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Anschlag in Barcelona: Spanische Terrorermittler haben Imam im Visier
International 2 Min. 20.08.2017

Anschlag in Barcelona: Spanische Terrorermittler haben Imam im Visier

Tausende Menschen versammelten sich am Samstagabend auf der Flaniermeile Las Ramblas in Barcelona.

Anschlag in Barcelona: Spanische Terrorermittler haben Imam im Visier

Tausende Menschen versammelten sich am Samstagabend auf der Flaniermeile Las Ramblas in Barcelona.
Foto: AFP
International 2 Min. 20.08.2017

Anschlag in Barcelona: Spanische Terrorermittler haben Imam im Visier

Nadine SCHARTZ
Nadine SCHARTZ
Der Polizei gilt er als Schlüsselfigur des Terrors in Katalonien: Ein islamischer Geistlicher könnte die jungen Männer radikalisiert und die Terrorzelle geführt haben. Unklar ist allerdings, ob der Mann untergetaucht oder bereits tot ist.

(dpa) - Nach dem Terroranschlag von Barcelona konzentrieren sich die Ermittlungen Medienberichten zufolge auf einen Imam, bei dem es sich um den Kopf der verantwortlichen Terrorzelle handeln soll. Abdelbaki Es Satty predigte bis Juni in der Moschee der Ortschaft Ripoll und könnte für die Radikalisierung der Gruppe verantwortlich sein, wie eine Cousine des Hauptverdächtigen Younes Abouyaaqoub sagte. „Das glauben die meisten. Das waren normale Jungs. Erst als er kam, haben sie angefangen, sich mit Religion zu beschäftigen.“

Es Satty verbüßte eine vierjährige Haftstrafe wegen Drogenhandels und soll Kontakte zu den Verantwortlichen der Zuganschläge 2004 in Madrid gehabt haben, wie die Zeitung „El País“ berichtete. Ob der Geistliche überhaupt noch am Leben ist, ist aber unklar.

Die Polizei entdeckte Medienberichten zufolge die sterblichen Überreste von drei Personen in den Trümmern des Hauses in Alcanar, wo sich am Mittwoch eine Explosion ereignet hatte. Die Beamten vermuten, dass die Gruppe dort Sprengstoff lagerte und ein noch größeres Attentat als das in Barcelona vorbereitete.

120 Gasflaschen gefunden

Wie Polizeichef Josep Lluis Trapero am Sonntag erklärte, waren in dem Haus in Alcanar 120 Gasflaschen gefunden worden. Er wird vermutet, dass die mutmaßlich für die Anschläge von Barcelona und Cambrils verantwortliche Terrorzelle die Flaschen dort hortete. Die Explosion in Alcanar hatte wohl die ursprünglichen Pläne der Gruppe durchkreuzt, die daraufhin mit Fahrzeugen in Barcelona und der Küstenstadt Cambrils 14 Menschen getötet und 120 weitere verletzt hatte.

Der Hauptverdächtige Abouyaaqoub, der den Lieferwagen in Barcelona gesteuert haben soll, und der Imam Es Satty könnten entweder bei der Explosion ums Leben gekommen oder noch auf der Flucht sein. Abouyaaqoubs Mutter appellierte an ihren Sohn, sich zu stellen. „Er soll zur Polizei gehen und sich stellen. Mir ist es lieber, er kommt ins Gefängnis, als dass er stirbt“, sagte sie am Samstag bei einer Versammlung der muslimischen Bewohner von Ripoll.

Ein Dutzend Verdächtige

Die Ermittler gehen davon aus, dass die Attacken in Barcelona und Cambrils von einem Netzwerk von insgesamt rund einem Dutzend Verdächtigen verübt wurde. Fünf von ihnen wurden in Cambrils erschossen, vier festgenommen. Die Identität von drei weiteren ist geklärt, zu ihnen gehören Abouyaaqoub und Es Satty.

Die vier in Katalonien festgenommenen Terror-Verdächtigen sollen voraussichtlich am Dienstag dem zuständigen Ermittlungsrichter Fernando Andreu vorgeführt und verhört werden.

Die Sicherheitskräfte erklärten am Sonntag jedoch auch via Twitter, es gebe eine neue Spur. „Wir sind sehr nah an einer Person dran, die mit beiden Attentaten in Verbindung steht.“ Welche Rolle die Person genau gespielt haben könnte, blieb zunächst offen.

Mit Blick auf die sich häufenden Anschläge in Europas Metropolen forderte EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani mehr grenzüberschreitende Kooperation bei der Terrorabwehr. „Eine stärkere Zusammenarbeit bei der Strafverfolgung, den Geheimdiensten und den Justizbehörden wird uns helfen, den Krieg gegen den Terror zu gewinnen“, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Noch 54 Terroropfer im Krankenhaus

Inzwischen liegen noch 54 Terroropfer verletzt im Krankenhaus, wie die katalanischen Notfalldienste mitteilten. Zwölf Patienten seien in kritischem Zustand, 25 weitere schwer verletzt - darunter viele Ausländer. 

Das spanische Königspaar Letizia und Felipe beteiligten sich am Samstagabend an der Gedenkfeier.
Das spanische Königspaar Letizia und Felipe beteiligten sich am Samstagabend an der Gedenkfeier.
Foto: AFP

Der spanische König Felipe VI. und seine Frau Letizia legten am Samstagabend am Ort des Terroranschlags von Barcelona Blumen nieder. „Wir haben keine Angst und werden niemals Angst haben“, sagte der Monarch. Rund 200 Muslime marschierten unter dem Motto „Wir sind Muslime, keine Terroristen“ über die Ramblas. 


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