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Antisemitismus bei Lufthansa-Flug?
International 2 2 Min. 11.05.2022
Die Fluglinie entschuldigt sich

Antisemitismus bei Lufthansa-Flug?

Die Fluglinie entschuldigt sich

Antisemitismus bei Lufthansa-Flug?

Foto: Sebastian Gollnow/dpa
International 2 2 Min. 11.05.2022
Die Fluglinie entschuldigt sich

Antisemitismus bei Lufthansa-Flug?

Lufthansa untersagte einer Gruppe orthodoxer Juden aus New York den Weiterflug von Frankfurt nach Budapest - weil einzelne keine Maske tragen wollten.

(KNA/dpa) – Eine Gruppe orthodoxer Juden hat Lufthansa zu einer Entschuldigung wegen Antisemitismus aufgefordert. Sie werfen der deutschen Fluglinie vor, allen als Juden erkennbaren Passagieren auf einem Flug von New York die Anschlussverbindung Frankfurt-Budapest verweigert zu haben. Als Begründung sei der Verstoß mehrerer Passagiere gegen die Maskenpflicht auf dem ersten Teil des Fluges angeführt worden.


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Betroffen waren demnach knapp 130 jüdisch-orthodoxe Passagiere auf einem Flug von New York nach Budapest via Frankfurt am vergangenen Mittwoch. Gegen sie sei ein Weiterflugverbot ausgesprochen und durch Beamte der Bundespolizei durchgesetzt worden. Ferner soll ihnen untersagt worden sein, für 24 Stunden ein neues Ticket nach Budapest zu kaufen.

Ein Sprecher der Fluglinie sagte demnach der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, man habe die Personen nicht befördert, da sie sich auf dem Flug von New York nach Frankfurt trotz Aufforderung des Kabinenpersonals nicht an das vorgeschriebene Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes gehalten hätten. Das Unternehmen müsse sich ohne Vorurteile und zum Wohl aller Fluggäste an die gesetzlichen Bestimmungen halten, einschließlich des von der deutschen Regierung auferlegten Maskenmandats.

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Im Internet waren mehrere Videos von verärgerten Passagieren veröffentlicht worden, darunter eines, das eine Mitarbeiterin der Fluggesellschaft zeigt, der den jüdischen Passagieren vorwarf, Chaos und Probleme verursacht zu haben. Auf einem anderen ist zu sehen, wie ein deutscher Polizist ungehalten reagiert, nachdem er aus der Gruppe als „Nazi“ bezeichnet wird. 

Laut Bericht warfen die Betroffenen dem Unternehmen Antisemitismus vor, weil es allen als Juden erkennbaren Passagieren den Weiterflug verweigerte. Sie forderten neben einer Entschuldigung eine Aufklärung des Zwischenfalls.

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Die jüdischen Passagiere waren auf einer jährlichen Pilgerfahrt, um das Grab des als wundertätig verehrten Rabbiner Jeschaja Steiner in einem Dorf im Nordosten Ungarns zu besuchen.

Fluglinie entschuldigt sich auf Twitter

Am Dienstag entschuldigte die Lufthansa sich dafür, der Gruppe den Weiterflug von Frankfurt nach Budapest verweigert zu haben. „Lufthansa entschuldigt sich ausdrücklich bei den Gästen“, hieß es in einem am Dienstag veröffentlichten Tweet der Fluggesellschaft. „Die Ereignisse stehen nicht im Einklang mit unseren Werten.“ Hessens Antisemitismusbeauftragter Uwe Becker forderte die Lufthansa-Unternehmensspitze auf, Stellung zu beziehen.

Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ schrieb unter Berufung auf einen Passagier der Lufthansa-Maschine aus New York, es seien alle Reisenden, die durch Hut und Schläfenlocken als Juden zu erkennen gewesen seien, von der weiteren Beförderung ausgeschlossen worden – und nicht gezielt die Passagiere, die sich falsch verhalten hätten.

Im Lufthansa-Statement vom Dienstag heißt es weiter, der Vorfall werde sehr ernst genommen und es werde weiter intensiv an der Aufklärung gearbeitet. „Ungeachtet davon bedauern wir, dass der größeren Gruppe die Weiterreise nicht ermöglicht wurde, anstatt diese Entscheidung auf einzelne Personen zu beschränken.“


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Hessens Antisemitismusbeauftragter teilte am Dienstagabend mit, offensichtlich sei alleine wegen ihres erkennbaren Glaubens eine ganze Gruppe von Menschen für etwas verantwortlich gemacht worden, das nur einzelne Reisende betraf. „Dies ist diskriminierend und keine Bagatelle und umso mehr sollte sich auch die Unternehmensspitze persönlich in der Verantwortung sehen, sich für diesen Vorfall zu entschuldigen und klar und unmissverständlich Stellung beziehen“, so Becker. Für Gespräche stehe er der Lufthansa gerne zur Verfügung. „So etwas darf sich nicht wiederholen“, sagte der Antisemitismusbeauftragte.


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