Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Asche von Holocaust-Opfern vor dem Reichstag: Aktivisten entschuldigen sich
International 3 2 Min. 04.12.2019

Asche von Holocaust-Opfern vor dem Reichstag: Aktivisten entschuldigen sich

Eine Säule, die Asche von Holocaust-Opfern enthalten soll, steht vor dem Reichstag. Mittlerweile ist sie blickdicht abgeklebt.

Asche von Holocaust-Opfern vor dem Reichstag: Aktivisten entschuldigen sich

Eine Säule, die Asche von Holocaust-Opfern enthalten soll, steht vor dem Reichstag. Mittlerweile ist sie blickdicht abgeklebt.
Foto: Paul Zinken/dpa
International 3 2 Min. 04.12.2019

Asche von Holocaust-Opfern vor dem Reichstag: Aktivisten entschuldigen sich

Sarah CAMES
Sarah CAMES
Nachdem das Künstlerkollektiv "Zentrum für Politische Schönheit" für die Aktion stark kritisiert wurde, ruderten die Aktivisten am Mittwochabend zurück und entschuldigten sich in einer Stellungnahme.

Am Montag hatten Aktivisten des politischen Künstlerkollektivs "Zentrum für Politische Schönheit" mit einer Aktion für Aufsehen gesorgt: Mitten in Berlin, in Sichtweite des Reichstags, hatte die Gruppe eine Säule errichtet, die nach eigenen Angaben die sterblichen Überreste von Holocaust-Opfern enthalten soll.

An dem Platz stand während des Nazi-Regimes die Krolloper, die als Ersatzgebäude des 1933 abgebrannten Parlaments diente. "An diesem Ort legte vor genau 86 Jahren der deutsche Konservatismus die Demokratie in die Hände von Hitler und seinen Nazischergen. Die Vernichtung von Millionen Menschen nahm hier ihren Lauf", erklärten die Aktivisten.

Die im Zuge der Aktion "Sucht nach uns!" aufgestellte Stahlsäule, die rund zweieinhalb Meter hoch ist und etwa vier Tonnen wiegen soll, sollte gleichzeitig als Gedenkstätte und als Mahnmal dienen.

"Es geht um die letzte deutsche Diktatur und darum, ob sie uns wieder droht", so Philipp Ruch, der Gründer der Gruppe, am Montag. Die Aktion solle an die "historische Schuld des deutschen Konservatismus" erinnern, "sich mit Faschisten eingelassen zu haben" und die Opfer des Holocaust "der Lieblosigkeit" und Vergessenheit entreißen.

Im Rahmen der gleichen Aktion "entführten" Aktivisten des "Zentrum für Politische Schönheit" außerdem den Grabstein des früheren deutschen Reichskanzlers und Nazi-Wegbereiters Franz von Papen aus dem saarländischen Wallerfangen.

Heftige Kritik

Dem "Zentrum für Politische Schönheit", das für seine kontroversen Aktionen bekannt ist und dafür auch bereits häufig in die Kritik geraten ist, schlug nach der Aktion auf dem Platz der Republik jedoch ein besonders starker Gegenwind entgegen.


An der Stelle, wo Franz von Papens Grabstein liegen sollte, klafft eine Lücke im Boden.
Aktivisten entwenden Grabstein von Nazi-Wegbereiter Franz von Papen
Das "Zentrum für politische Schönheit" hat im Saarland offenbar den Grabstein des früheren deutschen Reichskanzlers und NSDAP-Politikers Franz von Papen abgebaut. Der Raub ist Teil einer größeren politischen Kunstaktion in Berlin.

Christoph Heubner, Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees, äußerte sich der "Jüdischen Allgemeinen" gegenüber zu der Aktion: "Auschwitz-Überlebende sind bestürzt darüber, dass mit diesem Mahnmal ihre Empfindungen und die ewige Totenruhe ihrer ermordeten Angehörigen verletzt werden."

Die Abteilung des "American Jewish Comitee" in Berlin schrieb über Twitter, die Aktion sei "eine skandalöse Störung der Totenruhe" und entwürdige und entmenschliche die Opfer auf ein Neues. Die Asche der Ermordeten eigne sich nicht für "schiefe historische und politische Vergleiche".

Der Grünen-Politiker Volker Beck erstattete wegen der Aktion Anzeige beim Staatsschutz.

Das "Zentrum für Politische Schönheit" entschuldigt sich

Offenbar als Reaktion auf die Kritik, vor allem aus der jüdischen Gemeinschaft, haben die Aktionskünstler des "ZPS" am Mittwochabend Stellung genommen und sich für ihre Aktion entschuldigt. 

"Es lag uns nichts ferner, als die religiösen und ethischen Gefühle von Überlebenden und Nachkommen der Getöteten zu verletzen. Wir wollen bei Betroffenen, Angehörigen und Hinterbliebenen aufrichtig um Entschuldigung bitten, die wir in ihren Gefühlen verletzt haben."

Ziel der Aktion sei nie gewesen, Konflikte zwischen Menschen, die "auf derselben Seite kämpfen", zu schüren.

Wenn sich Menschen, auf deren Seite wir uns sehen und mit denen uns tiefe Sympathie verbindet, gegen uns Position beziehen, dann zeigt das, dass wir Fehler gemacht haben. Diese Fehler wollen wir jetzt korrigieren.

Zentrum für Politische Schönheit

In der Stellungnahme kündigte das "Zentrum für Politische Schönheit" an, die Säule im Regierungsviertel verhüllen zu wollen und eine damit zusammenhängende Crowdfunding-Seite auszusetzen. Auch eine für Samstag geplante Kundgebung vor der Säule wurde laut Stellungnahme abgesagt.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Politische Aktionskunst: Ein Mahnmal für Björn Höcke
Das politische Künstlerkollektiv "Zentrum für politische Schönheit" hat direkt neben dem Wohnhaus des Rechtsaußen-Politikers Björn Höcke (AfD) eine Replik des Berliner Holocaust-Mahnmals aufgestellt. Grund war eine Äußerung Höckes im Januar.
24 solcher Betonstelen hat die Künstlergruppe in Björn Höckes Wohnort aufgestellt.
Lust auf noch mehr Wort?
Lust auf noch mehr Wort?
7 Tage gratis testen
E-Mail-Adresse eingeben und alle Inhalte auf wort.lu lesen.
Fast fertig...
Um die Anmeldung abzuschließen, klicken Sie bitte auf den Link in der E-Mail, die wir Ihnen gerade gesendet haben.