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Attentäter wollten eigentlich in Frankreich zuschlagen
International 3 Min. 10.04.2016 Aus unserem online-Archiv
Terroranschläge in Brüssel

Attentäter wollten eigentlich in Frankreich zuschlagen

Der "Mann mit Hut" wurde am Tag der Brüsseler Anschläge von Überwachungskameras gefilmt. Seine Jacke hat er laut Staatsanwaltschaft in einen Mülleimer geworfen, den Hut verkauft.
Terroranschläge in Brüssel

Attentäter wollten eigentlich in Frankreich zuschlagen

Der "Mann mit Hut" wurde am Tag der Brüsseler Anschläge von Überwachungskameras gefilmt. Seine Jacke hat er laut Staatsanwaltschaft in einen Mülleimer geworfen, den Hut verkauft.
Foto: REUTERS
International 3 Min. 10.04.2016 Aus unserem online-Archiv
Terroranschläge in Brüssel

Attentäter wollten eigentlich in Frankreich zuschlagen

Diane LECORSAIS
Diane LECORSAIS
Die Islamisten wollten eigentlich erneut Frankreich treffen - wichen aber unter Zeitdruck nach Brüssel aus. Dies teilte die belgische Staatsanwaltschaft mit. Der als „Mann mit dem Hut“ gesuchte dritte Terrorverdächtige des Flughafens ist indes gefasst.

(dpa) - Die Attentäter von Brüssel wollten eigentlich einen neuen Terroranschlag in Frankreich verüben. Die Islamisten kamen aber wegen intensiver Polizeiermittlungen unter Zeitdruck und wichen auf Brüssel als Anschlagsziel aus. Dies teilte die Staatsanwaltschaft in Belgien am Sonntag mit. Sie identifizierte zudem den fieberhaft gesuchten „Mann mit Hut“, den dritten mutmaßlichen Terroristen vom Brüsseler Flughafen: Es ist der schon Freitag gefasste 31-jährige Belgier Mohamed Abrini.

Dieser Fahndungserfolg untermauert die Verbindungen zwischen den Terrorserien von Brüssel und Paris. Abrini wurde bereits seit Ende November wegen mutmaßlicher Unterstützung der Pariser Anschläge mit 130 Todesopfer gesucht. Nach seiner Festnahme am Freitag konfrontierten die Ermittler den 31-Jährigen mit Indizien, worauf dieser seine Anwesenheit am Tatort zugab.

Abrini werden Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung sowie terroristische Morde vorgeworfen - sowohl im Verfahren zur Pariser Mordserie als auch in den Ermittlungen zu den Brüsseler Anschlägen vom 22. März. Auf Fahndungsfotos und -videos vom Flughafen war er stets mit einer hellen Jacke und einem dunklen Hut zu sehen gewesen, an der Seite der beiden Selbstmordattentäter. Nun sagte Abrini den Ermittlern, er habe die Jacke später in einen Mülleimer geworfen und den Hut verkauft.

Enge Verbindung zwischen Tätern aus Paris und Brüssel

Mit Osama K. ist zudem der zweite überlebende Terrorverdächtige, der an einem der Tatorte beobachtet wurde, verhaftet worden. Er konnte als Begleiter des Brüsseler Attentäters, der sich in der Metro in die Luft sprengte, identifiziert werden. Auch beim Einkauf der Taschen, die die Terroristen bei den Anschlägen nutzen, sei er dabei gewesen, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Ihm wird die Beteiligung an terroristischen Morden zur Last gelegt. Gegen ihn, Abrini und zwei weitere Männer wurde Haftbefehl erlassen, allen wird die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen.

Mit der Identifizierung Abrinis wird immer deutlicher, dass die Täter der Brüsseler und Pariser Terroranschläge in äußerst enger Verbindung standen. Denn Abrini war auch in die Mordserie von Paris verwickelt, obwohl seine genaue Rolle unklar ist. Er war zwei Tage vor den Attentaten gemeinsam mit dem inzwischen festgenommenen Salah Abdeslam an einer Tankstelle an der Autobahn nach Paris gefilmt worden. Mit Abdeslam, einem Hauptverdächtigen der Paris-Ermittlungen, soll Abrini auch eine Unterkunft für die Terroristen nahe Paris gemietet haben.

Dieses Bild wurde am 11. November 2015 im Norden von Paris von Bildern einer Überwachungskamera aufgenommen. Es zeigt Salah Abdeslam (rechts) zusammen mit Mohamed Abrini - der nun als der "Mann mit Hut" identifiziert wurde.
Dieses Bild wurde am 11. November 2015 im Norden von Paris von Bildern einer Überwachungskamera aufgenommen. Es zeigt Salah Abdeslam (rechts) zusammen mit Mohamed Abrini - der nun als der "Mann mit Hut" identifiziert wurde.
Foto: AFP

Weitere Verdächtige festgenommen

Bei den Anschlägen am Brüsseler Flughafen und in einem U-Bahn-Wagen hatten die Terroristen am 22. März 32 Menschen getötet. Die Terrorserie von Paris am 13. November vergangenen Jahres kostete 130 Opfer das Leben, zudem starben am Tag der Anschläge und bei einer späteren Polizeiaktion insgesamt neun Attentäter. In beiden Fällen bekannte sich die Terrormiliz Islamischer Staat zu den Anschlägen, die in Syrien, im Irak und in Libyen große Gebiete beherrscht.

Neben Abrini und Osama K. sprach der Untersuchungsrichter auch Haftbefehle gegen zwei weitere mutmaßlich Beteiligte der Brüsseler Anschläge aus. Dem 25-jährigen Ruander Hervé B.M., der den Fahndern gemeinsam mit Osama K. ins Netz ging, werfen sie Komplizenschaft an terroristischen Morden vor.

Ehemaliges Mitglied von "Sharia4Belgium"

Die gleichen Anschuldigungen werden gegen den 27 Jahre alten Bilal E.M. erhoben. Er wird als Helfer von Mohamed Abrini und Osama K. eingestuft. Nach Berichten des Senders VRT und der Zeitung „De Standard“ soll es sich um einen Mann handeln, der vergangenes Jahr wegen Mitgliedschaft in der Islamisten-Organisation „Sharia4Belgium“ zu fünf Jahren Haft verurteilt worden war. Er sei damals aber vorzeitig freigekommen.

Zwei Personen, die gemeinsam mit Abrini festgenommen wurden, wurden nach eingehendem Verhör entlassen, so die Staatsanwaltschaft.

Die Staatsanwaltschaft bestätigte auch, dass eine mögliche Bleibe Abrinis durchsucht wurde sowie die Wohnungen der beiden Terrorverdächtigen Hervé B.M. und Bilal E.M. Die Durchsuchung eines mutmaßlichen Terroristenverstecks in der Brüsseler Gemeinde Etterbeek am Samstagmorgen verlief hingegen ergebnislos. Bei keiner der Razzien seien Waffen oder Sprengstoff gefunden worden.


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