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Atomwaffen in Belgien: Alte Polemik flammt erneut auf
International 2 Min. 18.07.2019

Atomwaffen in Belgien: Alte Polemik flammt erneut auf

Eine Atombombe des Typs B61 in einem Museum. Die aktuell in Belgien gelagerten Waffen gehören einem neuen Typ B61-12 an.

Atomwaffen in Belgien: Alte Polemik flammt erneut auf

Eine Atombombe des Typs B61 in einem Museum. Die aktuell in Belgien gelagerten Waffen gehören einem neuen Typ B61-12 an.
International 2 Min. 18.07.2019

Atomwaffen in Belgien: Alte Polemik flammt erneut auf

Die Nato hat ungewollt bestätigt, dass im flämischen Kleine Brogel US-Atomwaffen lagern. Das ist nicht neu, sorgt aber trotzdem für Aufregung.

(mth) - Eine jahrzehntealte Polemik um US-Atomwaffen, die in Belgien gelagert sind, ist in den vergangenen Wochen erneut aufgeflammt. Konkret geht es um B61-Atombomben, die seit dem Kalten Krieg auf der belgischen Luftwaffenbasis Kleine Brogel nördlich von Hasselt gelagert sind.


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Auslöser der Diskussion, die sich derzeit in Belgien zum Politikum entwickelt, ist ein vor kurzem veröffentlichtes Dokument, das die Parlamentarier der NATO-Mitgliedstaaten über die Erneuerung von in Europa stationierten US-Atomwaffen informieren sollte. Darin werden neben Kleine Brogel fünf weitere europäischen Standorten  erwähnt, an denen Bomben gelagert werden: Aviano und Ghedi-Torre in Italien, Büchel in Deutschland, Volkel in den Niederlanden und Incirlik in der Türkei.

Insgesamt sollen sich 150 taktische Kernwaffen des Typs B61 in Europa befinden, die für den Einsatz an Kampfjets gedacht sind. Deren Sprengkraft soll zwischen einer Kilotonne und 340 Kilotonnen TNT liegen. Zum Vergleich: die über Hiroshima abgeworfene Bombe "Little Boy" hatte eine Sprengkraft von 12 Kilotonnen TNT.

In Kleine Brogel sollen "rund ein Dutzend" solcher Bomben lagern, wie Presseagentur Belga berichtete.

Kein Geheimnis, aber Geheimniskrämerei

Dass die US-Streitkräfte in Kleine Brogel Atomwaffen lagern, ist eigentlich seit Jahrzehnten bekannt gewesen - aber nur inoffiziell, denn die US-Regierung wollte die Information nie bestätigen, während die Regierung zwar in den 1980er Jahren die Präsenz der Bomben bestätigte, ohne jedoch weitere Details zu liefern. Bereits 2012 waren jedoch im Rahmen der Wikileaks-Enthüllungen Details über die in Europa stationierten Atomwaffen bekannt geworden.

Sogar im Wikipedia-Artikel zum Militärflugplatz Kleine Brogel steht zu lesen: "In (der Luftwaffenbasis) werden seit 1984 Nuklearsprengköpfe gelagert, die von der 701st Munitions Support Squadron (MUNSS) der USAFE, administrativ dem 52nd Fighter Wing in Spangdahlem unterstehend, bewacht werden".


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Die Informationen in dem neuen Dokument sollten offenbar gar nicht an die Öffentlichkeit gelangen:  Wie mehrere flämische Medien berichten, wurde die entsprechende Textpassage aus dem endgültigen Dokument gestrichen.

Mehrere belgische Oppositionspolitiker wollen nun einen Abzug der Kernwaffen erreichen, da deren Lagerung in Belgien in ihren Augen den Atomwaffensperrvertrag von 1968 verletzt, den Belgien unterzeichnet und ratifiziert hat. Die flämischen Sozialisten fordern nun eine "transparente Debatte" im Parlament.



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