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Amokfahrer von Trier wegen fünffachen Mordes angeklagt
International 2 Min. 29.04.2021

Amokfahrer von Trier wegen fünffachen Mordes angeklagt

Polizisten in der abgesperrten Trierer Innenstadt am Abend des 1. Dezember.

Amokfahrer von Trier wegen fünffachen Mordes angeklagt

Polizisten in der abgesperrten Trierer Innenstadt am Abend des 1. Dezember.
Foto: AFP
International 2 Min. 29.04.2021

Amokfahrer von Trier wegen fünffachen Mordes angeklagt

Der Amokfahrer war am 1. Dezember 2020 mit seinem Sportgeländewagen durch die Trierer Fußgängerzone gerast.

(dpa/mer) - Knapp fünf Monate nach der Amokfahrt in Trier hat die Staatsanwaltschaft den Fahrer wegen fünffachen Mordes angeklagt. Zudem wirft die Behörde dem 51-jährigen Deutschen versuchten Mord in 18 weiteren Fällen vor, davon 14 Mal in Tateinheit mit gefährlicher oder schwerer Körperverletzung, wie die Staatsanwaltschaft am Donnerstag in Trier mitteilte. Wann der Prozess beginnt, steht noch nicht fest. 

Der Amokfahrer war am 1. Dezember 2020 mit seinem Sportgeländewagen durch die Trierer Fußgängerzone gerast. In der Absicht, „möglichst viele Menschen zu töten oder zumindest zu verletzen“, sei er „wahllos und gezielt auf Passanten“ zugefahren, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Bei der Tat wurden fünf Menschen getötet: ein neun Wochen altes Baby, dessen Vater und drei Frauen.

Offenbar keine Suizidabsicht


Polizisten in der abgesperrten Trierer Innenstadt am Abend des 1. Dezember.
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Das Motiv des Mannes sei weiter unklar, sagte  Oberstaatsanwalt Peter Fritzen. „Er hat im Wesentlichen behauptet, an Einzelheiten des Tatgeschehens keine Erinnerung zu haben.“ Die Staatsanwaltschaft gehe derzeit davon aus, dass er aus persönlichen Motiven gehandelt habe. Er sei alleinstehend, arbeitslos, ohne festen Wohnsitz und offenbar durch seine persönlichen Lebensumstände frustriert gewesen, hieß es.

Nach vorläufiger Einschätzung eines psychiatrischen Sachverständigen leide er zudem an einer Psychose.  „In seinen Vernehmungen hat er realitätsfern anmutende Angaben über Geschehnisse gemacht, die ihm in seinem bisherigen Leben widerfahren seien, und durch die er sich von seiner Außenwelt benachteiligt sieht.“ Offenbar war es nicht die Absicht des mutmaßlichen Täters, bei der rasanten Fahrt durch die Fußgängerzone selbst ums Leben zu kommen: „Diesbezüglich gibt es keine Hinweise, nein, dergleichen hat er nicht geäußert“, sagte Fritzen auf Nachfrage des „Luxemburger Wort“. 

Nach Verlassen der Fußgängerzone habe der Mann sein Fahrzeug nach wenigen hundert Metern angehalten, sei ausgestiegen und habe eine Zigarette geraucht, bevor er wenig später von der Polizei festgenommen worden sei. „Der Angeschuldigte hat in seinen Vernehmungen bisher keine nachvollziehbare Erklärung zu dem Motiv abgegeben“, so Fritzen. Es hätten sich jedenfalls keine Hinweise auf Tatmotive ideologischer oder politischer Art ergeben. Über die Frage der Schuldfähigkeit werde das Landgericht Trier in der Hauptverhandlung entscheiden. Das Gutachten des psychiatrischen Sachverständigen liege noch nicht vor. Anhaltspunkte für eine vollständige Aufhebung der Schuldfähigkeit hätten sich bislang aber nicht ergeben.

Langzeitfolgen


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Die Menschen, die den Angriff überlebten, erlitten erhebliche Verletzungen unterschiedlicher Schwere. Mehrere Personen seien so schwer verletzt, dass sie bis heute klinisch behandelt werden müssten. Der Amokfahrer sei zur Tatzeit alkoholisiert gewesen. Er war teils mehr als 80 Stundenkilometer schnell und konnte kurz nach der Tat festgenommen werden. Die Amokfahrt hatte in Trier einen tagelangen Schockzustand und anhaltende Trauer ausgelöst.   

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