsaal Bataclan im November 2015, merkte die Zeitung aus Warschau unter Berufung auf Augenzeugen an.

Fahndung nach Komplizen

Nach dem Tod des mutmaßlichen Straßburger Attentäters Chérif Chekatt fahnden die Ermittler nach möglichen Komplizen. „Die Untersuchung wird nun fortgesetzt, um potenzielle Komplizen und Mittäter zu identifizieren, die ihn zu der Tat ermutigt oder bei den Vorbereitungen geholfen haben könnten“, sagte der Pariser Antiterrorstaatsanwalt Rémy Heitz in Straßburg. In der Elsass-Metropole und an den Grenzen kehrte wieder etwas Normalität ein. Der Weihnachtsmarkt wurde wiedereröffnet.

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Der Präsident sprach den Menschen Mut zu.
Der Präsident sprach den Menschen Mut zu.
AFP

Nach einer zweitägigen Großfahndung hatte die Polizei den mutmaßlichen Straßburg-Attentäter Chekatt am Donnerstagabend getötet. Er soll für den Terroranschlag in der elsässischen Metropole am Dienstagabend mit inzwischen vier Todesopfern verantwortlich sein.


French police officers block the road near the site where Cherif Chekatt, the alleged gunman who had been on the run since allegedly killing three people at Strasbourg's popular Christmas market, has been shot dead by police on December 13, 2018 in the Neudorf neighbourhood of Strasbourg. - More than 700 French security forces had been hunting for 29-year-old Chekatt since the bloodshed on December 11. (Photo by Alain JOCARD / AFP)
Polizei erschießt Chérif Chekatt in Straßburg
Der mutmaßliche Straßburg-Attentäter Chérif Chekatt ist am Donnerstagabend von der Polizei erschossen worden. Der Zugriff erfolgte unweit des Viertels Neudorf. Unterdessen ist ein viertes Opfer zu beklagen.

Dank aus Paris

Staatschef Emmanuel Macron dankte bei einem Besuch in Straßburg am Freitagabend den Sicherheitskräften. Unter dem Denkmal für den elsässischen General Jean-Baptiste Kléber legte der 40-Jährige eine weiße Rose nieder. Unter dem Monument standen viele Kerzen. Macron sprach auch mit Bürgern und Vertretern der Stadt und schüttelte viele Hände. Laut Élyséekreisen traf der Staatschef auch Soldaten, die nach dem Anschlag auf Chekatt geschossen hatten.

Nach Angaben von Chefermittler Heitz befanden sich sieben Menschen in Gewahrsam. Bei vier von ihnen handelte es sich demnach um Familienangehörige von Chekatt, bei den drei anderen um der Familie nahestehende Personen. Zwei von ihnen seien in der Nacht zum Freitag festgenommen worden.

Emmanuel Macron legte eine weiße Rose nieder.
Emmanuel Macron legte eine weiße Rose nieder.
AFP

Zum Motiv des mutmaßlichen Attentäters äußerte sich Heitz nicht weiter. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte den Anschlag nach dem Tod Chekatts für sich. Der Angreifer sei ein Soldat des Islamischen Staates gewesen, meldete das IS-Sprachrohr Amak. Frankreichs Innenminister Christophe Castaner nannte die Reklamation „opportunistisch“ - sie ändere nichts. „Hier war ein Mann in unserer Mitte, der das Böse nährte“, sagte er.


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Bekannt ist, dass der Angreifer Zeugen zufolge „Allahu Akbar“ (Allah ist groß) gerufen hat. Außerdem sei eine Radikalisierung Chekatts während eines Gefängnisaufenthaltes aufgefallen, hieß es vonseiten der Behörden. Er wurde in zwei Antiterrorverzeichnissen der französischen Regierung geführt und vom Geheimdienst überwacht.

Höchste Alarmstufe

Die Regierung warnt inzwischen nur noch vor einem Anschlagsrisiko. Nach dem Anschlag hatte für einige Tage lang die höchste Warnstufe gegolten.

Am Freitagvormittag wurde der Weihnachtsmarkt in der Elsass-Metropole wiedereröffnet. Innenminister Castaner und der Straßburger Bürgermeister Roland Ries gingen über den Markt in der Innenstadt und sprachen mit Verkäufern und Besuchern. Der Platz wurde von Polizei und Soldaten abgesichert. Hunderte Menschen schlenderten zur Eröffnung über den Markt. An den Buden konnte man wieder Glühwein und Essen kaufen. Castaner dankte den Sicherheitskräften für ihren Einsatz.

Macron demonstrierte Volksnähe in Straßburg.
Macron demonstrierte Volksnähe in Straßburg.
AFP

Chekatt hatte die Einsatzkräfte in Frankreich und Deutschland zwei Tage lang in Atem gehalten. Chefermittler Heitz zufolge sind bei der Polizei rund 800 Hinweise eingegangen. Die Beamten hatten nach mehreren Hinweisen ihre Fahndung vor allem auf den Straßburger Stadtteil Neudorf konzentriert. Dorthin hatte sich Chekatt nach der Tat mit einem Taxi fahren lassen.


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Eine Polizeistreife spürte den 29-Jährigen dort schließlich am Freitagabend auf. Chekatt wollte in einem Hauseingang verschwinden, konnte aber die Tür nicht öffnen. Er drehte sich anschließend um und eröffnete das Feuer auf die Polizisten. Diese schossen zurück und töteten ihn.


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