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Asselborn hofft nach Moria-Brand auf konkrete Hilfe der EU-Länder
International 2 Min. 09.09.2020

Asselborn hofft nach Moria-Brand auf konkrete Hilfe der EU-Länder

Zerstörungen im Flüchtlingslager Moria.

Asselborn hofft nach Moria-Brand auf konkrete Hilfe der EU-Länder

Zerstörungen im Flüchtlingslager Moria.
Foto: AFP
International 2 Min. 09.09.2020

Asselborn hofft nach Moria-Brand auf konkrete Hilfe der EU-Länder

Michael MERTEN
Michael MERTEN
Die Feuerkatastrophe im Flüchtlingslager Moria muss die EU-Mitgliedsstaaten aufrütteln, fordert Außenminister Jean Asselborn. Es gelte jetzt, zügig weitere minderjährige Flüchtlinge umzuverteilen.

Nach dem verheerenden Feuer im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos hofft Außenminister Jean Asselborn (LASP) auf schnelle Hilfen der EU-Mitgliedstaaten. Es dürfe nicht so weitergehen, dass die Staaten sich nur in außergewöhnlichen Situationen für kurze Zeit zusammen rauften, sagte Asselborn dem „Luxemburger Wort“. „Ich hoffe nur, dass jetzt wirklich ein Ruck durch viele Länder geht und sie einsehen, dass wir in der Migrationsfrage nicht so weiter tuckern können.“ 

Nur wenige Länder hätten in den vergangenen Monaten tatsächlich Anstrengungen unternommen, um wie zugesagt insgesamt 1.600 unbegleitete oder kranke Kinder und Jugendliche von den griechischen Inseln aufzunehmen. „Es macht mich wütend, wenn ich das sehe“, sagte Asselborn und betonte, es sei Kernaufgabe der EU, die Menschlichkeit voranzubringen. 

Jean Asselborn ist über die Untätigkeit vieler EU-Mitgliedsstaaten erbost.
Jean Asselborn ist über die Untätigkeit vieler EU-Mitgliedsstaaten erbost.
Foto: Anouk Antony

„Wenn Luxemburg es hinbekommt, zwölf Jugendliche aus den Inseln herauszubekommen - auch in der Covid-Zeit - warum sind die anderen Länder nicht gefolgt?“, so Asselborn. Bislang seien erst 436 Jugendliche relokalisiert worden. „Das Problem ist, dass wir krank sind in Europa, solange wir keine gemeinsame Migrationspolitik haben.“ Die Staatengemeinschaft werde ohne Solidarität nicht überleben können.


TOPSHOT - Migrants sit inside the burnt Moria Camp on the Greek island of Lesbos on September 9, 2020, after a major fire. - Thousands of asylum seekers on the Greek island of Lesbos fled for their lives early September 9, as a huge fire ripped through the camp of Moria, the country's largest and most notorious migrant facility. Over 12,000 men, women and children ran in panic out of containers and tents and into adjoining olive groves and fields as the fire destroyed most of the overcrowded, squalid camp. The blaze started just hours after the migration ministry said that 35 people had tested positive at the camp. (Photo by Anthi PAZIANOU / AFP)
Lesbos: 12.000 Flüchtlinge nach Großbrand obdachlos
Seit Jahren kritisieren NGOs, Politiker und Inselbewohner die Lage im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos. Nun ist das Lager vom Feuer zerstört - und Tausende Migranten über Nacht obdachlos.

Am Mittwoch zeigte sich auch EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen angesichts der Katastrophe betroffen. Sie sagte zu, den unverzüglichen Transfer und die Unterbringung der verbleibenden 400 unbegleiteten Kinder und Jugendlichen in dem Lager aufs Festland zu finanzieren. „Wir stehen mit den Mitgliedstaaten bereit, zu helfen.“ Priorität habe die Sicherheit jener, die ohne Obdach seien.

Die zwölf unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge bei ihrer Ankunft in Luxemburg.
Die zwölf unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge bei ihrer Ankunft in Luxemburg.
Foto: Gerry Huberty

Auch aus Berlin gab es Signale, Athen zu helfen: „Wir befinden uns seit gestern in intensiven Gesprächen mit der griechischen Regierung“, schrieb der Sprecher des Bundesinnenministeriums, Steve Alter, am Mittwoch bei Twitter.


ARCHIV - 22.01.2020, Griechenland, Lesbos: Migranten gehen an Müllsäcken vorbei in einem provisorischen Lager neben dem Lager in Moria. Die Lager auf den Inseln Lesbos, Samos, Chios, Kos und Leros sind völlig überfüllt, und die Atmosphäre ist entsprechend verzweifelt und aufgeheizt. (zu dpa "Migrationskrise in der Ägäis: Insulaner blockieren Zufahrtsstraßen" am 24.02.2020) Foto: Angelos Tzortzinis/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Die Reportage am Wochenende: Hilferufe aus der „Hölle von Moria“
Die Flüchtlingskrise auf den griechischen Inseln spitzt sich zu. Immer mehr Schutzsuchende kommen aus der Türkei über die Ägäis. Die Situation der Menschen in den Camps wird immer verzweifelter.

Asselborn sagte, seit der Nachricht über den Brand sei er mit dem UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR und der luxemburgischen Botschaft in engem Austausch, um nun kurzfristig eine Familie mit drei kleinen Kinder „so schnell wie möglich nach Luxemburg zu bekommen, dass sie da rauskommen.“ Dies sei ein Signal: „Um zu zeigen, dass uns nicht alles egal ist.“

Auch der luxemburgische Erzbischof, Kardinal Jean-Claude Hollerich, zeigte sich bestürzt über den Großbrand im Flüchtlingscamp. „Ich glaube, was da brennt oder gebrannt hat, ist nicht nur Moria, das Flüchtlingscamp, die Hoffnung der Leute ist weggebrannt. Auch die Menschlichkeit Europas, die Tradition des Humanismus, des Christentums, ist nicht mehr vorhanden“, sagte Hollerich, der auch Präsident der europäischen Bischofskommission COMECE ist, dem römischen Sender Radio Vatikan.

In der Nacht zum Mittwoch war das für rund 3.000 Menschen ausgelegte Lager Moria nahezu komplett niedergebrannt. Wie es zu dem Feuer kam, ist noch unklar. Zuletzt lebten schätzungsweise 12.000 Flüchtlinge in und um Moria. Viele Menschen flohen laut Angaben von Augenzeugen in Panik; manche versuchten, sich in der nahe gelegenen Stadt Mytilini in Sicherheit zu bringen. Helfer sprachen von dramatischen Situationen.  mit dpa/KNA

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