Attentat auf den Champs-Elysées

Französischer Polizist bei IS-Anschlag getötet

Sicherheitskräfte sperren die Avenue des Champs-Elysées ab, auf der ein Täter das Feuer gegen zwei Polizisten eröffnete.
Sicherheitskräfte sperren die Avenue des Champs-Elysées ab, auf der ein Täter das Feuer gegen zwei Polizisten eröffnete.
Foto: Reuters

(dpa/vb/Cl.F.) - In Paris hat es unmittelbar vor der französischen Präsidentschaftswahl einen tödlichen Angriff auf Polizisten gegeben. Auf den Champs-Élysées kam es am Donnerstagabend zu einer Schießerei, bei der ein Beamter getötet wurde. Zwei weitere Polizisten wurden verletzt. Das bestätigte eine Sprecherin der Polizeipräfektur am Donnerstagabend.

Kurz vor Mitternacht bekannte sich die Terrormiliz "Islamischer Staat" via ihr Sprachrohr Amak zu dem Anschlag. Der Täter höre auf den Namen "Abu Yussef, der Belgier" und sei IS-Kämpfer. Die Nachricht konnte zunächst nicht unabhängig auf ihre Echtheit überprüft werden. Sie wurde aber über die Kanäle verbreitet, über die der IS in der Vergangenheit auch ähnliche Anschläge für sich beansprucht hat - etwa nach den Attacken in Ägypten oder London.

Die französische Polizei fahndete in der Nacht nach einem zweiten Verdächtigen, der von belgischen Sicherheuitskräften identifiziert worden sei. Am Freitagmorgen stellte sich ein Mann in Antwerpen den belgischen Behörden. Ob er Verbindungen zum Attentäter hat, war zunächst nicht klar. Nach weiteren Erkenntnissen soll er aber nichts mit dem Angriff zu tun haben.

Französische Ermittler haben unterdessen drei Personen aus dem familiären Umfeld des getöteten Angreifers von den Champs-Élysées in Polizeigewahrsam vernommen. Es handele sich um das klassische Vorgehen in solchen Fällen, hieß es.

Der Ablauf

Ein Auto habe gegen 21 Uhr neben einem Polizeiwagen gehalten, ein Insasse des Autos habe das Feuer eröffnet und einen Polizisten getötet, hieß es von offizieller Seite. Anschließend habe er nach ersten Informationen versucht, zu Fuß zu fliehen, und habe dabei auf weitere Polizisten geschossen und zwei verletzt. Die Beamten hätten ihn niedergeschossen.


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Der Mann habe wohl eine automatische Waffe benutzt. Es sei noch zu früh, um etwas zum Motiv des Angreifers zu sagen. Ein Polizeigewerkschafter sagte nach Angaben des Senders BFMTV, derzeit werde weder ein krimineller Hintergrund noch ein Terrorakt ausgeschlossen.

Die Anti-Terror-Abteilung der Pariser Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen.

Polizisten durchsuchten noch am Abend die Wohnung des getöteten Angreifers im Umland von Paris, wie es aus Ermittlerkreisen hieß. Die Nachrichtenagentur AFP berichtete unter Berufung auf eine Quelle im Umfeld der Ermittlungen, dass es gegen den Mann bereits eine Untersuchung von Anti-Terror-Ermittlern gegeben habe: Er habe die Absicht erkennen lassen, Polizisten zu töten.



US-Präsident Donald Trump hat Frankreich nach den tödlichen Schüssen auf Polizisten in Paris sein Beileid ausgesprochen. „Es sieht nach einem weiteren Terroranschlag aus“, sagte Trump am Donnerstag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem italienischen Ministerpräsidenten Paolo Gentiloni in Washington.

Die Polizei hatte erst am Dienstag in Marseille zwei mutmaßliche Islamisten festgenommen, in deren Wohnung ein Waffenarsenal versteckt war. Laut Anti-Terrorstaatsanwalt François Molins drohte ein Anschlag in den nächsten Tagen.

Präsidentschaftswahl am Sonntag

Die Sicherheitsmaßnahmen wurden daraufhin verstärkt. Innenminister Matthias Fekl hatte bereits angekündigt, dass die Präsidentenwahl an diesem Sonntag von 50 000 Polizisten und Soldaten geschützt werden soll. Die entscheidende Stichwahl ist für den 7. Mai geplant.

Trotz der Terrorgefahr setzten die Kandidaten ihren Wahlkampf fort. Am Donnerstagabend traten die elf Kandidaten beim Fernsehsender France 2 nacheinander zu Kurzinterviews auf.

Beim ersten Wahlgang wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen der Rechtspopulistin Marine Le Pen mit dem Mitte-Links-Kandidaten Emmanuel Macron erwartet.