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Attentäter von Hanau lebte drei Jahre lang in Trier
International 3 Min. 21.02.2020

Attentäter von Hanau lebte drei Jahre lang in Trier

Auf dem Marktplatz in Hanau stehen Kerzen und Kränze in Gedenken an die Opfer des Anschlags vom Donnerstagabend.

Attentäter von Hanau lebte drei Jahre lang in Trier

Auf dem Marktplatz in Hanau stehen Kerzen und Kränze in Gedenken an die Opfer des Anschlags vom Donnerstagabend.
Foto: AFP/Odd Andersen
International 3 Min. 21.02.2020

Attentäter von Hanau lebte drei Jahre lang in Trier

Medien zeichnen den Werdegang des mutmaßlichen Schützen von Hanau nach, der ein zutiefst rassistisches Weltbild besaß und wohl auch psychisch krank war. Beruflich war Tobias R. auch in Trier tätig.

(dpa/jt) - Zwei Tage nach dem rassistischen Attentat von Hanau werden immer mehr Details über den Schützen Tobias R. bekannt. Wie das Magazin "Der Spiegel" und der "Trierische Volksfreund" melden, lebte der Todesschütze von Hanau eine Zeit lang in Trier.

Laut "Spiegel" sei R. nach seinem Betriebswirtschaftsstudium in Bayreuth bei einer Vermögensberatung in Trier beschäftigt gewesen. Zwischen 2008 und 2011 habe er für die Firma MLP gearbeitet, bevor ihm gekündigt wurde. Offenbar sei er für den Job des Beraters, der 200 Kunden zu bedienen hätte, nicht geeignet gewesen. Anschließend nahm R. eine Stelle bei Check 24 in München an, so "Der Spiegel". 

In seiner Freizeit spielte er Fußball und war in zwei Schützenvereinen aktiv. Er besaß legal mehrere Waffen. Seine rassistische Gesinnung hielt R. vor seinem Umfeld offenbar weitgehend geheim. Ex-Kollegen beschreiben ihn als Eigenbrötler, der im Job "unglaublich ehrgeizig" gewesen sei. Seine sozialen Kompetenzen wären jedoch "bei null" gelegen, heißt es im "Spiegel"-Bericht.

Der Attentäter von Hanau in einem von ihm aufgenommenen Video vor der Tat.
Der Attentäter von Hanau in einem von ihm aufgenommenen Video vor der Tat.
Foto: Screenshot

In der Nacht zum Donnerstag hatte der 43 Jahre alte Deutsche in seiner Heimatstadt Hanau neun Menschen mit ausländischen Wurzeln erschossen. Nach Angaben des Landeskriminalamts hatten drei eine deutsche Staatsangehörigkeit und zwei eine türkische. Je eines der Opfer hatte eine bulgarische, eine rumänische und eine bosnisch-herzegowinische Staatsangehörigkeit, ein weiteres sowohl eine deutsche als auch eine afghanische. Zudem soll der Sportschütze seine 72 Jahre alte Mutter und sich selbst getötet haben. 

Gefährdungslage durch Rechtsextremismus "sehr hoch"

Bundesinnenminister Horst Seehofer kündigte indes eine stärkere Polizeipräsenz in ganz Deutschland an. Gesetze sollen aber nicht verschärft werden. Moscheen und andere „sensible Einrichtungen“ werden verstärkt überwacht, wie der CSU-Politiker am Freitag in Berlin sagte. Die Bundespolizei werde an Bahnhöfen, Flughäfen und an den Grenzen präsent sein.

Seehofer nannte die Bluttat einen rassistisch motivierten Terroranschlag. Ermittler gehen davon aus, dass Tobias R. psychisch krank war - betonen aber auch seine rassistische Gesinnung, die sich auch in seinem Pamphlet widerspiegle. Noch gebe es keine Hinweise auf Mitwisser oder Unterstützer des Anschlags. 

Minister Seehofer nannte die Gefährdungslage durch Rechtsextremismus, Antisemitismus und Rassismus „in Deutschland sehr hoch“. Nach dem Mordfall Lübcke und dem Anschlag von Halle sei dies der „dritte rechtsterroristische Anschlag in wenigen Monaten“.


20.02.2020, Berlin: Teilnehmer gedenken der in Hanau getöteten Menschen bei einer Mahnwache am Brandenburger Tor und halten ein Anti-AfD-Schild hoch. Bei einem mutmaßlich rechtsradikalen und rassistischen Anschlag hat ein 43-jähriger Deutscher im hessischen Hanau mehrere Menschen und sich selbst erschossen. Foto: Sonja Wurtscheid/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Nach Anschlag von Hanau: Kritik an der AfD nimmt zu
Wie ging der Attentäter von Hanau vor? Hatte er Unterstützer? Diese und andere Fragen beschäftigen die Ermittler nach den tödlichen Schüssen. In der politischen Debatte geht es vor allem um eine Partei.

In den vergangenen Tagen seien weitere Anschläge verhindert worden, Ermittler hätten Sprengstoff und Handgranaten in großer Zahl sowie automatische Waffen sichergestellt, sagt der Minister. Mit Nachahmungstätern müsse man nach einer so schrecklichen Tat immer rechnen. Den Rechtsextremismus bezeichnete Seehofer als höchste Sicherheitsbedrohung für Deutschland. Er fordere nun „nicht mehr Personal und auch nicht mehr Paragrafen“, sagte er. Die neu geschaffenen Möglichkeiten müssten genutzt werden. 

Bundesanwaltschaft kannte späteren Attentäter

Der Bundesanwaltschaft, die die Ermittlungen zu der Gewalttat in Hanau leitet, hatte schon im vergangenen November Kontakt mit dem Attentäter. Dieser habe Strafanzeige gegen eine unbekannte geheimdienstliche Organisation gestellt und darin zum Ausdruck gebracht, dass es eine übergreifende große Organisation gebe, die vieles beherrsche, „sich in die Gehirne der Menschen einklinkt und dort bestimmte Dinge dann abgreift, um dann das Weltgeschehen zu steuern“. Man habe aufgrund dieses Schreibens kein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Laut "Spiegel" war R. schon während seines Studiums davon überzeugt, dass er von einem Geheimdienst überwacht werde. Gegenüber Kollegen soll er von seinen rassistischen Ansichten keinen Hehl gemacht haben. So sei ihm die AfD nicht radikal genug gewesen.

AfD-Fraktionschef Alexander Gauland hatte zuvor Vorwürfe einer Mitverantwortung seiner Partei zurückgewiesen und von einem „offensichtlich völlig geistig verwirrten Täter“ gesprochen.  

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