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Attacke auf Raffinerie: Iran will kein Treffen mit Trump
International 3 Min. 16.09.2019

Attacke auf Raffinerie: Iran will kein Treffen mit Trump

Ein Satellitenbild vom 14. September zeigt Rauch über zwei großen Ölförderanlagen im östlichen Teil von Saudi-Arabien.

Attacke auf Raffinerie: Iran will kein Treffen mit Trump

Ein Satellitenbild vom 14. September zeigt Rauch über zwei großen Ölförderanlagen im östlichen Teil von Saudi-Arabien.
Foto: AFP/Nasa
International 3 Min. 16.09.2019

Attacke auf Raffinerie: Iran will kein Treffen mit Trump

Die Krise nach dem Angriff auf Saudi-Arabien ebbt nicht ab. Der Iran lehnt ein Treffen mit den USA ab, Donald Trump droht unterdessen mit einem Vergeltungsschlag.

(dpa/mth) - Nach den Drohnenangriffen auf die größte Ölraffinerie in Saudi-Arabien hat US-Präsident Donald Trump mit einem Vergeltungsschlag gedroht. Zu einem möglichen Treffen mit Donald Trump kam unterdessen aus dem Iran eine Absage: "Weder steht ein solches Ereignis an, noch wird es stattfinden", sagte der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Abbas Mousavi, im staatlichen Fernsehen. "Ein solches Treffen wird es nicht geben." Teheran hat ein solches Treffen wiederholt abgelehnt.

Zuvor hatte Trump am Sonntagabend (Ortszeit) auf Twitter seine eigene Aussage, dass er ohne Vorbedingungen zu einem Treffen mit der iranischen Führung bereit sei, dementiert. Am Samstag hatte US-Außenminister Mike Pompeo den Iran für die Angriffe in Saudi-Arabien verantwortlich gemacht, obwohl sich davor die Huthi-Rebellen im benachbarten Jemen ausdrücklich dazu bekannt hatten. Teheran bestritt jegliche Beteiligung.

"Beispielloser Angriff auf Welt-Energieversorgung"

Pompeo hatte am Samstag auf Twitter geschrieben: „Inmitten der Rufe nach Deeskalation hat der Iran jetzt einen beispiellosen Angriff auf die Welt-Energieversorgung verübt. Es gibt keinen Beweis, dass die Angriffe vom Jemen kamen.“

Donald Trump und der iranische Präsident Hassan Rouhani: Der US-Präsident revidiert seine eigenen Aussagen, wonach er ohne Vorbedingungen zu einem Treffen mit der iranischen Führung bereit sei.
Donald Trump und der iranische Präsident Hassan Rouhani: Der US-Präsident revidiert seine eigenen Aussagen, wonach er ohne Vorbedingungen zu einem Treffen mit der iranischen Führung bereit sei.
Foto: AFP/Nicholas Kamm/Handout

Der einflussreiche US-Senator und Trump-Vertraute Lindsey Graham hatte sich am Samstag dafür ausgesprochen, iranische Ölraffinerien anzugreifen. Ein solcher Schritt würde der Führung in Teheran „das Rückgrat brechen“, schrieb er auf Twitter.

Ölpreise verteuern sich

Indes sind die Ölpreise am Montag deutlich gestiegen. In den ersten Handelsminuten waren die Preise für Öl bis zu 20 Prozent geklettert, bevor sie einen Teil des Anstiegs wieder abgaben. Zuletzt verteuerte sich ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent um 6,60 Dollar oder knapp elf Prozent auf 66,82 Dollar - und damit auf den höchsten Stand seit Mitte Juli. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) legte um 5,34 Dollar oder knapp zehn Prozent auf 60,19 Dollar zu. Auch diese Sorte war zuletzt Mitte Juli so teuer.

Das läuft an den Börsen: Die aktuellen Kurse

US-Präsident Donald Trump genehmigte die Freigabe von nationalen Ölreserven im Falle von Engpässen. Er schrieb am Sonntagabend auf Twitter, ausgehend von dem Angriff, „der sich auf die Ölpreise auswirken könnte“, habe er – falls erforderlich – die Freigabe genehmigt. Die Menge habe er noch nicht festgelegt, aber sie werde ausreichend sein, „um die Märkte gut zu versorgen“.

Die Energieagentur IEA in Paris sieht zunächst keine Versorgungsprobleme. Vorerst seien die Märkte gut mit reichlich kommerziellen Beständen versorgt.

Der Präsident des deutschen Ifo-Instituts, Clemens Fuest, rechnet damit, dass sich der Ölpreis nach einem kräftigen Anstieg voraussichtlich schnell wieder normalisieren werde. „Dauerhaft steigende Ölpreise und folglich Belastungen für die Konjunktur sind nur zu erwarten, wenn das Ölangebot tatsächlich dauerhaft verknappt wird“, sagte Fuest der Deutschen Presse-Agentur. Die Anrainerstaaten des persischen Golfs produzierten gut ein Drittel des weltweiten Öls. Wenn es dort zu einem massiven bewaffneten Konflikt käme, wäre die globale Ölversorgung gestört, und die Preise würden deutlich steigen: „Derzeit spricht jedoch wenig dafür, dass es dazu kommt.“

Wie ernst der Schaden sei und wie lange es dauere, bis die Produktionskapazität in Saudi-Arabien wieder voll hergestellt werden könne, sei ungewiss, schrieb Unicredit-Chefvolkswirt Erik Nielsen in London. Die Störung des Ölkreislaufs sei ziemlich bedeutend, urteilte Mele Kari, Chef des staatlichen nigerianischen Ölförderers Nigerian National Petroleum Corporation, im Interview des Finanzsenders Bloomberg TV. „Wenn sie anhält, könnte sie eine große Herausforderung für den Ölmarkt sein.“ Energieanalyst Joe McMonigle von der Investmentberatung Hedgeye Risk Management sagte, sollten die USA ihre strategische Ölreserve anzapfen, könnte das – insbesondere bei einer koordinierten Aktion mit der Internationalen Energieagentur (IEA) – einen rasanten Anstieg der Ölpreise dämpfen.


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