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Anschläge in Sri Lanka: Einige Täter noch auf der Flucht
Der Premierminister von Sri Lanka, Ranil Wickremesinghe.

Anschläge in Sri Lanka: Einige Täter noch auf der Flucht

Bild: AFP/Mohd Rasfan
Der Premierminister von Sri Lanka, Ranil Wickremesinghe.
International 3 Min. 24.04.2019

Anschläge in Sri Lanka: Einige Täter noch auf der Flucht

Der IS hat die Anschläge in Sri Lanka für sich reklamiert. Die Regierung glaubt an eine Vergeltungsmaßnahme für Christchurch. Weil Hinweise auf Anschlagspläne nicht weitergegeben wurden, soll es Konsequenzen für die Sicherheitsbehörden geben. Unterdessen warnt die Regierung vor flüchtigen Tätern.

(dpa) - Nach den Anschlägen in Sri Lanka mit inzwischen mehr als 350 Toten will die Regierung die Chefs der Sicherheitsbehörden wegen mangelnder Informationspolitik entlassen. Staatspräsident Maithripala Sirisena kündigte am späten Dienstagabend (Ortszeit) in einer Fernsehansprache an, die Führungen der Polizei und anderer Sicherheitskräfte binnen 24 Stunden umzukrempeln. Vorab vorliegende Hinweise auf Anschlagspläne seien nicht an die Regierung weitergegeben worden.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hatte die Selbstmordanschläge auf Hotels und christliche Kirchen in Sri Lanka für sich reklamiert. Nach Angaben von Sri Lankas Premierminister Ranil Wickremesinghe waren noch einige Verdächtige auf der Flucht, manche von ihnen seien im Besitz von Sprengstoff.


Sri Lankan mourners take part in moments of silence in tribute to bomb blast victims in Colombo on April 23, 2019, two days after a string of suicide bomb attacks on churches and hotels. - Sri Lanka fell silent for three minutes April 23 on a day of national mourning to honour more than 300 people killed in suicide bomb blasts that have been blamed on a local Islamist group. (Photo by LAKRUWAN WANNIARACHCHI / AFP)
IS reklamiert Anschläge in Sri Lanka für sich
Experten warnen weiterhin vor der Gefahr von Anschlägen durch die Extremisten.

Nach Einschätzung der Regierung Sri Lankas waren die Anschläge als Vergeltung für den Anschlag auf Moscheen im neuseeländischen Christchurch im März gedacht, wie Vize-Verteidigungsminister Ruwan Wijewardene erklärte. Ein Sprecher von Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern sagte am Mittwoch allerdings, der Regierung des Pazifikstaats seien keine derartigen Geheimdienstinformationen bekannt. Bei dem Anschlag eines mutmaßlichen Einzeltäters - ein Rechtsextremist aus Australien – auf zwei Moscheen am 15. März waren während der Freitagsgebete 50 Menschen getötet und Dutzende verletzt worden.

Das IS-Sprachrohr Amak berichtete am Dienstag in den sozialen Netzwerken, die Angreifer seien IS-Kämpfer gewesen. Es kursierte auch ein Video, das angeblich zeigte, wie die sieben Selbstmordattentäter aus Sri Lanka vor einer IS-Flagge dem IS-Chef Abu Bakr al-Bagdadi einen Treueeid leisteten. Kämpfer des Islamischen Staates hätten „Bürger der Koalition und die christliche Gemeinschaft“ attackiert, hieß es. Eine Verbindung zu Christchurch stellte das Sprachrohr nicht her.

Mit „Bürgern der Koalition“ bezeichnet der IS Staatsbürger von Ländern, die der internationalen Anti-IS-Koalition angehören, die die Terrormiliz in Syrien und im Irak bekämpft. Sri Lanka gehört der Koalition nicht an. Touristen in den angegriffenen Hotels könnten gemeint sein. Die Echtheit der Bekennernachricht ließ sich zunächst nicht unabhängig überprüfen. Sie wurde über die üblichen Kanäle in den sozialen Netzwerken verbreitet, in denen der IS auch in der Vergangenheit Anschläge für sich reklamiert hatte.

Ein Bild einer Überwachungskamera zeigt einen mutmaßlichen Selbstmordattentäter unmittelbar vor dem Anschlag auf die Sankt-Sebastian-Kirche in Negombo.
Ein Bild einer Überwachungskamera zeigt einen mutmaßlichen Selbstmordattentäter unmittelbar vor dem Anschlag auf die Sankt-Sebastian-Kirche in Negombo.
Bild: AFP/CCTV Sri Lanka

Wickremesinghe sagte bei einer Pressekonferenz am Dienstag, es habe schon zuvor der Verdacht bestanden, dass die Attentäter Verbindungen zum IS gehabt haben könnten. Einige der Angreifer seien im Ausland gewesen, erklärte Wickremesinghe, ohne die Verbindungen zum IS zu bestätigen. Als Täter macht Sri Lanka eine einheimische Islamistengruppe verantwortlich. Über einen Ableger des Islamischen Staates in Sri Lanka ist bisher nichts bekannt.


Mourners stand beside a coffin of a bomb blast victim at a funeral service at St Sebastian's Church in Negombo on April 23, 2019, two days after a series of bomb blasts targeting churches and luxury hotels in Sri Lanka. - Sri Lanka began a day of national mourning on April 23 with three minutes of silence to honour nearly 300 people killed in suicide bomb blasts that have been blamed on a local Islamist group. (Photo by ISHARA S. KODIKARA / AFP)
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Sieben sri-lankische Selbstmordattentäter hatten sich am Ostersonntag nahezu zeitgleich in drei Kirchen in mehreren Städten und drei Luxushotels in der Hauptstadt Colombo in die Luft gesprengt. Einige Stunden später gab es zwei weitere Explosionen in einem kleinen Hotel und einer Wohngegend im Vororten Colombos. Die Zahl der Toten lag nach Polizeiangaben vom Mittwoch bei 359 – darunter waren laut Außenministerium 34 Ausländer, 14 wurden noch vermisst. Auch ein Deutsch-Amerikaner wurde getötet, wie das Auswärtige Amt mitteilte. Laut Unicef kamen auch 45 Kinder ums Leben. Mehr als 500 Verletzte wurden nach Angaben der Polizei noch in Krankenhäusern behandelt.

Sicherheitskräfte vor dem abgesperrten Eingangsbereich des Luxushotels Shangri-La in Colombo.
Sicherheitskräfte vor dem abgesperrten Eingangsbereich des Luxushotels Shangri-La in Colombo.
Bild: AFP/Ishara S. Kodikara

60 Menschen waren laut Polizei am Mittwoch in Gewahrsam - alle seien Sri Lanker. Dass auch ein syrischer Staatsbürger darunter war, wie die Polizei zunächst bestätigt hatte, dementierte Wickremesinghe. Er bestätigte aber einen Bericht, wonach es einen Anschlagsversuch auf ein weiteres Fünf-Sterne-Hotel gegeben hatte, der fehlschlug.

Es hatte vor den Attacken Hinweise auf Anschlagspläne der Gruppen gegeben, wie Kabinettssprecher Rajitha Senaratne erklärte. Ausländische Geheimdienste hätten bereits am 4. April über mögliche Selbstmordanschläge auf Kirchen und Touristenziele in Sri Lanka informiert – die Informationen stammten aus Indien, wie Wickremesinghe bekanntgab. „Wir tragen die Verantwortung, es tut uns sehr leid“, sagte Senaratne im Namen der Regierung.


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