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Antisemitismus-Vorwurf: Karneval in Aalst nicht mehr Kulturerbe
International 2 Min. 13.12.2019 Aus unserem online-Archiv

Antisemitismus-Vorwurf: Karneval in Aalst nicht mehr Kulturerbe

Antisemitismus-Vorwurf: Karneval in Aalst nicht mehr Kulturerbe

Foto: Screenshot Youtube Stad Aalst
International 2 Min. 13.12.2019 Aus unserem online-Archiv

Antisemitismus-Vorwurf: Karneval in Aalst nicht mehr Kulturerbe

Ein Mottowagen beim Aalster Straßenkarneval, der klischeehafte Judenfiguren in Zusammenhang mit Geldgier brachte, sorgte im März für internationales Aufsehen. Das kostete die Stadt ihren Unesco-Eintrag.

(KNA) - Zum ersten Mal hat die Unesco eine Tradition von der Liste des Immateriellen Kulturerbes gestrichen. Der seit 2010 aufgeführte Straßenkarneval im belgischen Aalst steht ab sofort nicht mehr auf der Liste, teilte die Deutsche Unesco-Kommission am Freitagabend in Bonn mit. Zur Begründung hieß es: "In den vergangenen Jahren nahmen wiederholt Festwagen mit rassistischen und antisemitischen Darstellungen am Straßenkarneval in der belgischen Stadt teil." Dies sei "weder mit den Grundprinzipien des Übereinkommens zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes noch mit den in ihrer Charta niedergelegten Werten vereinbar", hieß es weiter.   

In den vergangenen Jahren nahmen wiederholt Festwagen mit rassistischen und antisemitischen Darstellungen am Straßenkarneval in der belgischen Stadt teil. 

Die UN-Kulturorganisation stehe zu ihren Grundprinzipien der Würde, Gleichheit und des gegenseitigen Respekts und verurteile alle Formen von Rassismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit. 

Streichung auf Betreiben der Stadt

Die Stadt hatte zuvor selbst darum gebeten, ihren Karneval von der Weltkulturerbeliste zu streichen. "Die Aalster Bürger haben die grotesken Anschuldigungen satt", zitierten belgische Medien Bürgermeister Christoph D'Haese: "Wir sind keine Antisemiten oder Rassisten." Aalst werde aber immer "die Hauptstadt des Spotts und der Satire" sein. 


Karneval in Aalst: Antisemitische Karikaturen und Spottlieder
Empörung beim Straßenkarneval in der flämischen Kleinstadt Aalst: Ein Motivwagen hatte auf Geldsorgen der Karnevalstruppe aufmerksam machen wollen - und bediente sich dabei beleidigender antijüdischer Stereotype.

Ein Paradewagen des diesjährigen Karnevals vom März sorgte für die heftigen Diskussionen. Im Kern ging es dabei um die Frage, ob die nachgebildeten jüdisch-orthodoxen Figuren auf dem Wagen "Sabbatjahr" als antisemitisch zu werten sind. Die belgische Antidiskriminierungsstelle Unia sah "keine bewusste Anstiftung zu Hass, Diskriminierung oder Gewalt gegen Juden". Das Forum jüdischer Organisationen in Belgien (FJO) bewertete den Paradewagen hingegen als "pure Provokation". Noch bis Samstag berät der zwischenstaatliche Ausschuss der Unesco in Bogota in Kolumbien über die Aufnahme lebendiger Traditionen, Bräuche und Handwerkstechniken in die Unesco-Listen des Immateriellen Kulturerbes.

Rassismus auch bei der "Ducasse" von Ath

Der Aalster Straßenkarneval ist nicht die einzige belgische Traditionsveranstaltung, die mit grenzwertigen Darstellungen auffällt: Bei der "Ducasse von Ath" hatte es in diesem Jahr ebenfalls eine Debatte gegeben, ob die Figur des "Wilden", der durch die Straßen geführt wird, noch zeitgemäß ist. Die "Ducasse" ist seit 2005 ebenfalls immaterielles Weltkulturerbe der Unesco. Eine Antirassismusgruppe aus Brüssel hatte von der Unesco in einem Brief die Streichung von der Liste verlangt.


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