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Amnesty fordert Biden zur Lager-Schließung auf
International 2 Min. 08.01.2022
20 Jahre Guantánamo

Amnesty fordert Biden zur Lager-Schließung auf

In orangefarbene Overalls gekleidete Häftlinge knien im US-Gefangenenlager Guantánamo.
20 Jahre Guantánamo

Amnesty fordert Biden zur Lager-Schließung auf

In orangefarbene Overalls gekleidete Häftlinge knien im US-Gefangenenlager Guantánamo.
Foto: DPA
International 2 Min. 08.01.2022
20 Jahre Guantánamo

Amnesty fordert Biden zur Lager-Schließung auf

US-Präsident Biden hat zum Ziel erklärt, das Gefangenenlager zu schließen. Damit ist einst schon sein früherer Chef gescheitert.

(dpa) - 20 Jahre nach Eröffnung des US-Gefangenenlagers Guantánamo fordert die Menschenrechtsorganisation Amnesty International US-Präsident Joe Biden zur Schließung der umstrittenen Einrichtung auf. „Das Lager stellt ein Synonym für Willkür, Ungerechtigkeit und Folter dar. Das System Guantánamo ist nicht zu reparieren“, sagte der USA-Experte von Amnesty in Deutschland, Sumit Bhattacharyya, der Deutschen Presse-Agentur in Washington. „Das Lager selber muss geschlossen werden und Menschen, die an Folter oder an anderen illegalen Aktionen beteiligt waren, müssen vor Gericht gestellt werden. Die müssen sich für ihre Taten verantworten.“

Anlässlich des bevorstehenden 20. Jahrestags der Eröffnung des Lagers hat Amnesty International am Samstag Proteste in mehreren Städten in verschiedenen Staaten organisiert. Die ersten Gefangenen waren am 11. Januar 2002 in das Camp auf Kuba gebracht worden, das in einem US-Militärstützpunkt liegt. Amnesty wirft den USA vor, „kontinuierlich und systematisch“ Menschenrechte in dem Lager verletzt zu haben. Die Organisation fordert, dass die noch verbliebenen 39 Gefangenen „ein faires, rechtsstaatliches Verfahren vor zivilen Gerichten“ erhalten müssten. Sollten keine Beweise für Taten vorgelegt werden können, müssten sie freigelassen werden.

Bis zu 800 Häftlinge

Insgesamt waren fast 800 Menschen zeitweise in dem Lager auf Kuba inhaftiert. Es war nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 unter dem republikanischen Präsidenten George W. Bush errichtet worden, um mutmaßliche islamistische Terroristen ohne Prozess festzuhalten. Bushs Nachfolger, der Demokrat Barack Obama, wollte es schließen, scheiterte aber am Widerstand im US-Kongress. Der Republikaner Donald Trump wiederum wollte das Lager weiter offen halten. Biden - der einst Obamas Vizepräsident war - hat als Ziel die Schließung ausgegeben. Er hat nach Angaben seiner Regierung eine „umfassende Überprüfung“ des Gefangenenlagers eingeleitet.


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„Dass dieses Lager keinen internationalen Standards entspricht, ist seit zwei Jahrzehnten bekannt“, sagte Bhattacharyya zur Überprüfung. Der Experte fügte mit Blick auf die US-Kongresswahlen in diesem Jahr hinzu: „Es wäre sehr zu wünschen, dass Biden vor der nächsten Wahl im November ernst macht und endlich das Lager schließt, damit dieser Schandfleck der US-amerikanischen Geschichte endlich getilgt ist.“ Bidens bisherige Bemühungen dafür seien allerdings „eher halbherzig“.


Tourists walk next to a poster of Cuban President Raul Castro and US president Barack Obama in Havana, on March 18, 2016. US president Barack Obama touches down in Havana on Sunday to cap a long-unimaginable rapprochement with Cuba and burnish a presidential legacy dulled by Middle East quagmires and partisan sniping. As Air Force One rolls to a stop, Obama will become the first sitting US president to visit Cuba since Calvin Coolidge arrived on a battleship in 1928, before the discovery of penicillin or invention of the ballpoint pen.      AFP PHOTO/YAMIL LAGE
Obama besucht Kuba - Fidel-Fotos mit Maduro
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Bhattacharyya sagte, von Guantánamo sei von vornherein ein verheerendes Signal ausgegangen. „Das Lager Guantanamo hat in die Welt das Signal geschickt, dass Staaten, die sich wie die USA selbst als Vorkämpferinnen für Menschenrechte sehen, in bestimmten Situationen bereit sind, grundlegende Prinzipien wie das der Rechtsstaatlichkeit aufzugeben. Ein viel stärkeres Zeichen wäre gewesen zu sagen: Die USA begegnen schweren Verbrechen wie den Anschlägen vom 11. September mit rechtsstaatlichen Standards. Und wir rücken von diesem Prinzip auch nicht ab.“     

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